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FotoHistoGrafie - Einweihung des Hindenburgdamms 1927
Der Dammbau (1-2-3)

Hamburg,


2.4.1927. Der allererste Zug, der von Morsum bis zum Bahnhof Westerland fährt ist ein interessantes Ereignis für die 7000 Bewohner Sylts. Mit von der Partie sind Pastor Johler und Sohn Ekkehard. Zu diesem Zeitpunkt sind die Gleise auf dem Hindenburdamm noch nicht fertig.






Der Zug mit Hindenburg im nagelneuen Bahnhof Keitum.





Bahnhofs-Alltag: Wo stand dieses Bahnhofsgebäude? Wilfried Koopmann, Enkel des ersten Bahnhofsvorstehers in Keitum, schreibt:"Mein Opa hatte Anfang der 50er den Bahnhof Klanxbüll und ich habe in der Zeit hinter der auf dem Foto sichtbaren Giebelfassade gespielt."





Westerland, 1.6.1927. Reichspräsident Hindenburg schnuppert Nordseeluft. Sie scheint ihm nicht gefallen zu haben, denn er kommt nach der Einweihung des Damms nie wieder nach Sylt.






Nach der Begrüssung vor dem Westerländer Bahnhof...






...geht es gleich rein ins Auto.






Hindenburg fährt zum Westerländer Rathaus.







Das ist also die Nordsee. Sehr interessant.-
Wer genau hinsieht, merkt, dass Hindenburg einen Opel fährt
für heutige Staatsoberhäupter unvorstellbar.






1.6.1927. "Von heute an heißt der Sylter Damm Hindenburgdamm." Der Gerneraldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. Dorpmüller, tauft den Damm in Anwesenheit von Hindenburg während eines Festfrühstücks im großen Kursaal in Westerland. Die Sylter Zeitung berichtet von orkanartigem Beifall als Reakton der Anwesenden.






Westerland vor dem Rathaus. Was heute an Rosenmontag erinnert, ist 1927 Vergangenheitsbewältigung. Als Eisboot wird ein Boot der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vorgeführt, das ehemals gängige Winter-Verkehrsmittel zwischen Sylt und dem Festland. Es hat nun glücklicherweise ausgedient, denn die Fahrt damit ist immer gefährlich gewesen und hat im Laufe der Jahre viele Menschenleben gekostet. Ein letztes Boot dieser Baureihe steht noch heute in Morsum, wenn man von Archsum kommt rechts am Ortseingang. Die Männer auf dem Wagen sind Fritz Lohhoff aus Tinnum, Martin Boysen und Martin Jürgensen aus Morsum sowie Adolf Hansen aus Keitum.

Der Festzug mit insgesamt 36 Gruppen zur Einweihung des Hindenburgdamms beginnt um 14:30 Uhr und wird durch einen dreistündigen Starkregen erheblich gestört. Die illustren Gäste einschliesslich Hindenburg fliehen unter die Arkaden. Mag sein, daß Hindenburg deshalb nie wieder nach Sylt kommt. So ein Wetter muß man eben mögen...



Berechtigung zum Zugang zu den Dammeinweihungsfeierlichkeiten
Vor dem Rathaus in Westerland durften nur ausgewählte Gäste den Umzug verfogen.








Als symbolisches Hilfsmittel des Dammbaus wird ein Spülrohr präsentiert. An den Seiten finden sich Faschinen, Reisig- und Rutenbündel zur Aufschlickung.






Der Sage nach sollen auch Römer aus Sylt gewesen sein. Diese Gruppe könnte sie darstellen. Dann ist als Anführer Hans Wacker zu sehen. Die anderen Römer werden von Christiansen, Hagge, Alwin Pflüger, Wohner, Bossen, Gantzel, Steffens, Albertsen, Boysen und Freiberg dargestellt.






Hier könnte es sich um die Gruppe Frauenfeldzug handeln, die Teil der Darstellung der Seeschlacht unter König Christian IV. von Dänemark war. Dann wären daran beteiligt Inka Jensen, Braderup; Liesbeth Ratzlaff und Marie Petersen, Wenningstedt; Helene Lützen, Gretel Aggesen, Frau Jürgensen, Frau Ewertsen, Frl. Diek Tinnum; Frl. Nielsen, Frl. Jansen, Keitum; Frl. Jebens, Frl. Wagner, Frl. Kobow, Frl. Moritzen, Maybachstr. Westerland; Erna Beckmann, Frau Oehme, Frl. Lauritzen, Tinnum.






Hier werden offensichtlich Wallensteinische Dragoner dargestellt, die 1628 nach Sylt kamen. Darsteller sind Peter Christiansen, Morsum; Helmut Christiansen, Westerland; Lorenz Jens Petersen, Max Bossen, Peter Körner und Jenner Simonsen, Morsum.






Hier könnte es sich um die Darstellung der Landung von Wikingern handeln, die angeblich einmal bei Wenningstedt nach Sylt gekommen sein sollen. Als Wikinger posieren Jan Peters, Max Meyer, Erich Prott, Munkmarsch; Hans Jensen, Jörgen Jörgensen, Archsum; Hermann Petersen, und Alfred Paulmann , Westerland.







Diese Gruppe erinnert an den Einzug des Christentums auf Sylt im 13. Jahrhundert. Als Symbol dient das Modell der Keitumer Kirche.








Auf dem Weg zum Festzug. Es könnte sich um die Gruppe Walfischfänger aus Morsum handeln. Mit dabei waren Christian Karl Christiansen, Otto Schmidt, Johann Pien, Johannes Johansen, Chresten Fuglsang, Christian Boysen, Bruno Nagel, Gottfried Schmidt, Karl Petersen,und Max Simonsen. Aus Archsum ist Peter Klint dabei.






Der dänische Zwingherr Claas Limbeck sol einer Sage nach in der Tinnumer Burg gewohnt haben. Er wird dargestellt vom zügelhaltenden Boy Jürgensen, Tinnum. Auf dem Pferd M. Ziegler. Die Pagen spielen Frl. Stevens und Frl. Jansen.



FestzugteilnehmerInnen zur Eröffnung des Hindenburgdamms.
Es könnte sich um die Gruppe Sylter Brautfestzug in den Trachten des 18. Jahrhunderts handeln. Das Foto wird angesichts des Kirchengestühls möglicherweise in der Morsumer Kirche aufgenommen worden sein.



Festzug zur Hindenburgdammeinweihung.
Vielleicht wird hier der Sylter Strandvogt Lorenz Petersen de Hahn dargestellt.





Teilnehmerinnen das Festzuges zur Dammbau-Einweihung in Westerland 1927
Teilnehmerinnen des Festzugs am Strand von Westerland.







Emmelsbüll 1928.
Auch auf dem Festland steht die Infrastruktur an der Bahnstrecke nach Sylt. Diese Arbeiter waren verantwortlich für den Bau des Emmelsbüller Bahnhofs. Unter ihnen Tischler Henry Grünberg aus Niebüll. Er war für die Innenvertäfelung zuständig.





Jetzt beginnt das Marketing. Zunächst wird der Bau werblich ins Bild gesetzt...






...Dann dominiert die Visualisierung der Vorteile des Damms für den Reisenden. Man erkennt darauf sehr gut, dass die Ostspitze von Sylt ein Höhenrücken ist (Nösse). Für den Bau der Eisenbahnlinie musste deshalb der Morsumer Einschnitt gegraben werden. Noch heute fahren Syltreisende dort durch eine kleine Schlucht, die der Eisenbahn ermöglicht, den Höhenrücken zu erklimmen. Eine noch verbliebene Brücke über die Gleise verbindet die zerschnittenen Teile Morsums. Das ausgebaggerte Erdreich hat Verwendung beim Dammbau gefunden.





Sylt - irgendwo da vorn.




Morsum 2002. Zum 75. Jubiläum der Einweihung des Hindenburgdamms kommt Peter Wedell aus Keitum als Hindenburgdarsteller per Zug auf dem Morsumer Bahnhof an.





Diesmal bekommt Karin Lauritzen, das wirkliche Blumenmädchen von 1927, selbst einen Blumenstrauß.




An winkenden Zuschauern vorbei werden die beiden durchs Dorf gefahren.







Begleitet werden sie von einer Sylter Trachtengruppe, Ringreitern und einer Blaskapelle.








Morsum 2002. Karin Lauritzen mit Ulle Weber. Anlass ist eine Lesung aus Maragrete Boies Buch Dammbau im Muasem Hüs während der Feier zum 75. Jahrestag der Einweihung des Hindenburgdamms. Im Hintergrund Fotos von Pastor Hans Johler und seiner handschriftlichen Bemerkung in seinem Buchexemplar.


Hans Johler, der Dammbaupastor
„Ich hatte stets das Ziel, Seelsorger in einer übersichtlichen Gruppe zu sein, wo eine größere irdische Sonderaufgabe zu lösen war. Darum meldete ich mich für eine Pfarre der Insel Sylt, von wo der Damm durchs Wattenmeer gebaut werden sollte.“

Diese Aufgabe war konfliktbeladen. Hans Johler sah den Damm nach Sylt als unausweichlich an, weil die politische Entscheidung dafür bereits gefallen war. Er war der Meinung, dass die neue Verkehrsverbindung mit großen Chancen verbunden ist. Der Tourismus profitiert, landwirtschaftliche Produkte können auch aus das Festland verkauft werden. Die Jugend hat besseren Zugang zu neuen Erfahrungen und höherer Bildung – alles Chancen für die Sylter aus der weit verbreiteten Armut herauszukommen.

Dagegen sprachen sich gerade die Ältern in Morsum aus. Sie waren mit dem zufrieden, was sie hatten. „Nach Niebüll ins Kino fahren geht nicht!“ wird Kirchenvorstand Reinhard Bleicken zitiert. Diese Älteren waren gerade im 1. Weltkrieg in der Gemeinde besonders einflussreich, weil die Jungen aus dem Dorf in den Krieg ziehen mussten. Die Ängste der Älteren waren nicht völlig unbegründet: Sie fürchteten die günstigere Konkurrenz vom Festland für ihre landwirtschaftlichen Produkte, die sie bisher aus in Westerland verkauften, den Einfluss der Fremden vom Festland auf ihre Kultur, Sprache und Lebensweise. Aber der Druck der Westerländer Hoteliers und Geschäftsleute war stärker als der der Morsumer Bauern. In diesem Zwiespalt bewegte sich Hans Johler. Seine Lösung des Problems bestand darin, die Sylter fit zu machen für die neue Zeit. Dazu sah er Bildung als erste Voraussetzung. Soziale Öffnung der weitgehend abgeschotteten Gemeinde und Investitionen in mehr Wettbewerbsfähigkeit waren seine Perspektiven für das Dorf. Das sah natürlich kaum jemand in seiner Gemeinde gleich ein.

Auch die seelsorgerische Arbeit mit den Dammbauarbeitern, denen er durch eine Lesehalle und regelmäßige christliche Andachten in ihrer isolierten Wohnsituation außerhalb des Dorfes helfen wollte, stieß auf Widerstand in der Gemeinde. Er sei doch ihr Pastor, wurde gesagt. Als ein Morsumer während eines außergewöhnlichen Hochwassers beim Bergen seiner Tiere von einer überschwemmten Wiese ertrank und zur selben Zeit in Westerland die Strandpromenade stellenweise zusammenbrach, war Hans Johler vertretungsweise zum Konfirmandenuntericht in Westerland. Er konnte wetterbedingt nicht zurück. Auch das nahm man ihm übel. Er kümmert sich eben um andere und nicht seine Gemeinde.

Dieser Konflikt Alt gegen Neu ließ sich nicht lösen. Die Kirchenältesten intervenierten beim Propst, die Kirche stand auch nicht mehr hinter Hans Johler. So verließ er Morsum nach Fertigstellung des Hindenburgdamms zum Jahresende 1927, um in Hamburg als Pastor für die Binnenschiffer eine neue Aufgabe zu übernehmen. Hier versuchte er, die soziale Situation der Binnenschiffer und speziell ihrer Kinder zu verbessern, die durch häufiges Mitfahren auf den Kähnen kaum Möglichkeiten hatten, zu einer guten Schulbildung zu kommen. Darüber forschte und reflektierte Hans Johler in einer Doktorarbeit an der Universität Hamburg und in verschiedenen Presseartikeln. Auch das wurde ihm vorgehalten: Er vernachlässige seine Gemeindearbeit. Weil gegen Endes des Zweiten Weltkriegs kaum noch Binnenschiffe fahren konnten und seine Gemeinde dadurch schrumpfte, wurde Dr. Hans Johler als Vertretungspastor in verschiedenen Hamburger Gemeinden eingesetzt. Während eines solchen Gottesdienstes starb er 1943 in der Bramfelder Kirche am Herzinfarkt.

Ekkehard Lauritzen







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