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FotoHistoGrafie - Einweihung des Hindenburgdamms 1927
Der Dammbau (1-2-3)

Hamburg,


2.4.1927. Der allererste Zug, der von Morsum bis zum Bahnhof Westerland fährt ist ein interessantes Ereignis für die 7000 Bewohner Sylts. Der Materialzug ist um 12 Uhr mittags bereits unter dem Geläut der Lokomotivglocke in Morsum eingetroffen. Regierungs-Baumeister Griebel , der 1922 als Erster für den Dammbau auf der Insel seine Tätigkeit aufnahm, hat das Geläut veranlasst. Pastor Johler und Sohn Ekkehard steigen in Morsum ein und fahren mit nach Westerland. .




Hindenburg reist nach Sylt. Wo ist die Insel? Irgendwo da vorn.

Salonwagen von Hindenburg
Der Salonwagen von Hindenburg auf dem Damm Richtung Sylt.





Der Zug mit Hindenburg im nagelneuen Bahnhof Keitum.





Bahnhofs-Alltag: Wo stand dieses Bahnhofsgebäude? Wilfried Koopmann, Enkel des ersten Bahnhofsvorstehers in Keitum, schreibt:"Mein Opa hatte Anfang der 50er den Bahnhof Klanxbüll und ich habe in der Zeit hinter der auf dem Foto sichtbaren Giebelfassade gespielt."





Westerland, 1.6.1927. Reichspräsident Hindenburg schnuppert Nordseeluft. Sie scheint ihm nicht gefallen zu haben, denn er kommt nach der Einweihung des Damms nie wieder nach Sylt. Rechts von ihm stehen der Altonaer Reichsbahndirektionspräsident Dr. Schneider und der Reichsbahngeneraldirektor Dorpmüller.






Nach der Begrüßung vor dem Westerländer Bahnhof...






...geht es gleich rein ins Auto.






Hindenburg fährt zum Westerländer Rathaus.







Das ist also die Nordsee. Sehr interessant.-
Wer genau hinsieht, merkt, dass Hindenburg einen Opel fährt
für heutige Staatsoberhäupter unvorstellbar.






1.6.1927. "Von heute an heißt der Sylter Damm Hindenburgdamm." Der Gerneraldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. Dorpmüller, tauft den Damm in Anwesenheit von Hindenburg während eines Festfrühstücks im großen Kursaal in Westerland. Die Sylter Zeitung berichtet von orkanartigem Beifall als Reakton der Anwesenden.






Westerland vor dem Rathaus. Als Eisboot wird ein Boot der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vorgeführt, das ehemals gängige Winter-Verkehrsmittel zwischen Sylt und dem Festland. Der helle Wagenüberzug symbolisiert das zugefrorene Watt. Die Fahrt zum Festland ist immer gefährlich gewesen und hat im Laufe der Jahre viele Menschenleben gekostet. Ein letztes Boot dieser Baureihe steht noch heute in Morsum, wenn man von Archsum kommt rechts am Ortseingang. Die Männer auf dem Wagen sind Fritz Lohhoff aus Tinnum, Martin Boysen und Martin Jürgensen aus Morsum sowie Adolf Hansen aus Keitum.

Der Festzug mit insgesamt 36 Gruppen zur Einweihung des Hindenburgdamms beginnt um 14:30 Uhr . Er wird durch die Norag in ganz Norddeutschland im Radio übertragen. Die Kostüme lieferte die Firma Leopold Verch, Berlin. Die Masken stammen vom Westerländer Friseur Heinrich Koch.

Der Festzug wird wird durch einen dreistündigen Starkregen erheblich gestört. Die illustren Gäste einschliesslich Hindenburg fliehen unter die Arkaden. Mag sein, daß Hindenburg deshalb nie wieder nach Sylt kommt. So ein Wetter muß man eben mögen...



Berechtigung zum Zugang zu den Dammeinweihungsfeierlichkeiten
Vor dem Rathaus in Westerland durften nur ausgewählte Gäste den Umzug verfoglen.








Als symbolisches Hilfsmittel des Dammbaus wird ein Spülrohr präsentiert. An den Seiten finden sich Faschinen, Reisig- und Rutenbündel zur Aufschlickung. Als Führer fungiert Schnorr, Morsum.






Nach Überlieferungen sollen auch Römer aus Sylt gewesen sein, darunter sogar ein römischer Schriftsteller. Diese Gruppe präsentiert sich als römische Soldaten .Anführer ist Hans Wacker. Die anderen Römer werden von Christiansen, Hagge, Alwin Pflüger, Wohner, Bossen, Gantzel, Steffens, Albertsen, Boysen und Freiberg dargestellt.






Hier präsentiert sich die Gruppe Frauenfeldzug., die Teil der Darstellung der Seeschlacht unter König Christian IV. von Dänemark war." Eine schwedische Flotte lag in List vor Anker. Von dort aus brandschatzten die Schweden die ganze Insel. Die Männer waren zum größten Teil auf Fahrt und kreuzten mit ihren Schiffen auf fernen Meeren. Da taten sich die Frauen der Insel zusammen zu jenem denkwürdigen Frauenfeldzug. Die Schweden ergriffen beim Anblick des seltsamen Heeres , das über den Dünenhängen auftausche, die Flucht und zogen sich auf ihre Schiffe zurück. Wenig später wurden sie dann in der Seeschlacht im Lister Tief von der dänischen Flotte geschlagen."Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927
Beteiligt sind Inka Jensen, Braderup; Liesbeth Ratzlaff und Marie Petersen, Wenningstedt; Helene Lützen, Gretel Aggesen, Frau Jürgensen, Frau Ewertsen, Frl. Diek Tinnum; Frl. Nielsen, Frl. Jansen, Keitum; Frl. Jebens, Frl. Wagner, Frl. Kobow, Frl. Moritzen, Maybachstr. Westerland; Erna Beckmann, Frau Oehme, Frl. Lauritzen, Tinnum.






Das Jahr 1864 heißt diese Gruppe. "Während des deutsch-dänischen Krieges von 1864 stand Sylt mit den Nachbarinseln unter der Gewaltherrschaft des dänischen Kapitäns Hammer. Erst lange Zeit, nachdem das schleswigsche Festland befreit worden war, schlug auch für die Sylter die Befreiungsstunde. Eine Abteilung des österreichischen Jägerregiments Nr. 9 landete und wurde von der Bevölkerung freudig begrüßt."Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927
"Der Reiter ist Karl Lorenzen, Westerland. Offizier ist Dr. Behrends, Unteroffizier Ernst Hamelau. Als österreichische Mannschaften fungieren August Matzen, Westerland-Süderende; Ingwer Christiansen, Tinnum; Jens Hansen, Tinnum-Mühle; Heinrich Burmeister, Westerland, Kirchenweg; Heinrich Bremermann, Westerland; Theodor Andersen, Tinnum; Mathias Carstensen, Westerland-Gaaadt; Herman Stückmark, Westerland, Kampstraße; Svenn Sörensen bei John Theunis, Westerland; Alwin Vogel, Westerland, Feldstraße; Erich Johannsen, Tinnum; Peter Jürgensen, Haus Frisia; Theodor Gantzel, Westerland; Johannes Ketelsen, Tinnum; Philip Goehmann, Westerland; Willy Weber bei Adolf Andersen, Tinnum." Den Marketenderwages kutschiert Hermann Holmström, Westerland, Die Marketenderin ist Frau Jan Alwart.
Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927





Hier wird an die Landung von Wikingern auf Sylt erinnert, die angeblich einmal bei Wenningstedt an Land gegangen sein sollen. Als Wikinger posieren Jan Peters, Max Meyer, Erich Prott, Munkmarsch; Hans Jensen, Jörgen Jörgensen, Archsum; Hermann Petersen, und Alfred Paulmann , Westerland.







Diese Gruppe erinnert an den Einzug des Christentums auf Sylt im 13. Jahrhundert.. Erste Aufzeichnungen darüber stammen von Mönchen aus dem Jahr 1250.Sie erbauten die Keitumer Kirche. Ein Model des Bauwerks wird stolz präsentiert.








Auf dem Weg zum Festzug. Es handelt sich um die Gruppe Walfischfänger aus Morsum. "In der Gruppe der Walfischfänger wird die goldene Zeit der Sylter Seefahrt dargestellt, als über 100 Kapitäne und Steuerleute von Sylt ihre Schiffe ihre Schiffe in die Gewässer der Polarregion lenktenund dort dem nicht immer gefahrlosen Walfischfang nachgingen." Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927

Mit dabei waren Christian Karl Christiansen, Otto Schmidt, Johann Pien, Johannes Johansen, Chresten Fuglsang, Christian Boysen, Bruno Nagel, Gottfried Schmidt, Karl Petersen,und Max Simonsen. Aus Archsum ist Peter Klint dabei.






Der dänische Zwingherr Klaas Limbeck soll mit seier Frau in einem ein festen Haus in der Tinnumer Burg gewohnt haben. "Die Geschichte meldet von Klaas Limbeck, dass er nicht nur den Inseln und HardenNordfrieslands ein Bedrängnis war, sondern schließlich sogar dem dänischen König Trotz bot, wodurch sein Sturz herbeigeführt wurde."Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927
Limbeck wird dargestellt vom zügelhaltenden Boy Jürgensen, Tinnum. Auf dem Pferd M. Ziegler als seine Frau. Die Pagen spielen Frl. Stevens und Frl. Jansen.





Junge Frauen der Gruppe 30  in moderner Tracht
Junge Frauen der Gruppe 30 in moderner Tracht. "Eine ganze Reihe von Sylter Frauen und Mädchen hat sich die Tracht zu diesem Tage angefertigt. Ein rotgestreifter Rock aus Beiderwand, als Kopfbedeckung eine kleine praktische Hüf, unter dem Sprenger ein weißes Blusenhemd, dazu silberne Friesenknöpfe als Schmuck und rote Strümpfe mit niedrigen Schuhenbilden die Zusammensetzung dieser sehr ansprechenden und geschmackvolen Bekleidung."Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927

Die gesamte Gruppe war größer als auf dem Foto. Hier ale Teilnehmerinnen:
Westerland: Lotte Prott, Nikoline Matzen, Anni Brammsen, Lotti Sundermeier, Frieda Meyer, Erika Meyer, Ella Sparboom, Margarethe Meißner, Sylta Lorenzen, Gerda Lorenzen, Grete Hansen, Juliane Nielsen, Christiane Petersen, Dora Boysen, Marie Gliesmann, Frieda Gerts, Magdalena Reimers, Erna Sievers, Lotte Grote, Petrine Petersen, Annemarie Boysen, Anni Clausen, Angelika Petersen, Elsbeth Möler, Dolly Boysen, Charlotte Nieber, Elisabeth Petersen, Magdalena Lewens, Anni Wiehorst, Caroline Jenner.
Wenningstedt: Frieda Bisser.
Keitum: Sophie Runge, Bertha Mungard, Ida Selmer, Martha Reusch, Gretchen Howold, Marielouise Albertsen.
Archsum:Irma Jensen, Erna Jessen, Irma Jepsen.
Morsum: Karla Schröder, Tekla Claasen, Mathilde Petersen, Alice Matzen, Anni Matzen, Martha Bleicken, Lorenze Matzen.
Braderup: Gertrud Schulz, Alma Petersen, Minna Böteführ, Mimi Petersen.



FestzugteilnehmerInnen zur Eröffnung des Hindenburgdamms.
Dies ist die Gruppe Kirchgang. "Hier wird die Tracht bei der Rückkehr des Mannes von der Reise gezeigt, für welche Gelegenheit, wie bei allen besonderen Anlässen, eine besondere Anordnung der Tracht gewählt wurde." Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927
Das Foto wird angesichts des Kirchengestühls möglicherweise in der Morsumer Kirche aufgenommen worden sein. Darstellende Männer sind Hans Trummer, Thomas Laugesen, Ernst Mohr, Berndt. Die Frauenrollen werden von Eide Andresen, Frau Bomhoff-Claasen, Else Brodersen und Hildegard Lehmkuhl übernommen.



Festzug zur Hindenburgdammeinweihung.
Möglicherweise handelt es sich hier um Darsteller des Festspiels Goede Micheel von Fritz Lehmann, das am 2. Juni auf der Freiluftbühne in den Dünen uraufgeführt wurde. Die Darsteller sind Mitglieder der Sylter Winterspiele.






Teilnehmerinnen das Festzuges zur Dammbau-Einweihung in Westerland 1927
Teilnehmerinnen des Festzugs am Strand von Westerland.


Ohne Bild, aber mit Familienbezug:
Andreas Lauritzen, Morsum, ist Mitglied der Gruppe König Bröns und Riesen. Er spielt einen dieser Riesen.




Emmelsbüll 1928.
Auch auf dem Festland steht die Infrastruktur an der Bahnstrecke nach Sylt. Diese Arbeiter waren verantwortlich für den Bau des Emmelsbüller Bahnhofs. Unter ihnen Tischler Henry Grünberg aus Niebüll. Er war für die Innenvertäfelung zuständig.





Jetzt beginnt das Marketing. Zunächst wird der Bau werblich ins Bild gesetzt...






...Dann dominiert die Visualisierung der Vorteile des Damms für den Reisenden. Man erkennt darauf sehr gut, dass die Ostspitze von Sylt ein Höhenrücken ist (Nösse). Für den Bau der Eisenbahnlinie musste deshalb der Morsumer Einschnitt gegraben werden. Noch heute fahren Syltreisende dort durch eine kleine Schlucht, die der Eisenbahn ermöglicht, den Höhenrücken zu erklimmen. Eine noch verbliebene Brücke über die Gleise verbindet die zerschnittenen Teile Morsums. Das ausgebaggerte Erdreich hat Verwendung beim Dammbau gefunden.







Eine in die USA ausgewanderte Morsumerin schickt diesen Ausschnitt an Karins Eltern. An den Rand schrieb sie:"Wer ist das , ist es nicht Frau Pastor Johler aus Morsum? Ist das nicht ein schönes Bild? Das Bild war in unserer Zeitung."






Morsum 2002. Zum 75. Jubiläum der Einweihung des Hindenburgdamms kommt Peter Wedell aus Keitum als Hindenburgdarsteller per Zug auf dem Morsumer Bahnhof an.





Diesmal bekommt Karin Lauritzen, das wirkliche Blumenmädchen von 1927, selbst einen Blumenstrauß.




An winkenden Zuschauern vorbei werden die beiden durchs Dorf gefahren.







Begleitet werden sie von einer Sylter Trachtengruppe, Ringreitern und einer Blaskapelle.








Morsum 2002. Karin Lauritzen mit Ulle Weber. Anlass ist eine Lesung aus Maragrete Boies Buch Dammbau im Muasem Hüs während der Feier zum 75. Jahrestag der Einweihung des Hindenburgdamms. Im Hintergrund Fotos von Pastor Hans Johler und seiner handschriftlichen Bemerkung in seinem Buchexemplar.


Hans Johler, der Dammbaupastor
„Ich hatte stets das Ziel, Seelsorger in einer übersichtlichen Gruppe zu sein, wo eine größere irdische Sonderaufgabe zu lösen war. Darum meldete ich mich für eine Pfarre der Insel Sylt, von wo der Damm durchs Wattenmeer gebaut werden sollte.“

Diese Aufgabe war konfliktbeladen. Hans Johler sah den Damm nach Sylt als unausweichlich an, weil die politische Entscheidung dafür bereits gefallen war. Er war der Meinung, dass die neue Verkehrsverbindung mit großen Chancen verbunden ist. Der Tourismus profitiert, landwirtschaftliche Produkte können auch aus das Festland verkauft werden. Die Jugend hat besseren Zugang zu neuen Erfahrungen und höherer Bildung – alles Chancen für die Sylter aus der weit verbreiteten Armut herauszukommen.

Dagegen sprachen sich gerade die Ältern in Morsum aus. Sie waren mit dem zufrieden, was sie hatten. „Nach Niebüll ins Kino fahren geht nicht!“ wird Kirchenvorstand Reinhard Bleicken zitiert. Diese Älteren waren gerade im 1. Weltkrieg in der Gemeinde besonders einflussreich, weil die Jungen aus dem Dorf in den Krieg ziehen mussten. Die Ängste der Älteren waren nicht völlig unbegründet: Sie fürchteten die günstigere Konkurrenz vom Festland für ihre landwirtschaftlichen Produkte, die sie bisher aus in Westerland verkauften, den Einfluss der Fremden vom Festland auf ihre Kultur, Sprache und Lebensweise. Aber der Druck der Westerländer Hoteliers und Geschäftsleute war stärker als der der Morsumer Bauern. In diesem Zwiespalt bewegte sich Hans Johler. Seine Lösung des Problems bestand darin, die Sylter fit zu machen für die neue Zeit. Dazu sah er Bildung als erste Voraussetzung. Soziale Öffnung der weitgehend abgeschotteten Gemeinde und Investitionen in mehr Wettbewerbsfähigkeit waren seine Perspektiven für das Dorf. Das sah natürlich kaum jemand in seiner Gemeinde gleich ein.

Auch die seelsorgerische Arbeit mit den Dammbauarbeitern, denen er durch eine Lesehalle und regelmäßige christliche Andachten in ihrer isolierten Wohnsituation außerhalb des Dorfes helfen wollte, stieß auf Widerstand in der Gemeinde. Er sei doch ihr Pastor, wurde gesagt. Als ein Morsumer während eines außergewöhnlichen Hochwassers beim Bergen seiner Tiere von einer überschwemmten Wiese ertrank und zur selben Zeit in Westerland die Strandpromenade stellenweise zusammenbrach, war Hans Johler vertretungsweise zum Konfirmandenuntericht in Westerland. Er konnte wetterbedingt nicht zurück. Auch das nahm man ihm übel. Er kümmert sich eben um andere und nicht seine Gemeinde.

Dieser Konflikt Alt gegen Neu ließ sich nicht lösen. Die Kirchenältesten intervenierten beim Propst, die Kirche stand auch nicht mehr hinter Hans Johler. So verließ er Morsum nach Fertigstellung des Hindenburgdamms zum Jahresende 1927, um in Hamburg als Pastor für die Binnenschiffer eine neue Aufgabe zu übernehmen. Hier versuchte er, die soziale Situation der Binnenschiffer und speziell ihrer Kinder zu verbessern, die durch häufiges Mitfahren auf den Kähnen kaum Möglichkeiten hatten, zu einer guten Schulbildung zu kommen. Darüber forschte und reflektierte Hans Johler in einer Doktorarbeit an der Universität Hamburg und in verschiedenen Presseartikeln. Auch das wurde ihm vorgehalten: Er vernachlässige seine Gemeindearbeit. Weil gegen Endes des Zweiten Weltkriegs kaum noch Binnenschiffe fahren konnten und seine Gemeinde dadurch schrumpfte, wurde Dr. Hans Johler als Vertretungspastor in verschiedenen Hamburger Gemeinden eingesetzt. Während eines solchen Gottesdienstes starb er 1943 in der Bramfelder Kirche am Herzinfarkt.

Ekkehard Lauritzen




Warum der Damm gebaut wurde - Auszüge aus dem Artikel Der neue Eisenbahnweg durch das Wattenmeer erschienen in der Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927

" Der bisherige für die Personenbeförderung einzig brauchbare Schifffahrtsweg durch das Wattenmeer ging von Hoyerschleuse-Festland nach dem in der Luftlinie 22 km entfernt liegenden Sylter Hafen Munkmarsch. Das Wattenmeer ist ein verhältnismäßig flaches Küstengewässer. Ausgedehnte Sandbänke ragen bei Ebbe aus dem Wasser. Die Flutwelle hebt sich im allgemeinen 1,8 m über den Ebbespiegel. Vom offenen Meer her und um die Nord- und Südspitze der Insel herum sind in vielfacher Verästelung häufigen Verlagerungen unterworfene, tiefere Gerinne in den Meeresboden eingeschnitten.Mit Hilfe dieser natürlichen Seetiefe und einer bei Hoyerschleuse gebaggert Rinde von 8 km Länge konnten die kleinen flachgehenden (1,0 m) Personendampfer der Sylter Dampfschifffahrtsgesellschaft (4-500 Personen) in gewundener Fahrt, aber nur während gewöhnlicher Flut in etwa zweieinhalb Stunden das Meer durchqueren, im allgemeinen einmal, nur, wenn beide Fluten in die Tagesstunden fallen, zweimal täglich. Sturmfluten, die das Wasser bis zu 3,50 m über die normale Fluthöhe aufpeitschen, auf der einen lang anhaltende Ostwinde, die das Wasser aus dem Meere heraus drängen, auf der anderen Seite, bereiten der Schifffahrt und der Bedienung eines regelmäßigen Verkehrs nach der Insel durch das Wattenmeer größte Schwierigkeiten. Im Winter kommt es sogar nicht selten vor, dass wegen Eistreibens und Eissperre wochenlang jeglicher Schiffsverkehr im Wattenmeer unterbunden ist. Die Inselbevölkerung ist dann nur auf die in den Wintermonaten allwöchentliche Dampferverbindung des Seebäderdienstes der Hamburg-Amerika-Linie von Hamburg über Helgoland angewiesen.

Unter günstigen, im Hochsommer vorherrschenden Umständen nimmt die Reise von Niebüll, dem Abzweigungspunkt der neuen Bahn an der Hauptstrecke, der sogenannten Marschbahn, über Tondern, Hoyerschleuse, Munkmarsch nach Westerland bei Benutzung eines Schnellzug vier bis viereinhalb, mit einem Personenzuge vier dreiviertel Stunden in Anspruch.

Die Sommerschnellzüge verkehrten täglich einmal in jeder Richtung in den Monaten Juni, Juli, August und September. In den übrigen Monaten wurde der Verkehr nach Westerland nur mit Personenzügen bedient, die von Oktober bis Dezember und in den Monaten März, April, Mai monatlich etwa 24 Mal, Januar und Februar nur 12-13 mal Gelegenheit boten, nach der Insel zu kommen. Von Hamburg nach Westerland dauerte die Reise im Sommer 8-8 1/2 Stunden, im Winter 10-11 1/2 Stunden. Die Abhängigkeit der Dampferfahrten von dem von Tag zu Tag wechselnden Einsetzen der Flut brachte es weiter mit sich, dass die Schnellzüge in verschiedenen Fahrplänen verkehren mussten. Es waren in der Regel drei, die so weit als möglich auf gute Anschlüsse an die Schnellzüge von nach Berlin, Hannover und dem Rheinland abgestellt waren und je nachdem in Zeitabschnitten von 3-8 Tagen den Plan wechseln mussten.

Für das reisende Publikum war dieser fortwährende Wechsel des Fahrplans äußerst unbequem, erforderte ein jedesmaliges genaues Studium des Kursbuches und erschwerte die Reisedispositionen außerordentlich. Es ergaben sich daraus für die Abfahrt aus Westerland im Monat durchschnittlich sechsmal ungewöhnlich frühe Abfahrtszeiten, wie 4.30,5.00 und 5.30 vormittags, und meistenteils lange und unbequeme Übergangszeiten in Hoyerschleuse vom Schiff auf Eisenbahn und umgekehrt. Der Eisenbahnverwaltung entstanden daraus sowohl in der Lokomotiven- und Wagen- wie auch in der Personendisposition mancherlei Schwierigkeiten und Mehrkosten.

Diese ungünstigen, von der 6000 Köpfe zählenden Inselbevölkerung namentlich schwer empfundenen Verkehrsverhältnisse, der Aufschwung, den die Bäder auf der Insel in den ersten zehn Jahren des Jahrhunderts nahmen, und die Unmöglichkeit, auf dem bisherigen Wege einen wesentlich gesteigerten Verkehr ordnungsmäßig bedienen zu können, ließen schon vor dem Kriege den Entschluss reifen, die durch Dämmung des Wattenmeeres zu wagen."



Was bringt der Damm den Syltern?Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927 (gekürzt)
Was wir vom Damm erwarten.Bürgermeister Kapp, Westerland,
"Eine ausreichende Existenz", denn was die letzten Jahre uns brachten, war keine ausreichende Existenz. Es war nur ein Zehren an der Substanz. Dieser auf die Dauer unhaltbare Zustand ist allerdings nicht nur bei uns zu verzeichnen gewesen, sondern in fast allen Badeorten, denn fast überall ist gegenüber der Vorkriegszeit ein Rückgang in der Frequenz zu verzeichnen gewesen. Bei der ungünstigen wirtschaftlichen Lage im Reiche leicht erklärlich. Für Sylt kamen aber noch die Verkehrsschwierigkeiten hinzu. War schon vorher die Reise nach Sylt langwierig und kostspielig, so wurde sie nach der Abtretung Nordschleswig noch zeitraubende und kostspieliger. Es konnte nicht ausbleiben, dass unter diesen Umständen die Zahl der Kurgäste erheblich zurückgehen musste. Bei der nur teilweisen Besetzung der Unterkunftsräume machte sich zunächst der Verlust an Einnahmen für die nicht vermieteten Zimmer fühlbar, dann aber hatte die schwache Besetzung auch die bekannte Preisdrückerei zur Folge. Von einer Vor-und Nachsaison konnte in den letzten Jahren kaum gesprochen werden; die in den Vorkriegsjahren üblichen Vereinsfahrten unterblieben zum großen Teil wegen der hohen Fahrtkosten und auch der sonst finanziell recht gut aus wirkende September hat seine Bedeutung verloren. Eine mangelhafte Besetzung in der kurzen Dauer von ca. sechs Wochen konnte natürlich nicht hinreichen, um der Bevölkerung, die ja fast durchweg von der fremden Industrie abhängig ist, eine bescheidene Existenz zu sichern. Wird das nun anders werden? Ich nehme es mit Bestimmtheit an. Abgesehen davon, dass der Damm viele heranziehen wird, die das große Meisterwerk deutscher Technik kennenlernen wollen, wird die bedeutend schnellere und billigere Fahrt ist mehr als bisher ermöglichen, Sommeraufenthalt auf Sylt zu nehmen. Die heute so stark in Aufnahme gekommenen Wochenendfahrten werden auch uns einen großen Zustrom von Passanten bringen. Wenn diese auch hauptsächlich die Hotels belegen werden so wird das wiederum eine Abwanderung der ständigen Kurgäste aus den Hotels in die Privat-Logierhäuser zur Folge haben. Dass die Restaurants und Geschäftsinhaber einen erheblichen Vorteil gerade von dem Passanten Verkehr haben werden, dürfte außer Zweifel stehen."

Der "Neue Weg" und die Norddörfer. Gemeindevorsteher Bundis, Wenningstedt
"Schon die Tatsache der nunmehrigen direkten, regelmäßigen, von Wind und Wetter und vor allem vom Wasserstand und vom Eis unabhängigen Verbindung mit dem Festlande, als Gegensatz zu den bisherigen Verhältnissen ist eine so gewaltige, dass wir geborene Insulaner, die wir von Kindesbeinen an gewöhnt sind, mit den schwierigen und unzuverlässigen Verbindung-und Verkehrsverhältnissen rechnen zu müssen, uns in die neue Lage kaum hineinzudenken vermögen obgleich wir zum größten Teil doch auch schon anderweitige Erfahrung kennen und obgleich wir nun doch schon Jahre lang Zeit und Veranlassung hatten, uns daran zu gewöhnen. Immer wieder überkommt uns bei dem Gedanken an die Zukunft in dieser Beziehung ein Gefühl des unglaublichen, des unsagbaren. Daneben dann ein für unsere Insel ebenfalls ungeheuer wichtiger Fortschritt. Die Eindeichung-mit dessen Verwirklichung innerhalb der nächsten Jahre wir doch wohl rechnen können. Diese beiden Tatsachen an sich schon-richtig verstanden-dürften wohl ausreichend sein, um jeden Gedanken eines weniger Interessiertseins derjenigen Teile der Insel, die nicht direkt an der neuen Bahnlinie liegen oder ähnliche Ansichten, wie man sie gelegentlich hört, von vornherein im Keime zu ersticken.Was erwarten und erhoffen wir im Norden beispielsweise vom "Neuen Weg"? Zunächst auch für uns eine entsprechend bessere und regelmäßige Zugverbindung mit der Kleinbahn und zwar sowohl im Anschluss an die Festlandzüge, wie auch im Lokalverkehr. Diese unsere Erwartung dürfte um so sicherer zu treffen, als ja nach Einstellung der Dampferverbindung die Kleinbahn der einzige Gegenstand des Unternehmens der Gesellschaft und somit auch deren einzige Erwerbsquelle bleibt, die auszunutzen, d. h. Intensiv zu betreiben, für sie einfach der Selbsterhaltungstrieb gebietet. Hiermit zusammenhängend will ich auch nicht unterlassen, an dieser Stelle die bestimmte Erwartung eines jeden einzelnen Einwohners aus den Norddörfern und List zum Ausdruck zu bringen dahingehend, dass die Kleinbahn wohl oder übel dazu kommen muss, ihre sehr hohen Preise herabzusetzen.
Wenn-wie es ja scheint-dies nicht schon von der Eröffnung der neuen Verbindung an der Fall sein wird, was wir bestimmt erwartet haben, so glaube ich doch, dass die Gesellschaft sich dieser unserer Forderung nicht lange wird verschließen können, umso weniger als es doch letzten Endes in ihrem ureigensten direkten Interesse liegt, hier in Erwartung des gewaltigen Um- und Aufschwunges im Verkehr eine kluge, weit ausschauen,d.h. also keine kleinliche Politik zu betreiben. Der Ansicht, der man jetzt auf Schritt und Tritt begegnet, und zwar nicht zum wenigsten von Westerländer Bürgern, dass die Dauergäste sich mehr nach dem Norden verziehen und Westerland den Passanten oder Gästen mit kürzerem Aufenthalt überlassen werde, ist sicherlich eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen, wenn auch ich persönlich nicht der Ansicht bin, dass sich die Verhältnisse in dieser Beziehung in dem vielfach angenommenen Ausmaße und Tempo ändern werden, so ist doch zweifellos anzunehmen, dass sich der Verkehr auch nach unseren Badeorten gewaltig heben wird, wir also einen großen Aufschwung erleben.
Sind ja die Norddörfer noch nicht die nördlichsten Ortschaften der Insel, sondern List, als nordwestlicheres Dorf des ganzen Deutschen Reiches, ist auch noch da, und gerade List mit seinen vielfachen Entwicklungsmöglichkeiten (Militär, Fischerei usw.) wird meines Erachtens für unsere Norddörfer insofern eine außerordentlich wichtige Rolle spielen, als wir damit rechnen, dass die Vollbahn in absehbarer Zeit nach dort weitergeführt werden wird."

Was uns der Damm bringen wird. Ratmann Nielsen, Westerland
"Wenn ich diese Frage beantworten soll, muss ich eine andere Frage voranstellen, nämlich: weshalb wurde der Damm gebaut? Das Projekt schwebte schon vor dem Kriege. Es mögen strategische Gründe mit gesprochen haben. Nach dem Kriege, oder richtiger nach der sogenannten Abstimmung in Nordschleswig, die zu einer Abtrennung der deutschen, auch wirtschaftlich innig mit Sylt verbundenen Gebietes Hoyerschleuse-Tondern führte, wurde der Dammbau aus wirtschaftlichen und grenzpolitischen Gründen zu einer dringenden Notwendigkeit. Man kann den Vorgang mit einer Verwundung einer Verletzung der Pulsader vergleichen. Der Damm soll und wird die Verblutung verhindern. War Sylt dem Reiche dieser Aufwand wert? Wird das teure Objekt genügend wirtschaftlichen Nutzen (der Reichsbahn direkt, der Bevölkerung Sylt indirekt) bringen? Ich glaube ja, weil ich an die unvergleichlichen, natürlichen Vorzüge und damit an die Zukunft Sylt glaube und immer geglaubt habe. Mit aller Achtung vor den verschiedenen Erwerbszweigen der Insel, Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Gewerbe, Arbeiterschaft und Beamte, sie alle sind mehr oder weniger vom Gedeihen der Bäder auf der Insel abhängig.Also das Bad muss den Aufschwung bringen und das Aufblühen der Sylter Bäder wird alles auf der Insel mit emporreißen müssen und wird es tun. Unser 40 km langer, einzig schöner, in Deutschland überragend dastehender Strand mit seinen kraftspendenden Wellen, seiner gesunden Luft, seinem weiten Raum für Spiel und Sport, bietet die Garantie für den Aufstieg, für den stärkeren Besuch, wenn Verkehr Einrichtungen funktionieren.
Der Damm, die Bahnhöfe sind schön, großzügig und in die Zukunft vorausschauend gebaut, der Fahrplan ist verkehrswerbend aufgestellt. Woran soll es denn fehlen?
Viele Tausende von Menschen, die bisher Sylt wegen zu hoher Kosten, wegen des Zeitaufwandes nicht besuchten, werden in den nächsten Jahren kommen. Sylt hat noch einen weiteren Vorzug gegenüber anderen Nordseebädern, nämlich seine große Ausdehnung, sein langer Strand, sein ausgedehntes Hinterland. Damit ist die Möglichkeit gegeben, Erholungsstätten aller Volkskreise zu schaffen, ohne dass Reibungen entstehen brauchen vom höchsten Aufwand bis zur bescheidenste Erholungsstätte bietet Sylt Platz für viele neue Besucher. Unser Meer, unser Strand, unsere Dünen, das sind Magnete, die unwiderstehlich sind also, meine Hoffnungen stehen hoch ich glaube fest an einen starken wirtschaftlichen Aufschwung der Insel infolge seines neuen Weges."

Die Landwirtschaft und der "Neue Weg". Gemeindevorsteher Peters, Tinnum.
Mehr denn in jedem anderen Berufszweig ist unser Bauernstand an die Scholle gebunden, unser Schicksal ist unlösbar verknüpft mit dem heimischen Boden und der Heimat überhaupt. Kräfte nationalen Wollens und nationaler Gesinnung sind in uns lebendig; das haben die schweren Kriegsjahre und die Volksabstimmung 1920 bewiesen. Unser Stand hat infolge der in solaren Lage unter Einwirkung außerordentlicher Elemente von jeher in dem Kampf um eine bescheidene Existenz einen schweren Stand gehabt.
Mit dem aufblühen der Nordseebäder unserer Insel und dem hierdurch immer größer werdenden Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten, erfolgte auch ein stetiger Fortschritt für unsere Landwirtschaft. Durch die geschaffene, neue direkte Verbindung auch mit Bezugsquellen leistungsfähiger Landwirtschaft könnte nach oberflächlicher Beurteilung der Gedanke, nicht mehr von dieser Landwirtschaft abhängig zu sein, aufkommen. Diese etwa befürchtete Vermutung ist keineswegs gerechtfertigt infolge des leider zu kurzen Badebetriebes von nur drei Monaten, ist die Sylter Bevölkerung zum weitaus größten Teil in den übrigen neun Monaten wirtschaftlich und geschäftlich mehr oder weniger voneinander abhängig, und somit hat eine kaufkräftige Landwirtschaft für die städtische Bevölkerung wohl eine große Bedeutung, so das es auch im Interesse der Badeorte liegt, ihren Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten auf Sylt zu decken.
Unsere Landwirtschaft muss mehr denn je darauf bedacht sein, in Bezug auf die Erzeugung von Produkten Qualitätsware zu liefern und mit Einsetzen von Fleiß und Erfahrung und unter zunutze Bewachung der Errungenschaften neuzeitlicher Landwirtschaft unserem heimischen Boden abzuringen, was die klimatischen Verhältnisse nur zulassen.
Eine unbedingte Voraussetzung dafür ist die Forderung der Eindeichung unserer Wiesen, die man "die Mutter unserer Wirtschaft" nennen darf. Ohne die Nutzbarmachung unserer Wiesen ist eine konkurrenzfähige Landwirtschaft für uns ganz undenkbar. Noch dazu, wo unsere bisherige körperliche Ernte der Wiesen mehr denn je den Salzfluten ausgesetzt ist. Möge der große Tag der Dammeinweihung dazu beitragen, dass die Hoffnungen, die wir hegen, wie für unsere ganze Insel auch für die landwirtschaftliche Bevölkerung sich ihrer Erfüllung nähern und der 1. Juni auch in dieser Beziehung zum Segen gereichen möge."

Ein Gemeinplatz als Programm.
Badedirektor Hofrat Anders.
"Der 1. Juni 1927 eröffnet eine neue Zeit für Westerland und die Insel Sylt. Mit den Zügen, die über den Nordsee-Damm zu jeder Jahreszeit, bei schönem Wetter und schwerstem Sturm gen Westerland donnern, endet ein jahrtausendlanges Abgeschlossensein. Die Insel, seit undenklichen Zeiten ausgangsbindet Strich und Zielstation menschlicher Wanderung, ist eingegliedert in den großen Kreislauf des Weltverkehrs-ein Teil jenes erdumspannenden Schienenstranges, der nicht nur Kontinente erobert, sondern auch, wie wir bewundernd sehen, dass Meer in Banden zwingt.
Welches ist der Weg, den Westerlands Entwicklung nehmen wird?Als Bad, als kommunales Gemeinwesen! Schiff im Nebel. Ein Windstoß fährt daher, zerreißt die türkischen Schwaden, fegt inzwischen die Wolken. Ein Sonnenblitzen glitzert auf. Ausblicke öffnen sich, freie Fahrt deutet sich an.So ist Westerland Weg. Von der kleinen Dorfgemeinde bis zum Weltbadeort hat es sich in 72 Jahren emporentwickelt. Stätte der Gesundheit, Stätte der Erholung war es. Nun kommen die Massen, die Neugierde treibt, die nur in flüchtiger Rast unsere Gäste sein wollen. Westerland wird Ausflugsort, wird Wochenendplatz, Passantenstation. Nicht ohne Einfluss auf den Charakter Westerland als Bad kann dieser Massenverkehr bleiben.
Wird Westerland dienlicher sein, wenn es seinen Badecharakter behält oder sich auf den Passanten- und Wochenendverkehr einstellt. Eine Frage, die alle Welt bewegt, alle Stammtische beschäftigt, ja, sogar bei den Kaffeekränzchen der Damen ihre Wellen schlägt.
Lohnt sich dieser Meinungsstreit wirklich? Eine gemeinsame Basis findet sich leicht. Arbeiten wir, beide Richtungen des Fremdenverkehrsbetriebes und der Wahrung ihrer Besonderheiten zu vereinen streben wir, die Wünsche der einen Kategorie von Gästen zu erfüllen und die Voraussetzungen der anderen Gästegruppe zu befriedigen, um die Zufriedenheit aller zu erwerben.
Diese Zielgebung scheint ein Gemeinplatz zu sein. Ist es wirklich so? Wer näher zusieht, findet ein Programm, erblickt dahinter eine unendliche Fülle planmäßiger, unermüdlich aufbauen der Arbeit, sieht die Notwendigkeit des gemeinsamen Zusammenarbeitens vieler, beseelt von dem opferwilligen Gemeinsinn einer willensstarken Bürgerschaft.
Ein neuer Weg ist Westerland erschlossen. Eine neue Zukunft kündet sich an scharen wir uns zusammen, gemeinschaftlich in treuer Verbundenheit - einer den anderen helfend und stützen - den hindernisreichen Weg zu marschieren, der Westerland großen Aufschwung zuführt."




Die Seeverbindung Hamburg-Sylt erschienen in der Dammbauausgabe der Sylter Zeitung 1927

" Der Sylter Dammbau gewann dem deutschen Festland ein Recht beträchtliches Stück Inselland zurück oder rückte die Insel Sylt zum mindesten an Schleswig-Holstein näher heran! Was jahrelang der Vorzug der Ostseebäder war: die Möglichkeit, sie leicht und in kurzer Zeit zu erreichen, hat von nun an auch für den Teil des Nordseestrandes Geltung, der durch Klima-Vorzüge, durch Brandung und Dünenlandschaft für das deutsche Badeleben mit an der ersten Stelle steht. Nicht jedem ist es heutzutage möglich, sich wochenlang Erholung und Naturgenuss zu gönnen,-die willkommene Aufnahme, die der englische Gedanke des Wochenend-Ausfluges fand, ist gewiss auch auf die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen. Nun bietet sich auch hier in Westerland für kurze Rast ein Reiseziel! Wenn das Wetter einigermaßen günstig ist, hat der Strandgast gute Gelegenheit, sich den Genuss des herrlichen Seeklimas bis zum letzten Moment zu erhalten: erwähne heimwärts den Seeweg über Helgoland! Von der Nordsee säubern nicht Abschied nehmen, ohne dieses eigenartige Eiland gesehen zu haben. Einen ganz besonderen Anreiz zu dieser kurzen, seit Jahrzehnten beliebten Fahrt auf der Nordsee bilden die beiden großen Turbinen Schnelldampfer "Cobra" und "Kaiser" der Hapag Seebäderdienst G. m. b. H in Hamburg. Von welch weittragender, man möchte sagen Lebenswichtiger Bedeutung gerade diese Seeverbindung der Hamburg-Amerika-Linie für die Entwicklung des Besuchs der Insel Sylt, ganz besonders Westerland`s, von jeher war, ist ja jedem Freund oder Bewohner der Insel bekannt. Schon in den 1890er Jahren unterhielt die damalige Ballin`sche Reederei und später die Nordsee-Linien G. m. b. H. einen regelmäßigen Verkehr nach den nordfriesischen Inseln. Besonders der weithin bekannte Raddampfer "Cobra" brachte jeden Sommer scharen von Badegästen nach Sylt, die damals noch in Munkmarsch gelandet wurden 1901 entstand die Sylter Südbahn nach Rantum und Hörnum. Durch großzügige Propaganda der Hamburg-Amerika-Linie kam der Seeweg und damit auch der Besuch der Insel immer mehr in Aufnahme; die damalige Flotte genügte nicht mehr, so das bald die Turbinenschnelldampfer-unten Kaiser-oben und der im Krieg dann verloren gegangene Turbinen Schnelldampfer "Königin Luise" als moderne Schnelldampfer im Bau folgten. Langsam kam dann nach dem Kriege auch der Bäderverkehr wieder in Fluss; der vollständig umgebaute "Kaiser" nahm seine Fahrten wieder auf und als weiterer glänzender Fortschritt folgte im Sommer 1926 die neu erbaute "Cobra".

In der Vor- und Nachsaison kommt die "Cobra" jeden Montag, Mittwoch und Freitag nach Sylt, während in der Hauptsaison "Cobra" und "Kaiser" wechselseitig täglich verkehren der Anschlusszug ab Westerland führt die Reisenden durch die pittoreske, sagenumwobene Dünenlandschaft bei Rantum und Hörnum. Kurz nach Verlassen der Hörnumer Landungsbrücke zieht links die Insel Amrum vorüber, auch Föhr ist in der Ferne zu sehen rechts im Hintergrund leuchtet der weiße Sandstrand von Hörnum-Odde, während auf den vorgelagerten Sandbänken Seehunde Möwen sich sonnen. Über weite, stählerne flimmernde Wassermassen gleitet das stolze Schiff nach Süden und plötzlich erscheint in wuchtigen Ausmaßen, majestätisch die See überragend, Helgoland! Nach kurzem Aufenthalt geht's der Elbe zu, die Nordsee belebt sich immer mehr mit Überseedampfern, Seglern und Fischdampfern; man merkt, dass es dem Ausfallstor deutschen Überseehandels, Hamburg, zugeht. In Cuxhaven wird kurze Station gemacht, nun folgt die herrliche Elbefahrt. Die Schleusenanlagen des Nord-Ostseekanals sind deutlich zu sehen, Überseedampfer und malerische Segler passieren in nächster Nähe und liebliche Marschbilder säumen die Ufer. Das Dorado der Hamburger, Blankenese mit dem Süllberg, kommt in Sicht und bald taucht auch das Bismarckdenkmal in Hamburg und der berühmte Turm der Michaeliskirche, der "alte Michel" auf. An den St. Pauli Landungsbrücken, wo die Nordseebäderdampfer festmachen, herrscht buntes Leben und mit Tücherschwenken und frohem zurufen wird der Dampfer empfangen.

Es kam der Krieg, und damit auch für Sylt und die Hamburg-Amerika-Linie schwere Zeiten die "Königin Luise" ging als Minenjäger vor England schon in den ersten Augusttagen 1914 verloren, "Kaiser", "Cobra" und die übrigen Dampfer fanden als Hilfsschiffe der Kriegsmarine Verwendung.In dem für die deutsche Schifffahrt schicksalsschwersten Jahr 1919 mussten "Kaiser" und "Cobra" an den Feindbund ausgeliefert werden. Als Ersatzschiffe verkehrten 1919 die "Prinzessin Heinrich", Dampfer "Bubendey" und "Hörnum". 1922 kam der völlig umgebaute "Kaiser" wieder in Dienst und fuhr zusammen mit "Prinzessin Heinrich". 1923 mussten die Fahrten nach Sylt in Folge der Geldentwertung eingestellt werden, "Kaiser" und "Kehrwieder" fuhren nur bis Helgoland.Nach Eintritt klarer Verhältnisse wurde 1924 und 1925 Sylt von "Kaiser" und "Bubendey" wieder regelmäßig angelaufen. Allmählich fanden wieder die Nordseefreunde ihren Weg an die "Deutsche See". So konnte die inzwischen unter Mitwirkung des Reiches, Preußens, der Landgemeinde Helgoland, des Hamburger Staats und der Hamburg-Amerika-Linie gegründete Hapag-Seebäderdienst-G. m. b.H. den für die heutigen Zeitverhältnisse besonders schwerwiegenden Entschluss fassen, an einen Neubau zu denken es wurde die am 14. Januar 1926 bei der Vulkan-Werft in Stettin vom Stapel gelaufene "Cobra" in Auftrag gegeben. Der Name für diesen eleganten, 17 Seemeilen laufenden Turbinenschnelldampfer wurde als schöne Erinnerung an den einstigen viel bekannten Raddampfer wiedergewählt.Die neue "Cobra" (1850 Personen fassend) wird Anfang Mai 1926 ihre Fahrten aufnehmen und in der Hauptsaison zusammen mit "Kaiser" in wechselseitigen Fahrplan einen täglichen Dienst zwischen Hamburg und Sylt unterhalten."





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. Der Dammbau (1-2-3)
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