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Links zu Ekkehard Johler:
Eltern, Geschwister, Kindheit und Jugend von Ekkehard Johler

Brief an seine Grossmutter von 1940 als pdf (Nur für DSL)

Ekkehard Johlers letzte Briefe aus Stalingrad (Dezember 1942)
Private Fotos von Ekkehard Johler vom Stalingradfeldzug
Feldpostbriefumschäge

Nach der Lehre in den Krieg
Tagebuch von 1941




Ekkehard Johler hat als Soldat hunderte von Briefen nach Hause geschrieben. Die Briefe von der Abfahrt aus Groß-Hehlen bei Celle nach Stalingrad und die Briefe aus Russland werden hier dokumentiert. Ekkehard Johlers allerletzte Briefe aus Stalingrad finden Sie hier. Möglicherweise hat er weitere Briefe verfasst. Sie sind dann jedoch nicht mehr aus Stalingrad ausgeflogen worden und haben die Empfänger nicht erreicht.

Ekkehard Johler wohnt 1941/42 auf dem Bauernhof der Familie Otte, um in den nahegelegenen Nebelkasernen in Celle seine Ausbildung zum Werfer zu absolvieren. Es besteht Familienanschluss.

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235

Am 8. März 1942
-Sonntag Abend-

Ihr Lieben!

Muttis liebe Briefe 235 v. 3.III. und 236 vom 5.III. habe ich mit herzlichem Dank erhalten. Ebenso Karins Brief v. 3.III. d.J.

Am Freitag Abend veranstaltete unsere Stabsbatterie in einem hiesigen Lokal ein großes Kameradschaftsfest, bei dem auch die Bevölkerung des Dorfes war. Vom Lehrgang hatte ich die Nacht Urlaub und war mit Ottes dort. Es gab gute Schnäpse u. Liköre und auch Bohnenkafee. Beides aus den Marketenderwaren. Zu dem Kaffee hatten die Ottes wunderbaren selbst gebackenen Kuchen mitgebracht. Es dauerte bis 12h. Dann ging ich mit Ottes u. zwei anderen Ehepaaren zu einem Bauernhof, bei dem wir bis zwei Uhr nachts weiterfeierten u. warme Rinderwurst, belegte Brote und Kaffee bekamen. Um 2h lag ich in der Falle. Mußte um 6h wieder hoch, um rechtzeitigin den Baracken beim Dienst zu sein.- Der Dienst fällt den ganzen Tag aus. Hier war drei Tage ein entsetzlich kalter u. heftiger Schneesturm, der überall Verwehungen u. Verkehrsstörungen hervorrief; da fiel auch der Fuhrdienst flach, der Montag wohl wieder beginnt. Es wurde umso mehr gepaukt. So übermäßig strengt mich der Dienst nicht an. Jedenfalls brauchte ich noch nicht schlapp zu machen. Allerdings bin ich immer furchtbar müde. Über Wochenende habe ich Urlaub nach Gr. Hehlen genommen und bin bei Ottes in Verpflegung, denen ich auch die Marken gab. Hier habe ich wenigstens ein warmes Zimmer u. Ruhe. Nach Hause zu kommen, wäre zwecklos gewesen. Die Züge haben des Wetters wegen unglaubliche Verspätungen, fallen z.T. aus und ich habe gestern und heute immerlos f.d. Lehrgang gearbeitet. Dazu wäre ich auf der Bahn u. zu Hause nicht gekommen. Wenn man so etwas schon macht, dann muß es auch ganz gemacht werden. Mit Halbheiten kommt man erst recht nicht vorwärts, wenn überhaupt. Morgen früh zum Dienst muß ich wieder im Barackelager sein, kann also auch diese Nacht noch hier verbringen.- Mit Gerd habe ich gleich nach unserem gemeinsamen Gespräch telefoniert, seitdem aber auch nichts mehr gehört von ihm.- Herz. Grüße and die Damen Meesenburg, wenn sie anrufen oder Euch besuchen.- Schicke die Zeitungen nur weiter. Wenn ich die eine oder andere auch nur flüchtig lese; es kommen ja hoffentlich auch wieder andere Zeiten.- Das Päckchen habe ich zwar noch nicht erhalten, aber Du brauchst Dir wirklich keine Gedanken zu machen, wenn Du nichts besonderes hineinzulegen hast. Ich bin froh, wenn ich heile Strümpfe und u. saubere Taschentücher habe. - Über das Paket von Änne war ich orientiert. Sie hat mir auch ein kleines mit einem "Bach" angekündigt, daß scheinbar so leicht ist, daß es unter Feldpostnr. läuft, denn wo ich bin, weiß sie nicht. Sonst kommt sie über Sonntag hier angerannt u. ich habe keine Zeit oder bin garnicht da.- Die Buchstützen kann Roland (Ekkehards Bruder) aufstellen, wenn er Verwendung dafür hat. Sie hat sie, soviel ich weiß, in Aachen bezogen.- Herzliche Grüße u. Gute Besserung für Hermann und Fam. H.- Ebenfalls Grüße u. gute Besserung an Onkel Ingo.

Herzliche Grüße und Küsse!
Euer Ekki.

Am 8.III. 42.


Liebe Karin! (Ekkehards jüngere Schwester)

Ich habe Dir noch für Deinen Brief vom 17.II. zu danken u. ebenfalls für den gestern erhaltenen vom 3.III.

Warum es "Gefreiter" heißt, weiß ich selbst nicht! Will gelegentlich mal fragen.- Die Hackenschoner bewähren sich gut. Ich komme nur schwer damit in die Stiefel. Es geht nur bei einem Paar Strümpfe, sonst rutschen sie hoch, bevor der Fuß unten ist. Das schwarze Leder ist etwas zu zart. Es wird bald durchgescheuert sein, fürchte ich. Das gelbe Leder dagegen ist sehr geeignet. Ich laufe schon die ganze Woche damit und die Hacken sind noch immer heil! - Tilly wünsche ich Hals- u.Beinbruch zum Abitürchen. Hoffentlich könnt ihr hinterher wieder zusammenkommen.- Der Lehrgang ist ja eine ziemliche Schinderei, aber sobald wird es mit dem Uffz. wohl noch nichts werden. Lt. Bubi holt sich immer mehr Leute aus Bremen, die dort unter ihm Hilfsausbilder waren und setzt uns die hier vor die Nase.- Inge Gehle habe ich zum Geburtstag nach langer Zeit mal wieder geschrieben.- Übrigens ist mein Briefpapier alle. Sage Mutti mal bescheid. Vergiß es aber bitte nicht.

Herzliche Grüße und Küsse!
Dein Ekki.


Am 11. März 42

Meine Liebe Mutti!

Heute Abend habe ich wieder bei Ottes gegessen u. mir Post v.d. Schreibstube geholt. U.a. Deinen lb. Brief 238 v.8.III.- Dein Päckchen ist auch bei Ottes eingetroffen. Herzl. Dank!

Ein Nebenbei: in meiner Schreibmappe befinden sich zwei normale Briefumschläge u. ein vernünftiger Bogen! Zu Hilfe! Denn beides ist rar.

Sind in dem Paket Couverts? Ich bin zu stur, es jetzt auszupacken u. nehme es so mit ins Barackenlager. Schicke mir also bitte Papier. In meiner Not habe ich das leere Blatt von Deinem Brief gerissen u. schicke Dir dieses.

Von Hermann Huntemann bekam ich eine kurze Karte u. von Elke eine etwas längere, auf der sie zu meiner Bef. gratuliert, zugleich im Namen der Eltern u.s.w. Auf der Karte ist ein Bild: "Immer weiter auf der Leiter - heut wurd ich Gefreiter" und oberhalb der Leiter guckt ein Marschallsstab aus den Wolken. Na ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, sagt ein altes Sprichwort. Aber immerhin ganz niedlich. Außerdem trudelten zwei neue Hb. Zeitungen ein von H´s. Für Eure HFs danke ich ebenfalls.- Am Montag beginnt in dem Barackenlager wieder eine Funkschule von uns. Eine Woche später ist mein Lehrgang -wenn er nicht verlängert wird!- beendet. Hoffentlich muß ich dann nicht auch noch den Funk-Scheiß mitmachen, ich will doch gern mal Urlaub haben. Aber dem verrückten Bubi ist alles zuzutrauen. Also, lieber Leser, hoffen wir das Beste!

Herzliche Grüße und Küsse, bitte auch an Vati, Karin u. Roli
von Deinem Ekki

Übrigens ist es mit dem Lehrgang nicht so gefährlich. Bis jetzt ist der Fußdienst noch nicht so schlimm gewesen, wie ich ihn schon anderweitig mitgemacht habe. Du weißt, bis zu einer nahen Grenze lasse ich ihn mir prinzipiell nur noch gefallen. Also bitte keine unnötige Sorge!

Beigelegt ist ein Zeitungsausschnitt über Feldpostbrief-Gewichtsgrenzen. Zugelassen sind danach ab sofort schwerere Sendungen bis 100 Gramm. Vorher waren nur 20 Gramm erlaubt.

Am 18.III.42
Mittw. Abend

Ihr Lieben!

Ich bin am Montag gut angekommen. In der Kaserne in Celle von einem Besuch bei den Eltern in Hamburg Der Zug hatte etwas Verspätung, ca. 70 Min. Die Abfahrt war allerdings pünktlich. Die Straßenbahn kam gerade, als ich die Haltestelle erreicht hatte. Heute Abend habe ich wieder bei Ottes zu Abend gegessen. Euren Brief 241 habe ich erhalten, aber noch nicht das Päckchen. Leider bin ich recht müde u. fasse mich daher so kurz. Sonnabend ist der Lehrgang ja zu Ende! Herzliche Grüße allen von Eurem Ekki. P.S. Mit Urlaub sieht es leider schlecht aus. Zu Rolands Konfirmation hoffe ich natürlich kommen zu können, aber aus einem längeren Urlaub wird wohl kaum etwas werden. Na, denn erstmal auf Wiedersehen hoffentlich am Sonntag in einer Woche. D.O.

Am 22. März 1942.
-Sonntag-

Ihr Lieben!

Gestern wurde der Lehrgang mit einer gut verlaufenen Besichtigung abgeschlossen. Ich bin am Nachmittag wieder zu Ottes übergesiedelt.

Meine Hackenschoner sind leider kaputt. Außerdem möchte ich gern noch ein Paar Fußlappen haben. Ich ziehe sie ohne Strümpte an. Es geht sehr gut.

Hackenschoner: unterm Fuß 8 cm breit (das schw. Leder), 7 cm hoch u. 13 cm breit (das gelbe Leder). Am besten nur noch aus gelbem Ledeer. Hoffentlich genügen diese Maße?!

Fußlappen: 40cm x 40cm

Heute Nachmittag habe ich mit einem Kameraden in wunderbarer Märzsonne einen Spaziergang nach Celle gemacht. Ich glaube, wir rücken bald ab. Es fehlen nur noch einige Fahrzeuge. Vielleicht sind wir Ostern garnicht mehr hier. Das macht auch nichts. Dann wird es endlich mal interessanter.

Herzliche Grüße und Küsse!




Am 13. April 1942

Liebe Eltern und "Lütten"!

In dem überfüllten Zug erwischte ich einen sehr schönen Stehplatz.Stehplätze und solche mit behinderter Sicht sind ja immer noch zu kriegen. In Ülzen wurde dann ein Sitzplatz frei. Als ich um 1/2 11h im Quartier ankam, waren Ottes noch auf und Frau Otte machte mir Wurstbrote, zu denen ich Milch bekam. Dann bin ich mit meinem "Zebri" zu Bett gegangen, wie Onkel Heinrich ehemals mit seinem Schweinchen.- Heute bin ich schon wieder Wachhabender. Wie sollte es auch anders sein. Es sind noch sehr viele Kameraden auf Urlaub, auch die beiden aus meinem Quartier, und wir bleiben, so glaube ich annehmen zu können, noch ca. 3 bis 4 Wochen hier. Wenn es zutrifft, komme ich gewiß nochmal über weekend. Ist das nicht wundervoll?

Schickt mir bitte die grüne Zahnbürste. Die kleine rote, die ich hier habe, ist zu weich. - Meine Füße tun etwas weh. Die Hornhaut hat beim Baden zu sehr gelitten u. nun ist die Haut zu weich. Den Schreibmaschinenschlüssel habe ich immer noch im Portemonnai, statt ihn Mutti zu geben und zwei Fotos von mir habe ich auch wieder mitgeschleppt, statt sie Mutti zu meiner Verfügung zu geben. Wenn ich nicht mehr kommen sollte, schicke ich die Sachen gelegentlich in einem Päckchen.

War es nicht ganz nett, daß wir Hermann und Elke zuletzt bei uns hatten? So sind wir doch wundervoll auseinandergekommen.

Karin habe ich ja nun hinreichend mit Elke bekannt gemacht. Ich würde ihr empfehlen, sich mit dem Mädchen etwas näher zu befreunden. Elke ist doch wirklich ein ordentliches und nettes Mädchen. Durch sie kann Karin gewiß auch viele andere Mädchen kennenlernen. Im übrigen hat Elke ja ein gleiches Sport- (Segel- usw.) Interesse. Vielleicht segelt ihr im Sommeer in ihrem Dingi so wie Hermann und ich vor 3 Jahren. Auch durch die Familie kann Karin nur gutes erfahren. Die Leute sind wirklich überdurchschnittlich nett. Karin kann ja mal schreiben, wie sie darüber denkt. Übrigens habe ich Karin nun doch den bewußten Brief vorenthalten. Na, beim nächsten Sonntagsurlaub muß sie mich daran erinnern.

Herzliche Grüße und Küsse!
Euer Ekki

P.S.
Roland möchte bitte das Buch von Anton Ziseleka:"Italien in der Welt" und das Kl. Magazin zu Frau Heller bringen. Ich vergaß es leider, am Sonntag mitzunehmen.

Ich habe garnicht mehr gewußt, wie das tägliche Leben bei Euch zu Hause sich abspielt und freue mich, jetzt wiedeer einigermaßen orientiert zu sein und zu wissen, was ihr so den ganzen Tag macht.- Auf Wache höre ich prima Musik - vom Radio u. dann per Feldfernsprecher ins Wachlokal übertragen.


Am 20. April 1942!

Ihr Lieben!

Heute erhielt ich Euer Päckchen 245 u. Karins Brief 246. Herzlichen Dank für beides.

Die Strassenbahn und auch den Zug habe ich bequem erreicht. Ab Harburg hatte ich einen Sitzplatz und habe erstmal bis Uelzen, also zwei Stunden geschlafen. In meinem Quartier bin ich gut angekommen. Um 12h war ein kurzer appell u. heute Nachmittag habe ich in der Sonne gelesen. Heute Abend gab es ein Gewitter und nunregnet es. Die Kekse haben mir sehr gut geschmeckt! Wie gefällt es KARIN IM Kindergarten? Ich schicke auch gleich zwei Karten wegen Füller u. Armbanduhr für Roland. Heute will ich früh zu Bett!

Herzliche Grüße und Küsse an Euch alle!

Euer Ekki.



Am 20. April 1942.

Ihr Lieben! Kann man in Hamburg noch Füllhalter kaufen? Ich brauche notwendig einen. Versucht es doch bitte mal, vielleicht habt ihr Erfolg. Es ist für mich sehr wichtig. Im übrigen geht es mir gut. Seit meinem letzten Brief hat sich in der Situation nichts geändert.

Herzliche Grüße!
Euer Ekki.


Am 20. April 1942.

Ihr Lieben! Ich habe noch eine Bitte, die ich in meinem letzten Brief zu erwähnen vergaß: Versucht doch bitte, im Hmb eine Armbanduhr für mich aufzugabeln. Ich brauche notwendig eine Uhr. Hoffentlich gelingt es Euch! Herzl. Grüße! Euer Ekki



Am 28. April 1942.

Ihr Lieben!

Ich bin ohne Zwischenfälle zu meiner Truppe gestoßen (im Kino)!

Wir rücken heute in einer Woche ab oder 1-2 Tage später. Drückt Eure werten Daumen, daß ich Sonntag nochmal kommen kann.

Arrigo hatte gestern Geburtstag. Ich habe ihm geschrieben. Sagt ihm aber nicht, daß ich letzten Sonntag zu Hause war!

Vati möchte nochmal nach den Sonnenschutzgläsern suchen und mir die Nr. des Sparkontos aufgeben. Roland soll sich um ein Lederarmband für meine Uhr bemühen. Ekkehard zeichnet die Breite des Armbands: 1,5 cm Im übrigen geht es mir sehr gut. Gestern war ich zum Abendessen bei Pastor Sellhorn u. soll unbekannterweise grüßen.

Heute erhielt ich einen Brief von Wiebke. Ihr Vater ist nach Oldenburg abkommandiert und war 4 Wochen auf Urlaub!

Herzliche Grüße und Küsse: Euer Ekki.

P.S. Wenn ich nicht komme, rufe ich im Laufe des Sonnabend Nachmittag kurz an. D.O.


Am 5. Mai1942.

Ihr Lieben! Seid Ihr gut durch den Fliegeralarm von Sonntag auf Montag gekommen? Ich war jedenfalls rechtzeitig in meinem Quartier u. hatte im Zug auch einen Sitzplatz. Bevor ich nun endgültig abfahre, schicke ich noch einen Brief. Im Augenblick bin ich nur zu müde u. habe auch wenig Zeit. Heute war eine große Übung und morgen Vormittag muß ich nach Hannover zum Fuß-Facharzt, damit ich die Knobelbecher behalten kann und neue einlagen bekomme. Brüßt bitte Gerd und alle Freunde recht gut (IMx) Ihr hört bald wieder von mir! Mit herzlichen Grüßen!
Euer Ekki!

In Bleistift-Sütterlin:
Soldat Hans Jörg Galler 38 57 9 anrufen
Hans grüßen
Huntemanns Straße ?

Am 7. Mai 42

Eben habe ich ja noch mit Euch telefoniert u. daher jetzt keine Wünsche mehr zu äussern. Dieses Bild wollte ich Euch nur noch schicken. Ich bekam es vorgestern. Heute will ich nochmal früh zu Bett; es ist die letzte Nacht in einem Bett. Lebt wohl und seid herzlichst gegrüßt und geküßt von Eurem Ekki.


Sonnabend Abend, 9. Mai 42 Güterbahnhof Breslau erhalten 12. Mai 42

Ihr Lieben!

Während Ihr vermutlich im Ratskeller mit den Mitabiturienten zusammen seid, fahre ich durch Schlesien.- Gestern Abend 1/2 12 verließ der Zug Celle. Um 1/2 5h waren wir in Magdeburg. Bei Wittenberge sind wir über die Elbe gefahren und über Kohlfurt haben wir B. erreicht. Vermutlich geht es nach Oppeln, Gleiwitz. Weiter weiß ich noch nicht.

In Groß Hehlen hatten die Schulkinder u. BDB unsere Fahrzeuge mit frischem Grün geschmückt und uns selbst Blumen in die Knopflöcher gesteckt.

Herzliche Grüße und Küsse von Eurem Ekki.
Grüße auch an Gerd. Kann leider im Moment nicht schreiben!



Montag, 11. Mai 1942. Empfangen 14. Mai 42

Ihr Lieben!

Heute sind wir schon bedeutend weiter. Ich glaube, wir überfahren heute noch die Demarkationslinie. Ganz so schnell wie in Deutschland geht unsere Fahrt jetzt nicht mehr. Wir haben bedeutend mehr und längere Aufenthalte. Aber in unseren Personenwagen halten wir es schon aus! Ich kann es garnicht glauben, daß ich gestern vor einer Woche noch zu Hause war. Es kommt mir vor, als sei es schon viel länger her. Das liegt gewiß daran, daß mir in diesen paar Tagen bereits viel neues begegnete. Jedenfalls geht es mir sehr gut, und das ist es, was ich Euch schreiben wollte. Hoffentlich seid Ihr ebenfalls alle wohlauf. Grüßt bitte alle Freunde, denen ich im Augenblick nicht schreiben kann und seid selbst herzlichst gegrüßt und geküßt von Eurem Ekki.

Am 12. Mai 1942 Dienstag 11h Empfangen 21. Mai 42

Liebe Eltern u. Geschwister!

Wir halten gerade wieder auf einem größeren Bahnhof und wie so oft wird die Lokomotive gewechselt. Da will ich doch die Gelegenheit ausnützen, Euch einige Zeilen zu schreiben.

Nach meiner Ansicht werde ich Hans Jürgen wohl nicht besuchen können, weil wir uns wieder weiter nach Süden wenden. Eine tolle Zickzackfahrerei ist das! Es geht mir ausgezeichnet. Schreiben u. lesen kann man nicht viel, weil die Bahn während der Fahrt zu sehr wackelt. Dann sehe ich aus dem Fenster oder schlafe. Das Wetter ist sehr gut. die Sonne scheint jeden Tag.

Alles Gute, herzliche Grüße und Küsse von Eurem Ekki.

Sonnabend, 16. Mai 42, 8.00 früh. Empfangen 28. Mai 42

Liebe kleine Mutti!

Der Muttertag ist zwar schon morgen und meine Grüße dazu kommen viel zu spät, aber ich habe es leider nicht viel eher gewußt. Was hört man hier schon von dingen, die in der Heimat jedem geläufig sind.

Wir haben vor einer Stunde den Platz erreicht, an dem wir ausgeladen werden. Ob wir auch in dieser Gegend bleiben oder den Marsch auf eigener Achse fortsetzen, wird der Tag noch zeigen. die Bahnfahrt ist ganz ohne Zwischenfälle wie Partisanenüberfälle und Fliegerangriffe verlaufen. Das Wetter ist ausgezeichnet. Nachts ist es recht kalt und am Tage sehr warm. Meist blauer Himmel und sonnenschein. Also ein richtiges Kontinentalklima. Am Tage wht dazu noch ein warmer Wind, der angenehm kühlt. Bisher haben wir uns noch immer gut waschen können, weil es auf den Bahnhöfen natürlich immer Wasser gibt. Einen Schnurrbart habe ich mir auch schon stehen lassen. Zuerst sogar einen Vollbart. Den habe ich aber nach einer Woche wieder abgenommen, weil er lästig wurde.

Ich habe gerade die Hefte von Vati "Frohes Leben" gelesen. Wenn Vati noch mehr davon hat, würde ich gern ab u. zu ein Exemplar haben. Ebenso einen kleinen russ. Sprachführer. Bei allem müßt Ihr die 100gr.-Grenze beachten. Oder darf man schon mehr schicken? Erkundigt Euch mal.

Mit herzlichen Grüßen und Küssen für Dich, Vati, Karin Roland u. ersterem an alle sonstigen Freunde, Bekannte und Verwandte bin ich Euer Ekki.
Wir haben natürlich noch keine Pst empfangen.

Rußland, 20. Mai 42. beantw. 7. Juni 42

Liebe Eltern u. Geschwister!

Einen kleinen Tagesmarsch von dem Eisenbahn-Entladeplatz haben wir ein Zeltlager aufgeschlagen und machen trotz der Sonnenhitze -morgens um 1/2 8 ist es bereits so warm wie bei uns in Hmb mittags- strammen Dienst. Nachts ist es allerdings etwas kühler angenehmerweise. Die Zeit ist wirklich ganz knapp. Man ist dauernd mit dienstlichen Dingen beschäftigt und wenn dann eine kurze Pause eingelegt wird, ist man froh, ein wenig ausruhen zu können, falls man nicht seine Klamotten in Ordnung bringen muß. Ab heute Mittag werde ich mit meinem Trupp zu einem besonderen Kommando zur Straßenverkehrsregelung abkommandiert, während unsere Einheit noch hier bleibt. Schreibt aber ruhig an die alte Fpnr weiter. Bis die erste Post aus der Heimat uns erreicht -es kann noch drei Wochen dauern- bin ich ja auch wieder bei meiner Einheit. Ich komme also ganz wenig zum Schreiben und habe außer den Briefen an Euch nur einmal an Hans Jürgen u. Gerd geschrieben. Wenn man (Huntemanns, Hellers u.s.w. JMx etc.pp.) also bei Euch fragt, dann bestellt frdl. Grüße u. sagt, daß ich wohl an sie denke, aber leider momentan nicht zum Schreiben komme.

Im übrigen geht es mir gesundheitlich ausgezeichnet. Wir haben bis jetzt auch noch immer eine hinreichende Waschgelegenheit gefunden. Wasser zum Waschen ist bei diesem Staub ja besonders wichtig. Der Schnee ist seit einigen Wochen weg und ebenso das Schmelzwasser.

Begnügt Euch bitte mit diesen Zeilen und seid herzlichst gegrüßt und geküßt von Eurem Ekki.

Am 23. Mai 1942 -Pfingssonnabend-

Ihr Lieben!

Dieses Kommando, was ich hier erwischt habe, ist das reinste Pfingstgeschenk. Es dauert vorläufig bis zum 15. Juni. Bis dahin werde ich wohl keine Post erhalten, weil ich ja nicht bei meiner Einheit bin. Dafür habe ich aber für hiesige Verhältnisse ein geradezu fürstliches Leben. Wir haben in Ligaff (
L´gof, ca. 600 km westlich von Stalingrad) an der Szeims (Seym) -100 km westlich von Kursk- eine Schule bezogen und uns in einem Raum mit 6 Mann häuslich eingerichtet. Der Dienst ist ganz ruhig. so ähnlich wie bei Hans Jürgen, den ich bereits gestern anzurufen versuchte. Vielleicht glückt es mir ja heute.

Gestern war ich im hiesigen Soldatenkino. Es gab "Am Abend auf der Heide" mit Magda Schneider. Natürlich ist es ziemlich primitiv in so einem Frontkina; der Film riß etliche Male u.s.w. aber trotzdem freut man sich, wenn man mal etwas erfreuliches sieht. Ich überlegte sogar im Unterbewußtsein den Weg nach Hause. Als die Vorstellung zu Ende war, fand ich aber doch noch in mein Quartier zurück, in dem bis vor kurzem übrigens ein AOK (
Armeeoberkommando) mit den entsprechenden Generalitäten untergebracht war.- Diese Stadt war früher ein Luftkurort und liegt ganz nett. Man kann sogar baden und schwimmen. Ihr seht also, daß es mir momentan an nichts mangelt und ausgezeichnet geht!

Hat Roland mit meinen Karten aus Groß Hehlen wegen Füllhalter und Armbanduhr schon Erfolg gehabt? Leider habe ich meinen Montblanc pix Druckfüllstift verloren. Versucht doch bitte, ob Ihr einen kaufen könnt. Ich konnte so gut mit dem Ding schreiben und hatte ihn bereits 6 Jahre in dauerndem Betrieb. Da ich einmal beim Wünschen bin, möchte ich gleich Briefumschläge erwähnen. Übrigens habe ich ziemliche Manschetten vor dem Tag, an dem ich zum ersten Mal Post empfange. Wahrscheinlich mußich drei Tage dienstfrei haben, um erstmal alles durchzulesen.

Viele herzliche Grüße und Küsse! Euer Ekki.

Am 29. Mai 1942

Ihr Lieben,

habt ihr Pfingsten gut verbracht und schönes Wetter gehabt? Mutti hat gewiß auch an diesen beiden Tagen viel gearbeitet, die arme fleißige. Ist denn das Gründlichreinemachen geschafft?

Hier hat es um die Pfingsttage etwas geregnet. Es fällt aber nicht ins Gewicht, weil es hier Sonntage doch nur dem Namen nach gibt. Inzwischen ist das Wetter freundlicher geworden.

Am Pfingstmontag war ich in dem hiesigen (
vermutlich noch Ligaff, L´gof, ca. 600 km westlich von Stalingrad) Fronttheater, in dem sich einheimische Kräfteproduzieren. Ich glaube, es sind Laien, die z.T. etwas ausgebildet sind. Die Regie ist natürlich deutsch. Es werden keine zusammenhängenden Stücke gegeben, weil man das nicht verstehen könnte; stattdessen Musik (Lauten, Gitarren u. ein Klavier), Gesang (Chor u. Solo) und Volkstänze. Alles nichts Erhebendes, aber doch ganz nett, wenn man bedenkt, wo man ist. Gerade auf Musik ist man hier besonders erpicht.

Wir warten alle sehr auf Post. Vielleicht wird in den nächsten Tagen ein Melder zu unserer Einheit geschickt, der dann auch evtl. Post mitbringt.

Herzliche Grüße und Küsse!
Euer Ekki.

Am 1. Juni 42.

Ihr Lieben,

ich habe zwar noch immer keine post bekommen, hoffe aber, daß es Euch ebenso gut geht wie mir!

In der nächsten Zeit werden wir wohl auch die Briefmarken für die Luftfeldpost erhalten. Es gibt 4 Stück jeden Monat. Zwei davon schicke ich Euch u. zwei verschreibe ich an Euch. Die Briefe dürfen nicht mehr als 10 gr. wiegen u. müssen folgendermaßen adressiert werden:
(Es folgt eine Zeichnung als Anleitung)
Schickt mir bitte Briefumschläge und Feldpostbriefe. Außerdem einige Pakete ganz billiger Nähnadeln, die ich als Tauschartikel gebrauche. Den Russen fehlt es ja an den einfachsten Dingen. Ich tausche alle möglichen Dinge gegen Eier. Im Augenblick habe ich 10 Stück, die ich gegen Zigaretten bekommen habe. Ich koche mir die Eier auf einem kl. Herd, der hier im Gebäude steht u. esse sie dann auf Brot. Das Braten kostet zu viel Fett. Nächste Woche gibt es vielleicht Zuckerei. Aber nicht nur Zigaretten, die man ja nur in beschränktem Maße hergeben kann, sondern wie gesagt auch Nähnadeln, Nagelscheren, Feuerzeuge, billige Uhren u. demolierte Füllhalter tauschen die Landser bei der Bevölkerung gegen "jaizas" (russ. Eier). Gestern bekam ich für 8 kl. Nähnadeln 13 Eier. So kleine Tauschartikel, die wenig Platz einnehmen, kann man leichter mit sich führen. Allerdings ist jetzt auch die richtige Eierzeit. Wenn man ein Ei kaufen will, kostet es ca. Rm (Reichsmark) 1,20. Butter das Pfund 5,-- (wenn zufällig vorhanden). Sollte ich mal welche ergattern, so leiste ich sie mir glatt dafür.

So, ich glaube, ich habe Euch jetzt genug vorgeeiert. Herzliche Grüße u. Küsse!

Euer Ekki.

2. Juni 42

Liebe Mutti, in meinem gestrigen Brief habe ich folgendes vergessen. In der Fahrtenzeit früher hatte ich doch immer einen Kulturbeutel und einen Schuhputzbeutel. Wenn Du die beiden noch finden kannst, dann sei so gut u. schicke sie mir. Und dazu zwei schmale (1 cm ca.) Leinenbänder von ca. 20cm Länge. Sie sind nicht gedacht zum Zubinden der beiden Beutel, denn da sind ja Bänder dran, sondern zum Halten der Fersen im Stiefelschaft, wenn sie umgelegt sind. - Gestern habe ich zum ersten Mal in dem Fluß hier gebadet. Das Wasser ist noch ziemlich frisch, aber die Sonne dafür umso wärmer. Es ist ein ziemlich großer Fluß, 200m breit, ca. 5m tief, träge Strömung. Zum Schwimmen also sehr geeignet. Die Russen baden auch viel in dem Bach. Dazu leihen wir uns von einem Russen ein Ruderboot, denn das Ufer ist verschlammt.

Herzliche Grüße! Dein Ekki.


(Alle Briefe bisher sind handschriftlich. Dieser ist auf der Schreibmaschine geschrieben. Er ist auch der erste Brief mit Luftfeldpostmarke!)
Donnerstag, den 4. Juni 1942

Liebe Eltern und Geschwister!
Gestern war ein großer Tag: ein Melder brachte uns die erste Post, die bei unserer Einheit eingetroffen ist. Ich habe natürlich wieder den Vogel abgeschossen mit 12 Briefen und den etlichen Zeitungen, darunter auch Illustrierte von Elke. Jedenfalls habe ich mich zu der Post sehr sehr gefreut!! Es ist doch ganz etwas anderes, als wenn man Post in Deutschland bekommt.
von Euch habe ich die Briefe 249, 250, 251, 252 (22. Mai) und eine Karte von Karin aus dem APAV erhalten. die Karte 248 aus dem Ratskeller ist leider nicht mitgekommen. Vielleicht kommt sie ja später einmal angetrudelt oder sie ist von Partisanen gefressen. Jedenfalls freue ich mich, daß Ihr sie geschrieben habt und betrachte sie als angekomen. Da hätte die gute Inge ja gut schlafen können. Jedenfalls bitte ich Euch, herzliche Grüße von mir zu bestellen!
Ich lege Euch eine Luftpostmarke bei. Dann bekomme ich ja auch von Euch einen Brief, der etwas schneller reist. Ich habe nämlich zwei bekommen für die zweite Hälfte Mai. Es gibt ja jeden Monat vier Stück. Bei den Briefen ist zu beachten, daß sie nur 10 gr. wiegen dürfen. Ihr müßt nicht, wie ich, das Wort Luftfeldpost rot unterstreiche, sondern zwei rote Diagonale über den ganzen Brief ziehen, so wie früher bei Eilbotenbriefen.
Und jetzt zur Beantwortung Eurer lieben Brief. Tai tut mir wirklich leid. Hofentlich taucht er irgendwie wieder auf. Er ist doch irgendwie so ein Allerweltskerl. Allerdings ist mit den Russen ja nicht zu spaßen. Aber die Hoffnung braucht man deswegen noch nicht aufzugeben. - Inzwischen habt ihr sicher meine Briefe erhalten u. daraus entnommen, daß es mir eigentlich recht gut geht. Die Bahnfahrt in Personenwagen war doch schon so günstig und nun das angenehme Kommando, daß wohl noch weitere zwei Wochen dauern wird. Bei warmen Wetter gehe ich oft zum Baden. Eier fressen wir wie verrückt. Heute zum Frühstück habe ich schon vier verputzt. Alles eingetauschte gegen meine Ersatznähnadeln, Zigaretten und schlechten Rotwein, den wir zur Verpflegung bekamen. Für einen Liter geben die Russen 20 Eier. - Vatis Abreise ist typisch! Nun ist sein Ur= ja schon wieder zu Ende und ich hoffe nur, daß er sich gut erholt hat und etwas vernünftiger dabei geworden ist. Man kommt ja aus den Sorgen garnicht raus, wenn man diese tollen Geschichten hört. Hoffentlich hast Du in Magdeburg angenehme Tage verbracht! Durch Magdeburg sind wir ja auch gefahren, aber nachts. - Die Tanten, die um Gerds Geburtstagstisch saßen, waren übrigens kleine Mädchen! Von Gerd habe ich zwei kurze Briefe bekommen. Er beschwert sich, daß er in der Menge meiner Briefe geradezu "erstickt". Was der sich wohl denkt. Elke hat nicht geschrieben, stattdessen Illustrierte geschickt. Von Hermann H. bekam ich einen Brief u. von seiner Mutter zwei Briefumschläge, in denen sich wunderbare Bonbons befanden. - Ich habe vor einigen Tagen an Elke u. Hermann, Gerd u. Frau Heller (geschrieben?). Wenn sie die Post noch nicht erhalten haben, dann vertröste sie man und grüße recht schön. - Heute gehe ich wieder ins Soldatenkino: "Weltrekord im Seitensprung". Wenn ihr Arrigo seht, so grüßt ihn bitte. Wenn ich Zeit habe, will ich mal schreiben. Aber erstmal muß ich die ganze Post beantworten, die ich gestern bekommen habe. - Zu Rolands Geburtstag meine herzliche Gratulation. Wenn der Weg nicht so weit wäre, würde ich einige Eier schicken. Was macht dnn die Schule? ! Hoffentlich rechtfertigen die Zeugnisse ein dingi, mein Lieber!- Herzl. Beileid für Herrn Göckeler, - Die Urlaubskarte ist doch von meinem letzten Urlaub!!Weißt Du das denn nicht mehr?

Also nochmals herzlichen Dank für die vielen lieben Briefe! Alles Gute, herzliche Grüße und Küsse! Euer Ekki.

Rußland, 7. Juni 1942.

Mein Lieber Roland, (jüngerer Bruder)

ich habe mir überlegt, daß es doch netter ist, wenn ich Dir zum Geburtstag wenigstens einen Brief schreibe und meine Glückwünsche nicht so nebenbei erwähne, wie in dem Luftpostbrief. Schließlich ist es ja doch das einzige, was ich Dir zu diesem Geburtstag bieten kann, außer den Rm 10,--, die ich bitte, von Vati auszahlen zu lassen, der sie dann von meinem Sparkonto abheben möchte. Ich könnte den Schein ja auch beilegen, aber der Gedanke ist mir unsympathisch, weil der Brief natürlich verloren gehen könnte. Also erstmal herzliche Glückwünsche und recht viel Erfolg im kommenden Lebensjahr!

Heute ist Sonntag, doch man merkt es nur an der roten Zahl im Kalender. Es hat den ganzen Tag gegossen und alle Straßen u. Wege sind sofort aufgeweicht. Die Erde haftet so zäh wie Klebmasse an den Stiefeln. Glücklicherweise haben wir ja ein festes Dach über dem Kopf. Am Abend ist ein starker Kuhsturm aufgekommen, der hoffentlich die tiefliegenden Regenwolken forttreibt, damit die Sonne alles wieder trocknen kann. Das Wetter schlägt immer furchtbar schnell um. Vorgestern habe ich mich vor Hitze kaum bergen können u. eifrig gebadet u. heute ist es direkt kalt.

Ist der franz. Radioapparat inzwischen wieder heil? Wir haben hier einen kleinen Volksempfänger, mit dem wir wenigstens am Abend Musik u. Nachrichten hören können.

Wie ist denn die Sache mit dem Dingi ausgelaufen. Wenn es etwas taugt u. Du es bekommen hast, dann wird Dir ein Wunsch erfüllt, den ich auch lange Zeit gehegt, aber nicht mal zu äußern gewagt habe. Damit will ich Dich natürlich nicht der Unbescheidenheit bezichtigen und mich des Gegenteils rühmen. Ich meine es nur so und damals waren die Zeiten auch ungünstiger. Mit wem segelst du denn augenblicklich am meisten? Überhaupt, was macht denn die Segelei und was gibt es neues auf der Alster?

Was macht denn die Penne? Hoffentlich entwickelt sich auch die sehnlische Seite Deines jungen Lebens positiv. Man kann es einem Banausen wie Dir nicht warm genug ans Herz legen. Ohne Abitur ist man ein halber Mensch! Gewiß wäre ich Anfang des nächsten Jahres Offizier, wenn ich das Abitur hätte. Der Adjudant meiner augenblicklichen Dienststelle, ein Leutnant und Wandsbeker (Sternberg mit Namen, Vater Dr. jur.), fragte neulich plötzlich, warum ich eigentlich kein Off.Anw. sei. Ich erklärte es ihm u. er sagte, er wolle mit seinem Chef, Obltn. Kühne, darüber sprechen.

Und nun herzliche Grüße an alle Lieben und nochmals alles Gute, my dear! Dein Ekki.

Am 10. Juni 42. (angekommen 22. Juni)

Gleich geht ein Posttransport ab, wie ich eben höre, meine Lieben, u. da will ich Euch schnell ein paar Grüße senden. Es geht mir ausgezeichnet. Wenn wir unsere Aufgaben bis zum 15.6. nicht erledigen können, und das können wir nicht, müssen wir halt noch länger hierbleiben, was mir ganz lieb ist. Vorgestern Abend hat Hans Jürgen mich angerufen, das war ein Ereignis! Wenn Euch diese Zeilen erreichen, sind Euch gewiß längst die Grüße bestellt, die ich H.J. auftrug. Gerd ist noch immer zu Hause, er hat wirklich Glück. Aber ich gönne es ihm gern. Mein hiesiger Leutnant u. Adjudant (Heiner Sternberg, Wandsbeck, Horst Wessel Str. 16, Tel. 286110) stand daneben, wie ich telefonierte. Das nächste Mal sage ich H.J., er möge Euch bitten, dort anzurufen u. Grüße zu bestellen. Hoffentlich kommt Hans Jürgen in den nächsten Tagen wieder mit einem Gespräch durch!

Herzliche Grüße u. Küsse!

Am 11. Juni 1942. (erhalten 22. Juni 42.)

Ihr Lieben!

Inzwischen ist noch keine Post von den Batterien zu uns gebracht. Dafür fährt heute ein Melder von uns hin, der morgen zurückkommt und sicher wieder einen ganzen Stall voll Post mitbringt. Dann werdet ihr wieder von mir hören. Hat Vati sich denn auf seinem Urlaub merklich erholt, oder wie geht es ihm jetzt? Im Augenblick habe ich ja ziemlich viel Zeit und Gelegenheit zum Schreiben. Wenn ich aber später wieder bei der Baterie bin, wird damit bedeutend schlechter. Nach dem zu urteilen, was wir von den Meldern hören, wird da kolossal viel dienst gemacht und dann ist da doch alles noch primitiver als hier. Wir haben immerhin bis nachts um 1H elektr. Licht aus dem Aggregat, das am Ort aufgestellt ist. Gefällt es Karin eigentlich bei Fröbel? - Ich habe jede Nacht vier Stunden Wache am Feldfernsprecher. von 8-12, 0-4 od. 4-8. Daher schlafe ich viel am Tage, wenn ich keinen Dienst habe. Gestern Abend war ich im Kino:"Der schein heilige Florian". Keine berühmte Sache. Ja, nun sind es knapp vier Wochen, die wir in Rußland sind und es kommt mir schon viel länger vor.

Herzliche Grüße u. Küsse!
Euer Ekki.


Rußland, 16. Juni 1942. -Dienstag-

Meine liebe Mutti!

Als ich gerstern zur Batterie zurückkam, fand ich Deinen lieben langen Luftpostbrief vom 9.6. (Nr. 259) und Deine Reisepost 1+2 vor mit dem russ. Wörterbuch. Ich bin sehr froh, eine so frische Nachricht von Euch zu haben! Sonntag Abend rief Hans Jürgen mich zum 2. Mal an. Es war in 12. Stunde, denn am anderen Morgen fuhren wir dort ab. Ich bestellte bei ihm Natron, weil ich oft Sodbrennen habe. Außerdem ließ ich Dich bitten, Grüße bei den Eltern des Lt. Sternberg zu bestellen. Tel. 286110, Wandsbeck, Horst Wesselstr. 16, Vater Dr. jur. Leider bin ich jetzt nicht mehr mit diesem fabelhaften Offizier zusammen, denn er ist bei einer anderen Batterie meiner Abteilung. Es gibt von mir nichts bersonderes zu berichten. Wir liegen 30 km hinter der Front u. warten auf den ersten Einsatz, der vielleicht die Offensive einleiten soll. Es kann bald sein, aber keiner weiß wann. Der Abschnitt ist sehr ruhig, vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm. Allerdings ist hier rege fdl. Fliegertätigkeit. Aber alles bitte ich nicht als einen Grund zur Beunruhigung aufzufassen. Es besteht keinerlei Veranlassung dazu! Während gestern die Sonne schien u. wir es vor Staub auf der Straße fast nicht aushalten konnten, regnet es heute unablässig und alles ist aufgeweicht. Bei allem geht es mir gesundheitlich sehr gut. Ich sehe mich natürlich auch sehr vo9r u. trinke nie das Wasser etc. Man sagt zwar oft, ich sähe aus wie der leibhaftige Tod, aber ich fühle mich ganz wohl dabei u. blaß habe ich ja schon immer ausgesehen. - Ich lege Euch wieder eine Luftpostmarke bei. Ich habe leider ganz wenig Zeit zum Schreiben!

Herzliche Grüße und Küsse!

Euer Ekki.

Rußland, 18. Juni 1942. (erhalten 28.Juni 42)

Ihr Lieben!

Gestern erhilet ich Muttis und Vatis Karte 256 aus Osnabrück u. Muttis Brief 257. Herzlichen Dank! Bis zu Eurem Luftpostbrief 259 ist also nur noch die 258 unterwegs, die wohl 9n der nächsten Zeit eintrudeln wird. Ich danke auch für das kleine Heftchen "Von deutscher Lebenskunst"! Sowas hat man hier wirklich nötig. Seit drei Tagen hat es nun fast ohne Unterbrechung geregnet. Unser Lager befindet sich in einer bewaldeten Schlucht u. der Boden ist restlos weich geworden. Das kleine Zelt hält einigermaßen dicht, aber Schiete ist es doch. Jetzt sitze ich darin u. schreibe auf den Knien, ein Kartenbrett, das ich mir in Ligaff organisiert habe, als Unterlage. Momentan ist es trocken; hoffentlich schlägt das Wetter bald um. Unsere Feuerstellung ist bereits vermessen worden in der letzten Nacht. In einer der nächsten Nächte werden wir dann wohl unseren ersten Einsatz erleben und dem Russen unseren ganzen Rotz ins Gesicht werfen. die werden sich wundern auf der anderen Seite. Seit Ligaff habe ich mich überhaupt nicht mehr waschen u. rasieren können. Das ist ein ekelhaftes Gefühl! Von Frau Huntemann habe ich heute wieder eine Tüte Bonbons bekommen, die sie mir in einem Briefumschlag geschickt hatte, der bereits auf dem Postamt 1 in Hmb kaputt war. Dort ist es dann neuverpackt. Karin möchte elke mal anrufen, schönen Grüß u. herzl Dank u. sie möchte der Mama sagen, daß es besser verpackt sein muß! Brieflich läßt sich das nicht so gut machen, finde ich. Aber bitte nicht vergessen! Gerd hat auch geschrieben u. Renate Helmers mir ein Büchlein geschickt über Shakespeare, daß mich sehr interessiert. - Die Flieger haben uns in den letzten Tagen ganz in Ruhe gelassen. Übermorgen sitzt ihr also wieder im Ratskeller. Na, ich werde daran denken. Und dann grüßt bitte recht herzlich JMx und wen Ihr noch trefft.! und seid selbst herzlich gegrüßt alle miteinander von Eurem Ekki.

Form und Schrift sind mies, ich weiß. Wenn Ihr mich in diesem Dreck hocken sehen könntet, würdet Ihr Euch wahrscheinlich wundern, daß ich überhaupt etwas zustande gebracht habe!

Rußland, 20. Juni 1942.

Ihr Lieben!

Gestern erhielt ich Muttis Brief 260 v.9.6. mit diesem Briefpapier u. den Nähnadeln. Ja, wenn ich die in Ligoff schon gehabt hätte, dann hätte ich wohl mindestens 30-40 Eier damit eingehandelt. Leider sind wir hier von jeder menschlichen Siedlung weit entfernt. Aber vielleicht bietet sich später eine Gelegenheit die Nadeln nutzbringend zu verwenden.

Ich schreibe im Führerhaus des Kuchlastwagens. Draußen Draußen ist es viel zu stürmisch u. alle nasslang regnet es u. im Zelt ist es zu eng. Es ist bereits 20h. In einer halben Stunde wird es dunkel. Eben haben wir Luftpostmarken empfangen für die zweite Hälfte Juni. Und dann solles noch für je 10 Mann 1 Fl. Weinbrand geben. Das ist der reinste Hohn! Gewisse Leute hier trinken das Zeug in rauhen Mengen u. die Mannschaften werden auf diese Weise abgespeist. Glücklicherweise interessiert mich das garnicht u. es ist mir egal, wer den Weinbrand trinkt. Ich würde sowieso nur ganz selten etwas zu mir nehmen. Es ist überhaupt ein mieser Ton hier. Wenn es nicht so regnet, wird ein Dienst gemacht, der es in sich hat; dazu Appelle in Waffen und allen anderen Dingen. Und das 30 km hinter der Front. So richtige Kameradschaft gibt es bei diesem Haufen garnicht. Da sind wohl einige in den Mannschaften ganz vernünftig, aber Uffz. u. überhaupt Offz. benehmen sich, als ob gar kein Krieg wäre. Da war Lt. Sternberg doch aus anderem Holz!

Jeden Tag bekommen wir eine Tablette gegen Ruhr u. häufig auch Spritzen. Die Impfungen sind weniger angenehm. Die Verpflegung ist eben ausreichend. Das Mittagessen ist an sich gut, aber immer viel zu dünn. Kartoffeln fehlen gänzlich, Fett enthält das Esssen auch nicht sehr viel. Kalte Verpflegung ist auch nicht reichlich. Die Brotrationen sind knapp bemessen und Aufschnitt selbstverständlich auch. Doch wie gesagt, man kommt eben gerade damit aus. Ihr werdet gewiß noch viel weniger haben, nicht wahr?

Beim Antreten heute Mittag bekam ich Vatis Karte vom 9.6.42, für die ich ebenfalls herzlich danke.

Morgen wird Roli 16 Jahre alt. Er soll nur weiter zur Penne gehen. Stellt auf mit ihm, was Ihr könnt, damit dieser Krieg ihm erspart bleibt. Sollte der Krieg nach seinem Abitur noch nicht beendet sein, dann muß Roland zusehen, daß er Offizier wird, so wie Achim es auch macht. Die Offiziere haben es immer besser, auch hier in Rußland, wie ich jetzt festzustellen Gelegenheit habe. Gewiß müssen auch sie sich sehr einschränken, aber wenn die Truppe in Ruhe liegt, könnnen sie sich manches leisten, was der Truppe versagt bleibt.

An sich geht es mir jedoch gut. Nur der Ton gefällt mir hier nicht. Der Bubi ist ein restlos verbauter Mensch. Wenn ich nur einen Weg wüßte, um hier fortzukommen, ohne eine schlechte Beurteilung mitzukriegen, d.h. also, etwas ausfressen u. dann strafversetzt werden.

Nach den ersten Einsätzen sollen ja wieder Beförderungen stattfinden. Dann werde ich merken, was los ist, wenn andere mit denen ich auf einer Stufe stehe, Uffz. werden u. ich evtl. nicht. Der Bubi hat nämlich so 3-4 Lieblinge. Ob der Sack mich jemals zu einem Offz. Lehrgang schickt, mögen die Götter wissen. Das ist aber die einzige Möglichkeit, eher als die ganze Truppe aus Rußland wieder fortzukommen.

Na, tröstet Euch, so schlimm ist mein Kummer wieder nicht u. ich tue schon nichts unüberlegtes u. gesundheitlich bin ich besser auf Draht als viele andere, die 10-20 mal am Tag zur Latrine rennen.

Herzliche Grüße u. Küsse!
Euer Ekki.
Anbei 1 Luftpostmarke.

Rußland, 22. Juni 42.

Ihr Lieben!

Gleich fährt ein Kamerad eines Todesfalles in der Familie wegen, von dem er telegr. Bescheid erhilet, auf Urlaub. Er nimmt diese Zeilen mit nach Deutschland.

In irgendeinem Brief bat ich um den Kultur u. den Schuhputzbeutel. Zigaretten habe ich wirklich sehr reichlich, benötige also keine. Seit gestern ist das Wetter trocken, windig + sonnig. Alles trocknet schnell aus; dann geht es wohl los!

Herzliche Grüße und Küsse!
Euer Ekki.

Vorgestern habe ich meinen erlesenen Schnurrbart auf Befehl von Kühne-Bubi abnehmen müssen!


Am 25.6.42.

Ihr Lieben Daheim!

Der Tagesdienst ist beendet, die Sonne geht gerade am Horizont unter u. es ist windstill. Ich habe mich etwas abseits in die Büsche geschlagen, um Euch diese Zeilen zu schreiben. Die Mücken sind schrecklich zudringlich, daher die schlechte Schrift, denn ich muß dauernd um mich schlagen u. kann das Papier darum nicht festhalten!- Morgen vor einer Woche habe ich die letzte Post erhalten. Es war Vatis Karte u. Muttis Brief 260. Dabei liegen wir immer noch an demselben Platz. Heute sollten wir schon abrücken, denn das wetter ist seit 4 Tagen ausgezeichnet, aber es war eine "Ente"; vielleicht wird es morgen etwas. Die schlechte Postzuteilung liegt ja bestimmt nicht daran, daß ihr wenig schreibt u. wahrscheinlich ebensowenig an der Feldpost, sondern vielmehr an den dusseligen Leuten, die von der Abteilung zum Postholen in die nächste Stadt geschickt werden, die übrigens immer noch unser alter Entladebahnhof ist. Die bringen immer so wenig, als ob sie es aus einem Fach holen und die Säcke, die vielleicht schon 1-2 Tage alt sind, stehen lassen. Wir haben schon heftig protestiert das man andere Leute schicken soll, doch als kleiner Gefreiter hat man weniger zu melden als ein leibeigener Sklave. Die Funker stehen bei Kühne hoch im Kurs, werden nach 7 Monaten Gefreite u.s.w. , u. die Fernsprecher werden es nichtmal, wenn sie schon ein Jahr "krumm" haben. Dabei ist es viel schwerer, Leitungen zu bauen, als an den Skalen eines kleinen Senders oder Empfängers zu drehen. Funken tun die Kerls sowieso nicht, sondern machen immer Sprechverkehr.

Wundert Euch also nicht, wenn ich Eure Post nicht beantworten kann. Eines Tages kommt wieder so viel auf ein Mal, daß man allein das Lesen garnicht sofort bewältigen kann. Na, ich wollte nur mal wieder von mir hören lassen. Herz. Grüße u. Küsse! Euer Ekki.

Üver Tobruk ist Inge wohl froh. Wenn ich nur zu Hans Otto nach Afrika könnte, aber es geht ja nicht. (Inge ist die Schwester seiner Mutter, Hans Otto deren Mann. Er kämpfte bei Rommel in Afrika und überlebte den Krieg)


Am 29. Juni 1942 -Montag-

Liebe Eltern u. Geschwister!

Ich habe noch die Briefe 261 u. 262 u. eine Karte zu bestätigen, die Ihr bei Dehle Günther geschrieben habt. Diese Post bekam ich 5 Min. vor dem Abmarschaus unserem letzten Biwak. Seit dem hatte ich noch keine Zeit zum Schreiben. Der Abmarsch war am Donnerstag. Wir rückten vor bis an die Front. Unser erster Einsatz u. damit der Beginn der Offensive erfolgte in der Nacht von Sonnabend zum Sonntag. Als ich 400m vor dem Feind mein Panzerdeckungsloch baute, habt ihr wahrscheinlich im Ratskeller gesessen! Der erste Einsatz u. damit die Feuertaufe sind also glücklich verlaufen. Ich habe mit Lt. Sternberg in einem Loch gelegen, denn ich baute eine Fernsprechverbindung zu seiner Batterie, und wir haben viel Spaß gehabt dabei. Im Einzelnen jetzt zu schildern ist mir leider unmöglich, denn 1. fehlt die Zeit u. 2. bin ich müde u. muß sehen, daß ich die drei Nächte Donnerstag, Freitag u. Sonabend nachhole, denn in diesen habe ich nicht nur kein Auge zugedrückt, sondern auch noch schwer geschuftet! Jetzt befinden wir uns im zügigen Vormarsch. Die Panzer sind am 1. Tag so weit vorgestoßen, daß wir garnicht Schritt halten konnten. In den nächsten Tagen werden wir auch den Don erreicht haben. Der Postverkehr wird jetzt gewiß ganz miserabel. Häufig sind wir tagelang weit vor unserem Troß u. können daher keine Post abgeben. Seit drei Tagen ist ein Fahrzeug von uns hinten, um Post nachzuholen u.s.w. Damit muß man sich abfinden. Verpflegung und Munition sind wichtiger. - Die Sonnengläser sind auch noch nicht gekommen - es war wohl 258? - aber ich gebe darum die Hoffnung nicht auf, denn ich könnte sie gut gebrauchen. Die Sonne scheint leider nicht ständig. Regen u. Sonne wechseln sich ab, jedes 1-2 vielleicht 3 Tage. Regen macht alles weichu. Sonne alles staubig. Etwas vernünftiges gibt es wohl garnicht hier. Ich habe auch nie geglaubt so zähe zu sein u. so viele Strapazen aushalten zu können. Na, zum Erzählen reicht die Zeit nicht aus, es geht sicher gleich weiter._ Vor Nähnadeln weiß ich mich nun kaum noch zu bergen, aber vielleicht kann man sie ja doch mal verwerten. Bisher sind die Briefumschläge immer heil angekommen, allerdings waren ja auch keine harten Gegenstände darin, in dem Fall sind die kleinen Pappdinger wohl günstiger.- Weil die Verpflegung nicht so schnell nachkam, haben wir heute drei Hammel geschlachtet, die am Wege standen.

Also, Ihr Lieben, seid alle recht herzlich gegrüßt und geküßt von Eurem Ekki
zzt. Frontschwein.

Wenn sich jemand nach mir erkundigt, bestellt schöne Grüße u. es täte mir sehr leid, nicht schreiben zu können.
Gerd schreibt, als er Vati am 7.5. im Blumengeschäft getroffen hat, hat dieser dem zur Begrüßung auf die Backen geklatscht Wie Herr Bisotti. Muß denn das sein?

Rußland, 5. Juli 1942.

Ihr Lieben!

Am 1. d.M. erhielt ich Eure letzte Post, u. zwar Muttis Luftbrief 268, die Sdg. 258 u. 265 u. Karins Brief 266, für die ich herzlichst danke! Außerdem hatte ich post von Gerd, dem Kuli-Duellanten, seiner Mutter, von Hermann H´mann, Montau u. Partei.

Ich habe mein Reiseschach garnicht bei mir und es ist auch unwahrscheinlich, daß ich jemals zum Spielen kommen würde hier in rußland. In den letzten 5 Tagen hatte ich z.B. keine Zeit, um Brief zu schreiben, u. auch jetzt stehle ich sie mir, damit ihr eine Nachricht bekommt. Wir rollen immer dicht hinter der kämpfenden Front vor, um notfalls eingesetzt zu werden. Manchmal werden wir zu einem anderen Frontabschnitt geschickt, so auch in den letzten Tagen. Dann fahren wir Tag u. Nacht.

Zweimal sollten wir inzwischen wieder eingesetzt werden, aber das Gelände war zu ungünstig und wir kamen auch immer etwas zu spät. Die Panzer hatten es inzwischen allein geschafft. Jetzt sind wir wieder in einer windigen Ecke, 10 km vor dem Don. Vielleicht können wir heute Abend schon darin baden. Russ. Bombenflieger versuchen uns seit gestern Abend zu treffen. Sie fliegen aber in großer Höhe u. kommen njur dann, wenn unsere Jäger gerade woanders sind. Gestern haben wir gesehen, wie ein Jäger einen russ. Bomber abschoß. Ein guter Feuerstoß u. das biest sauste brennend zur Erde. In 500 m Entfernung schlug er auf. In den Panzerdeckungslöchern ist man ziemlich sicher u. wir bauen uns immer welche. Die letzte Nacht haben wir sogar geschlafen in den Löchern. Sonst schlafen wir meistens in den Fahrzeugen im Sitzen oder so auf der Erde, gut eingepackt in Decken, Mäntel u. Zeltbahnen, denn Zelte zu bauen lohnt sich für die wenigen Stunden, die wir ruhen, nicht. Wenn ich eure Briefe in punkto Fragen u.s.w. nicht vollständig beantworte, ich muß ganz schnell machen, damit ich fertig werde. Zu der sonnenbrille habe ich mich sehr gefreut. Ich kann sie sehr gut gebtrauchen. Tadellos!

Vor 2 Tagen rief Lt. Sternberg mich zu sich und bat mich, Mutti zu danken für ihren Anruf bei seinen Eltern. Es habe derart große Freude bei ihm ausgelöst zu Hause u. die Sache sei in zwei Briefen ganz groß ausgeschlachtet worden u.s.w. u.s.f. und er freut sich sehr! Inzwischen ist er unser Abteilungsadjudant geworden, weil der vorherige verwundet wurde.

Mein Zebra schaukelt vorn am Armaturenbrett unseres Merrcedes; u. der Kl. Elefant baumelt auch noch vergnügt.

Gestern war seit Tagen die erste Gelegenheit, sich zu waschen. Das ist wirklich eine Wohltat.

Von Elke H. bekam ich wieder einige Ill. Ztg.- Karin möchte bitte Dank sagen dafür u. herzlich grüßen. So, nun will ich schließen, damit der Brief auch noch mit dem nächsten Fahrzeug, daß zurückfährt, um Verpflegung nachzuholen, mitkommt.

Also, herzliche Grüße und alles gute!
Euer Ekki.
Gruß an JMx b.d. nächsten "Sitzung".

Rußland, 9. Juli 1942.

Ihr lieben Daheim!

wir stehen seit einigen Stunden marschbereit da, aber es geht immer noch nict weiter. Also schreibe ich in meinem Fahrzeug einige Briefe, denn schlafen kann man jetzt nicht, weil die sonne zu heiß scheint u. sie den letzten Rest Geist austrocknen würde.

Als 268 habe ich per Zahlkarte Rm 90,-- ebenfalls heute abgeschickt.

Vor drei Tagen haben wir den Don überschritten u. liegen seitdem vor Woronesh (ca. 400 km nordwestlich von Stalingrad, östlich des Don), daß laut gestriger Sondermeldung schon gefallen sein soll. Brennen tut die große Industriestadt schon seit einigen Tagen, aber meines Wissens wird noch darum gekämpft. Natürlich kein Zweifel, daß sie bald ganz in unserer hand sein wird. Die Stukas haben ein großes feindliches Munidepot getroffen, daher kann uns die russ Ari nichts tun. Das ist auch ein Glück, sonst würden wir in diesem Gelände wohl nichts zu lachen haben.

Unsere Einsätze, über die die Infanterie immer sehr froh ist, sind bisher immer kolossal glücklich verlaufen, fast keine Verluste! Nur durch Fliegerbomben - der Russe ist des nachts sehr rege in der Luft, dafür am Tage selten!- und in der letzten Nacht durch Granatwerfer, die unglücklicherweise in unser Biwak bumsten, einen Toten.

Man verdreckt und verspeckt hier ziemlich, weil das Wasser immer weit weg ist. Mit 2 Liter pro Tag zum Waschen muß man auskommen, wenn überhaupt etwas herankommt.

Na, Hauptsache, es geht mir ansonsten noch gut u. das ist der Fall. gleiches hoffe ich von Euch allen und grüße euch herzlichst
als Euer Ekki.



Rußland, 10. Juli 1942.

Liebe eltern u. Geschwister!

Eben empfielt der Spieß, heute Abend noch Post abzugeben, weil er eine Möglichkeit wittert, diese loszuwerden. Also schnell ein paar Zeilen an Euch!

Gestern erhielt ich die Karte aus dem Ratskeller, für die ich herzlich danke. Ebenso für die vielen Grüße darauf, was Ihr bitte den "Leuten" weitergeben wollt.

Die Panzerdivision, der unser Regt zugeteilt ist, war während dieser Offensive am erfolgreichsten. Auf Befehl des Führers wurde die Div. gestern aus dem Kampf gezogen, um in einem anderen Abschnitt eingesetzt zu werden. So liegen wir seit gestern 3h wieder auf der Achse und sausen nach dem Süden. Charkow, Bostow od. so ähnlich wird wohl unser Ziel sein, um dort wieder den Feind zu schlagen. Im Augenblick sind hier wohl die heißesten Wochen u. ich glaube, daß die Sonne in Afrika nicht stärker wirkt. Es ist eine Sonnenglut schon morgens um 7h, einfach toll; und dazu ein Staub auf den Straßen, von dem sich keiner einen Begriff machen kann, der es nicht selbst gesehen hat. Der Staub ist so dick, daß man auf 20 m oft nichts mehr sehen kann. Wir sehen nach so einer Fahrt bis zur unkentlichkeit verdreckt aus. Wenn man dann Mittags in der Nähe einer Wasserstelle pausiert, geht es ja noch, aber heute ist das nicht wie gestern der Fall. Da muß man ohne waschen auskommen. Wir fahren auch viel in der Nacht und sind natürlich hundemüde.-

Bei der gestrigen Rast habe ich zum ersten Mal selbst meine Wäsche u. Strümpfe sowie Taschentücher gewaschen. die Unterwäsche war seit Ligoff nicht mehr gewechselt u. sah aus wie geteert. In Woronesh hat unsere Batterie in einem Kühlhaus Butter, Eier u. kl. Hühnchen gefunden. Es wurde alles verteilt u. da es zufällig auch Zucker gab an dem Tag, habe ich mir 8 Zuckereier gemacht. Allerdings nicht auf ein Mal. Mit drei Mann bekamen wir ein Brathühnchen, das wir erstmal zwei Stunden gekocht und danach schön knusprig gebraten haben und gleich soll es zum Abendessen verzehrt werden! Mit der Post kann es in Folge des Abschnittwechsels noch schlechter werden. Luftpostmarken sind auch nicht nachgekommen. Man muß zusehen, daß man nicht vor Dreck umkommt, ansonsten geht es mir aber ganz gut, was ich auch von euch erhoffe!

Grüßt mir Freunde u. Bekannte und seid selbst herzlichst gegrüßt und geküßt
von Eurem Ekki.

Rußland, 14. Juli 1942

Ihr Lieben Daheim!

Vor vier oder fünf Tagen habe ich Euch zuletzt geschrieben, da wird es Zeit, daß Ihr wieder von mir hört, zumal ich momentan die Möglichkeit zum Schreiben habe. Seit zwei Tagen befinden wir uns in Ruhe, und es soll, wenn nichts dazwischen kommt, im ganzen 6 Tage dauern. Wir hatten in den letzten Tagen eine Bullenhitze, ein Gewitter mit Wolkenbruch, wie es wohl auch nur hier sein kann, ließ uns für Stunden aufatmen.- Unsere "große Fahrt" nach Südenhat in diesem Dorf, dessen Namen ich garnicht weiß, ein jähes Ende gefunden. Unsere Abteilung wird einer anderen größeren unterstellt, auf die wir hier warten. Wir sind 30 km westlich des Dons auf der Höhe von Charkow, also im Nordosten der Ukraine. Das einzige, was man in diesem Dorf bekommen kann, ist Milch. Aber auch nur in beschränktem Maße. Wir haben aber in der letzten Woche ganz gut gelebt mit viel Eiern, Butter u. Brathühnchen in Woronesh. Na, also ich schlage mich immer noch ganz gut durch. Post haben wir allerdings schon viele Tage nicht mehr bekommen u. so sehr man darauf wartet, solange solange es das einzige ist, was uns fehlt, geht es uns noch recht gut. Wie ich heute an der Straße hörte, sind die Panzer schon bis zur Wolga vorgedrungen.

Ich habe überhaupt noch Post zu bestätigen, u. zwar die Karte vom 20.6. aus dem Ratskeller. Ich danke vielmals u. lasse herzlich grüßen!

Das land ist wirklich sehr fruchtbar und in dieser Gegend auch nicht mehr ganz so eintönig. Trotzdem ist die Bevölkerung blutarm u. hat nur wenig für sich anbauen können. Meistens mußten sie wohl auf den großen Getreidefeldern arbeiten. Das Korn steht gut, aber wir fahren auch viel kaputt mit unseren Panzern u. Fahrzeugen. Vor 8 Tagen waren ja die russen noch hier!

Die Häuser sind so stinkig, daß wir bei Regen lieber im Fahrzeug schlafen. Zu unserer großen Freude fließt hier ein 5m breites Wasser, das uns alle Sorgen in puncto Dreck abnimmt u. die Hitze auch besser ertragen läßt, weil wir so oft hineinhüpfen, wie es zu warm wird.

Ich habe diesen Brief geschrieben während oder weil die Post eingesammelt wird, um mit einem zurückfahrenden Fahrzeug zur nächsten Post gebracht zu werden.

Herzliche Grüße u. tausend Küsse von Eurem Ekki.

Rußland, 18.7.42

Ihr Lieben!

Geradeeben gab es Luftpostmarken u. in 20 Min. fährt ein Fahrzeug fort, das Post mitnimmt. Aus der Heimat aber haben wir am 9. d.M. die letzte Post bekommen, u. die habe ich längst beantwortet.

Dieser Brief wird noch an demselben Ort geschrieben wie der vorherige; wir liegen also auch immer noch in Ruhe. Über Weitermarsch ist nichts bekannt, aber so etwas kommt ja meist plötzlich. In diesen Tagen besteht mein dienst darin, die Vermittlung auf der Abteilung besetzt zu halten mit zwei Kameraden. Wir haben nämlich ein Fernsprechnetz zu unseren Batterien gelegt für die Zeit der Ruhe, damit die Kradmelder auch mal Ruhe haben. Die Vermittlung befindet sich in einem Haus , in dem vor 1 1/2 Wochen noch ein Kommissar gewohnt haben soll, nach Aussagen der Bevölkerung. Das Haus ist aber ebenso primitiv u. schmutzig wie die anderen. Nebenan wohnt unser Abt.Kommandeur, Hauptmann Jäger, Hmb., Husumer Str., wie mir sein Putzer erzählte. Tatsächlich habe ich ihn auch mal am Hauptbahnhof gesehen. Ein älterer Herr, Mitte 50, groß u. schlank u. sehr sympathisch. Leider sind wir an keine großere Vermittlung angeschlossen, sonst könnte ich versuchen, Hans-Jürgen zu erreichen.

Es ist ganz angenehm, ein Dach über dem Kopf zu haben, denn momentan regnet es. Und wenn die Sonne sticht, ist es angenehm kühl.

Nun braucht Ihr Euch nicht zu sorgen, es geht mir körperlich sehr gut. Wenn jetzt die Verpflegung nicht nachkommt, so spielt es keine Rolle, weil wir jetzt Zeit haben, Hammel, Schweine, u. Kälber für die Küche zu besorgen.

Es ist nur mordslangweilig u. blöde hier. Heute z.B. ist Sonnabend. Aber ein Tag vergeht wie der andere und es ist nichts vom Wochendende zu bemerken, wenn es nicht auf dem Kalender stände.

Also herzliche Grüße an Euch alle und alles Gute!

Euer Ekki,

Bitte auch Grüße an alle netten Leute, falls sie fragen sollten. Ihr wißt schon, wen ich meine. Der Wagen will abfahren u.es ist keine Zeit , den Begriff besonders zu definieren, tut auch nicht nötig.

Tausend Küsse! Ekki.

Rußland, 22.Juli 1942.

Meine liebe Karin!

Wie geht es Dir? Mir auch, danke.

Die schönen Tage sind vergangen..... könnte ich jetzt singen, wenn ich singen könnte. Wir fahren nämlich im Morgengrauen weiter, u. zwar erstmal 400km nach Süden. Zehn Tage sind wir nun hiergeblieben u. haben so gut gelebt, wie es irgend ging. Junge Kartoffeln, fleisch in rauhen Mengen, frische Milch und, man lecke sich die finger! wunderbaren Bienenhonig. In einem Kolchow haben wir eine Imkerei gefunden, die uns fabelhaften geschleuderten Honig lieferte.

Wahrscheinlich durch den Umstand, daß unsere Abteilung nicht mit dem Rgt weitermarschiert ist, funktioniert der Postbetrieb nicht. Vor 14 Tagen hatte ich die letzte Post von Euch. Gestern gab es etwas Post, für mich war ein brief dabei, u. zwar von Elke. Der größte Teil unserer Post ist gewiß da, wo das Rgt liegt. Sicherlich sind die Feldpostnr. nicht schnell genug umgeschrieben worden. Na, die Hauptsache ist, Ihr hört ab und zu etwas von mir.

Hoffentlich ist das Wetter bei Euch inzwischen besser geworden!

Ich bin natürlich sehr neugierig auf Nachrichten aus Hamburg, aber lieber höre ich garkeine als schlechte. Wenn einmal irgendetwas Besonderes sein sollte, könnt Ihr mir ja unter Feldpostnr. telegrafieren. Herzliche Grüße und Küsse an Alle!

Dein Ekki.
Hoffentlich seid Ihr alle wohlauf!

In einem armseligen Ort, das wie viele, Alexandrowka heißt, am Sonntagmorgen, d. 26.7.42

LIebe Eltern und Geschwister!

Nach drei Tagen Marsch in Regen, Matsch, Staub und Hitze haben wir eine Kunstpause gemacht, weil kein "Sprit" mehr da ist. Der Tankwagen wird aber bald kommen. Die Landschaft hat sich noch nicht viel verändert, ist aber schon bedeutend freundlicher geworden, je mehr wir nach Süden gelangten.

Es hat jetzt keinen Zweck, daß ich Euch die Luftpostmarke mitschicke. Vor ca. drei Wochen bekamen wir zuletzt Post. Und wenn ich mich nicht irre, muß noch ein Luftbrief von euch unterwegs sein.

Vor einigen Tagen brach mein letzter Taschenkamm durch, denn die Haare waren "etwas staubig". Heute habe ich die letzte Tube Haarfett angegriffen. Im Sekretär bei den Büchern muß sich auch noch eine kleine Flasche befinden. Mein Spiegel ist seit Ligoff kaputt. Am besten wäre einer in derselben Größe aus Metall. Fragt evtl. Hermann Huntemann, wo er seinen gekauft hat. Als ich vor einigen Tagen Kirschen pflückte, verlor ich dabei mein kleines Taschenmesser mit Nagelreiniger. Und Spalttabletten möchte ich schließlich auch noch haben! Außerdem ist meine Seifendose in die Brüche gegangen.

Dienstag, 28. Juli 1942.

Gestern sind wir in ein anderes Dorf gefahren u. werden 3 Tage bleiben. Es gibt Milch, Eier, russ. Sauerbrot, manchmal etwas Butter, Gurken u. fast reife Äpfel zu organisieren.

Durch einen unglücklichen Zufall wurde mir gestern beim Leitungsbau meine schöne Hornbrille zertreten. Das Sonnenglas hatte ich aber extra. Nun muß ich die Dienstbrille oder die Markenbrille (Bänder statt Bügel) tragen. Sie sind beide viel unbequemer. Aber eine neue Brille kann ich mir doch erst in Deutschland beschaffen.

Gestern ist wieder etwas Post gekommen. Von Euch war nur ein Brief von Karin vom 28. 6. (Nr. 273) dabei, also vier Wochen alt! Außerdem bekam ich Illustrierte v. Elke (Elke Huntemann verh. Wöllert, wohnte in der Sierichstrasse nicht weit von der Gryphiusstrasse, in der Ekkehard wohnte. Ekkehard hat Elke über ihren Bruder Hermann kennengelernt, der zu der Zeit Lehrling in Hamburg war.) u. einen Brief v. Christa v. Lüttichau (Ihr Bruder Ulrich ist ein Mitschüler von Ekkehard. Ulrich v. Lüttichau ist 1940 in Frankreich gefallen. Er hat sich freiwillig zum Militärdienst gemeldet.) + Änne Benden (Änne Benden ist eine Straßenbahnschaffnerin in Bremen gewesen, die aus dem Ruhrpott stammt. Ekkehard hat sie während seiner Grundausbildung kennengelernt).- Heute fährt wieder ein Wagen zur Post u. da soll dieser Brief noch mit! Um mich braucht Ihr ein für ale Mal keine Sorgen zu haben. Verhungern tue ich nicht, eher verhungern alle Russen. Und wenn dieses auch ein blöder Haufen ist, so kann man halt nichts dabei machen. Ich schlage mich schon überall durch.

Mit herzlichen Grüßen u. Küssen bin ich Euer Ekki.

Nicolajeff, am 30.7.42

Ihr Lieben Daheim!

Gestern erhielt ich Muttis lieben Luftpostbrief vom 28.6. (Nr. 274). Ihr seht also, die Marke nützte nicht viel. Gewiß ist der Brief schnel nach Rußland gekommen u. hat dann doch noch so lange gebraucht, um zu mir zu gelangen. Da ist es wirklich besser, wenn ich alle Luftpostmarken von hier an Euch verschreibe, denn ich hoffe, daß die Briefe tatsächlich schneller reisen, denn der Bestimmungsort steht ja fest. So hat wenigstens einer Nutzen davon.

Wir befinden uns momentan im Gebiet der Donkosaken. Von den Kosaken ist hier aber nicht vile zu sehen, nur Frauen, Kinder u. Greise. Allerdings reiten die Jungs hier schon wie der Teufel, natürlich ohne Sattel. Wir bleiben drei Tage in diesem Dorf, dann geht es weiter an den Don auf die Höhe von Rostow. Seit Woronesh haben wir noch keine Feindberührung gehabt. Es ist das erste Mal, daß die Bevölkerung uns ziemlich freundlich aufnimmt. Wir haben wieder zu allen Einheiten der Abteilung Leitungen gelegt. die Vermittlung steht in dem Haus, an dem unser Fahrzeug zu besseren Tarnung steht. Die Bevölkerung hat es hier besser, weil sie mehr u. besser zu essen haben, im übrigen sind sie aber auch furchtbar primitiv. Wir bekommen Eier, u. Milch ziemlich reichlich. Heute holten wir dazu Mehl aus der Küche u. ließen uns Eierkuchen von den Frauen backen. In dem Haus (1 Raum) wohnen drei Frauen (Mutter, verheiratete Tochter u. Schwiegertochter) mit etlichen Kleinkindern. Die Männer sind im Krieg. Auf dem Hof u. im Hause laufen viele Hühner u. Kücken herum. Unter den Betten liegt das ungemahlene Korn für den Winter. Die Leute müssen "wohlhabend" sein, denn hier steht eine deutsche Nähmaschine, Marke: Pfaff. Außerdem haben sie eine gute Milchkuh.

Das Wetter ist schwül u. man kann sich fast nur im Schatten aufhalten. In dem, innen wie außen weißgekalktem Haus ist es einigermaßen kühl. Allerdings wird man hier von ungezählten Fliegen gestört. - Man hält es mit der Verpflegung aus, wenn man Gelegenheit hat, sich etwas dazu zu organisieren. Es ist eben mal besser u. mal schlechter. Nun werden ja auch langsam die Äpfel, Birnen, Gurkern u. Kürbisse reif. Ihr braucht Euch nicht zu sorgen, ich komme schon immer irgendwie durch. Wenn die Kameraden keine sind, so sehen sie bei mir nur die kalte Schulter. Es ist schon wieder eine Anfrage gekommen, "die Offz.Anw. sollten gemeldet u. auf einen Lehrgang geschickt werden. Ich hörte es hintenherum. Aber Kühne rührt sich nicht, dieser komische Pimpf. Er weiß es immer zu verschieben. Nun will er noch einige Einsätze sehen u. dann soll ich noch einige Zeit bei einer Batterie Dienst tun. Aber wer weiß, wann wir wieder eingestzt werden. Solange der Russe so leicht zurückgedrängt werden kann, wohl kaum. Es ist ja alles Unsinn, ich bin längst überzeugt, daß er keinen weiterkommen lassen will u. darum immer neue Ausflüchte sucht. Leider sehe ich keinen Weg, es anders zu versuchen. Na, wer weiß, wozu es gut ist. Aufregen tue ich mich darum nicht, dafür sind die Nerven noch zu gut und auch zu schade.

Also, meine Lieben, nun wißt Ihr wieder, wie es steht u. geht. Das unverschämte an der Sache ist, daß er mich als seinen besten Fernsprecher unbedingt halten will. Dies ist bestimmt kein Eigenlob! Also ein egoistischer Gedanke von ihm. Ich habe viele Gründe, es behaupten zu können. Nebenbei bin ich es, der den Auf- und Abbau des ganzen Fernsprechnetzes bisher geleitet hat. Und es ist gewiß nicht einfach, seine Kameraden, die auch Gefreite sind, zu kommandieren u. zur Eile u. Sorgfalt anzuspornen.

Ich muß viel an Euch denken u. überhaupt an die Zeiten, die ich in Hamburg verbracht habe. Das ist kein Heimweh, sondern es kommt daher, weil es hier in Rußland alles so eintönig ist, man mit der Bevölkerung kein Wort sprechen kann (vielmehr keinen Satz, Worte schon, an Hand des Wörterbuches) und der Dienst mich garnicht ausfüllt.

Der Wehrmachtsbericht von gestern sprach von einem schweren Angriff auf Hmb, besonders Eppendorfer Krankenhaus. Ich hoffe ganz sicher, daß Ihr nichts abbekommen habt! Mein Abt.-Kommmandeur, Hptm. Jäger, wohnt in der Husumer Str., das ist ja schon bedeutend näher.

Mit vielen lieben Grüßen und Küssen bin ich stets Euer Ekki.

Es ist noch allerhand Post von Euch an mich unterwegs. Der Teufel mag wissen, wo sie steckt, vielleicht auch die Götter. Abwarten u. Tee trinken. Wenn sie nicht verlorengegangen ist durch feindliche Einwirkung (möglich!) dann muß sie ja eines Tages doch kommen. Logisch, was? Wenn die Rm 90,-- noch immer nicht da sind, so ist es kein Grund zur Aufregung. Ich glaube, das Geld ist noch immer hier, denn die Abteilung hat noch kein Postamt finden können, das die Einzahlungen annimmt. Allllle Feldpostämter scheinen dafür nicht eingerichtet zu sein. Ich brauche recht bald Briefumschläge!

Rußland, 6. Aug. 42. (Brief Nr. 276)

Meine Lieben!

Seit 5 Tagen sind wir wieder unterwegs u. seit unserer Ruhe in dem freundl. Kosakendorf haben wir fast nichts als Steppe gesehen. Es geht in Richtung Stalingrad, aber genau weiß ich auch nicht, wo ich bin. Vor Tagen gingen wir über den Don zum 2. Mal, es muß so ungefähr die Höhe von Rostow gewesen sein.

Also, ich stehe mit meinem Wagen inmitten einer blöden Grassteppe. Die Sonne brennt unbarmherzig! Der Wagen ist kaputt und wird gerade repariert. Die Abteilung liegt weiter vorn. Dort hat es heute Vormittag Post gegeben und nun fährt der Postwagen schon wieder zurück. Er kommt gerade hier vorbei und bleibt frdl.weise einen Moment stehen. Da will ich Euch flink ein paar Zeilen schreiben, wenn ich auch die vorn bei der Abteilung liegende Post nicht beantworten kann. Es geht mir an sich ganz gut, nur dieser verfluchte Staub u. diese öde Gegend- nirgends Wasser. Na, im Leben geht alles vorüber....ich freue mich sehr auf die Post. Hoffentlich ist mein Wagen bald wieder heil, damit ich hinkomme. Die Abt. ist momentan eingesetzt, wie ich höre. Pech, daß ich hier herumsitze.

Seid herzlichst gegrüßt u. geküßtvon Eurem Ekki.

P.S.
Bei nächster Gelegenheit bekommt ihr wieder einen Luftbrief. Ich habe noch zwei Marken!

Rußland, 8.8.42
Ihr Lieben!
Ich bin noch immer mit meinem Fahrzeug bei der Instandsetzungsstaffel. Die Abt. soll inzwischen eingesetzt gewesen sein. Gestern wurde uns die Post gebracht. Ich bekam so viel wie noch nie, u.A. auch einen Brief und ein Päckchen von Frau Heller.- Am 17.7. ist ein für uns zuständiges Postamt durch Fliegerangriff zerstört u. die Post verbrannt. Wenn (unleserlich) nicht angekommen ist, so wird es wohl daran liegen. Ich hatte deswegen
schon garnicht so viel Post erwartet. Es trafen ein neben etlichen Hamburg-Fotos: Brief 278 v. 11.7.Lt Sternberg wird dieser Tage als Adju von einem anderen Offz. abgelöstund geht zu seiner 5. Battr. zurück. Er freut sich sehr, weil er mit den Mannschaaaften der 5. so ausgezeichneten Kontakt hat. Ich finde es natürlich sehr bedauerlich, was ich ihm auch sagte, aber er lachte nur u. sagte, es sei tadellos, daß er wieder zurück in die Batterie könne. Ja, Vorsicht von wegen Kuh im Porzellan!-

Von den Feldpostpaketen à 1000 gr. habe ich auch gehört. Wenn wir mal solche Marken bekommen sollten, schicke ich sie sofoert per Luftpost. Aber vorerst wird es nichts werden. Wir sind ja so weit vorn, daß die Verpflegung u. Munition kaum ankommt, da wird man uns die Marken erst später geben. Friesenkuchen, gute Idee. Freue mich schon jetzt darauf.- Brief 282 v. 20.7., Brief 279 v. 16.7. Natron ist leider noch nicht angekommen. Ich fürchte, es ist mit verbrannt. Allerdings hatte ich die letzte Zeit kein so starkes Sodbrennen mehr. Von den Fußlappen möchte ich alle 4 Wochen ein paar haben. die Moltonlappen sind übrigens viel zu dick, damit komme ich garnicht in die Stiefel.- Über "Frohes Leben'" habe ich mich sehr gefreut, herzlichen Dank! Wird sich die Feuerkasse auf halbe Tage einlassen und stehst Du Dich dann nicht bedeutend schlechter? Päckchen 269 v. 22.6. mit Keksen traf ein u. schmeckte ausgezeichnet. Karten 280 + 281 vom 18.7. Bitte herzliche Grüße an die erlauchte Schulauer Gesellschaft, speziell iMx. Ausserdem an Huntemann, Hellers usw. , denn ich kann nicht immer schreiben.- Eine Karte von Karin aus dem "Orchi" vom 12.7. Heißen Dank! So, ich glaube, jetzt habe ich alle Eure Post beantwortet. Zu bemerken sei noch Grethes Lehrbrief, u. das Schreibpapier nebst Umschlägen. Vielen Dank, aber der Bedarf besteht natürlich weiter.

Die Sonne brennt jeden Tag von Neuem auf das versengte Steppengras u. man findet kaum ein schattiges Plätzchen. Ein warmer Wind schleppt große Staubwolken u. Verwesungsgeruch mit sich. Flöhe u. Läuse sind auch in (unleserlich) Maßen vorhanden. Es läßt sich garnicht vermeiden. die Steppe ist mindestens ebenso schlimm wie die Wüste. An sich geht es mir sehr gut, leider habe ich seit einigen Tagen Durchmarsch in flüssigster Form, und zwar mehr als oft. Wenn ich zur Abt. komme, werde ich zu dem Arzt gehen. Der verordnet allerdings auch bloß Kohle u. Hungerkuren. Na, es wird schon irgendwie gehen!

Am 12. Aug. 42
Gestern gab es wieder etwas Post. von Euch waren dabei Pck. 270 m. Natron. Als ob Mutti geahnt hat, daß die erste Natronsendung verschütt gehen würde, und eine Karte von Karin mit dem Tennisbild.- Wir sind inzwischen bei der I-Staffel fertig geworden mit unserem Fahrzeugund zum Troß gefahren. Die Gef.-Battr. liegt seit einigen Tagen 13 km von hier vor einer russ. Feldbefestigung, der ersten von Stalingrad, obgleich dieses noch 80 km von hier liegt. Oblt. K. weiß lange, daß wir wieder da sind u. befielt meinen Trupp trotzdem nicht nach vorn. Stattdessen hat er als er gestern hier war, mir eine große Zigarre verpaßt wegen der Unordnung in meinem Fahrzeug u. hat dieses eine Räuberhöhle genannt. Wir waren grade alle zum Baden zu einem nahen Weiher gegangen u. hatten für diese Zeit alle Klamotten so ins Fahrzeug gepackt wie es gerade kam. Aber er ließ mich garnicht zu worte kommen, wie das so ist. Diese Leute können einem ja einfach den Mund verbieten. Wenn ich das könnte, würde ich ihn auch fix u. fertig machen können. Wenn es noch mal vorkommt, will er mich bestrafen wegen "Unordnung". Als er das sagte, konnte ich ein Lächeln kaum unterdrücken. Ausgerechnet ich soll unordentlich sein!- Mit dem Durchmarsch bin ich jetzt wieder so ziemlich durch. Ein Glück! Wir liegen wieder in einem ganz armseligen Dorf, aber es ist wenigstens eine primitive Badegelegenheit in einem Weiher da. Die Gegend ist nach wie vor "öd u. leer". Das Essen war in letzter Zeit ganz gut. Es ist ja nun auch eine günstige Zeit , wo Kartoffeln, Kohl, Gurken u. bald Tomaten da sind. Dazu werden Rinder oder Schweine geschlachtet.

13. August 1942.

Viele liebe Grüße u. Küsse von Eurem Ekki!

Rußland, 15. Aug. 42. (Brief 278)

Ihr Lieben! Gestern Abend bekam ich sehr viel Post von Euch, die ich jetzt nur schnell bestätigen will, da gleich wieder der Postwagen zurückfährt. Die Beantwortung im einzelnen kommt dann in den nächsten Tagen, allerdings wohl ohne Luftfeldpostmarke. Paketmarken bekommen wir vorerst nicht, oder habe ich es schon geschrieben? (1 Satz unveröffentlicht, da privat und zunächst eigener Recherche bedarf, d. Hrg.) Ist ja wirklich ein dolles Stück.- Also Eure Post, von der das meiste nicht nummeriert ist: Brf. v. Karin v. 28.7. Karte v. Vati aus Bergstedt, Brfe. 277 u. 277a, gemeins. Brief von Roland + Karin v. 25.6.- Den Brf. von der Schwedin werde ich beantworten u. Euch zuschicken. Ihr habt ja wohl hoffentlich die Adresse aufbewahrt, um den Brief dann weiterleiten zu können.- Mir selbst geht es gut. Wir befinden uns noch immer in der verfluchten Steppe. Seit Tagen weht ein heftiger Wind, der furchtbar viel Staub aufwirbelt. Den letzten großen Einsatz, der nun vorbei ist, habe ich leider nur beim Troß mitgemacht, weil mein Wagen kaputt war. Herzliche Grüße an alle lieben Leute, die nach meiner Wenigkeit fragen, und besonders natürlich an euchvon Eurem Ekki.

Leider habe ich auch den Rand bekritzelt und muß daher einen neuen Briefumschlag nehmen. (Es handelt sich um einen Feldpostbrief, ein Blatt, das gefaltet und an den Ränder verklebt wird, um den Inhalt zu verbergen. D. Hrg.)

Rußland, 15.8.42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

So, inzwischen habe ich den Luftbrief abgeschickt, damit er gleich reisen kann. Leider ist mir die Tabakspfeife auf ungeklärte Art abhanden gekommen. Könntet Ihr gelegentlich mal eine schicken? Ich meine, früher zu Hause irgendwo eine Schutzhülle für ein Jagdgewehr gesehen zu haben. Sie ist gewißaus Wandsbeck gekommen. Entweder muß das Ding auf dem boden sein oder in der untersten Schublade des Sekretärs. Wenn sie Euch in die Hände fallen sollte, hebt sie gut auf. Hierherschicken geht wohl nicht, weil sie zu schwer ist.

Karins Brief v. 28.7. Hoffentlich ist der arme Misch inzwischen wieder gesund geworden! Das muß ja ein doller fliegerangriff gewesen sein, Ende Juli. Soviel verbrannt u. sogar der vornehme "Apav" u. Prange etc. Nee, nee, wie ist das möglich.

Brf 277 v.9.7. ist ja nicht weiter zu beantworten. Wie niedlich von Frau Heller, ich wäre ihr dritter Junge. Was der Krieg so alles ans Tageslicht bringt!

Rolands Brf. v. 25.6. ist ja furchtbar lange unterwegs gewesen. Hier in Rußland kann man nichts kaufen wie in Deutschland, man kann höchstens tauschen oder, wenn man kurz hinter der Front ist, sich alles so nehmen, ohne Gegenleistung. Rolands ausführlicher Brief hat mich sehr gefreut. Hoffentlich höre ich gelegentlich mal wieder was von ihm.- Mit Vatis Geburtstag muß ich mich versehen haben. Na, ihr wißt ja auch so, wie es gemeint war u. auf zwei Jahre kommt es ja auch nicht so sehr an.

Herzliche Grüße + Küsse und alles Gute! Euer Ekki.

R.,d. 16.Aug. 42 (Sonntag) 280
Ihr Lieben!
"Liebe geht seltsame Wege", heißt ja der bekannte Filmtitel. vielleicht gibt es gelegentlich auch mal den film :"Feldpost geht seltsame Wege"! Heute bekam ich nämlich die Natronsendung 264 in der Zigarillokiste und ein Briefchen von Karin mit einem Foto von Maria Landrock (Filmschauspielerin,*03.07.1923 geboren, d. Hrg.). Für beides meinen heißen Dank (45° im Schatten)! Vor den gefürchteten Sadlerinnen (?, d. Hrg.) brauche ich nun keine Angst mehr zu haben in den nächsten Monaten. Ansichtskarten empfange ich übrigens gelegentlich sehr gern. Sie regen die Phantasie in erfreulicher Weise an, was hier manchmal notwendig ist! Allerdings müssen es nicht immer schöne Frauen sein, eine Ansicht von Hamburg oder sonst ein schönes Bild tut es auch. In der vergangenen Nacht habe ich in einem Haus geschlafen, obgleich es dem Wetter nach garnicht nottut. Der Erfolg: heute wanzenzerstochen! Aber sonst alles in Ordnung, gesundheitlich! Herzliche Grüße und Küsse! Euer Ekki.

R., d. 18. August 1942. 281

Liebe Eltern u. Geschwister!

Leider gibt es nichts Neues zu berichten. Es geht gleich ein Postwagen ab u. ich will Euch nur einen Gruß senden. Eben ist die Gefechtsbatterie zu einem neuen Einsatz gefahren. Mein Trupp ist nicht mitgekommen, weil der Wagen leider kaputt ist. Künstler- oder vielmehr Soldatenpech! Es ist recht langweilig und ich begrüße jeden Lesestof. Wenn ihr mal Reclamhefte mit nettem Inhalt seht, schickt mir doch mal einige. Man kann sie des Formates wegen so gut in den Taschen verstauen und einen großen Wert stellen sie ja auch nicht dar. Wie geht es sonst in Hmb? Je mehr ich mich hier langweilen muß, umso mehr denke ich an Euch und daran, wie es früher war. Ihr braucht mich nicht zu bedauern, aber ich fühle mich bei dieser einheit nicht mehr richtig wohl, weil es kein Vorwärtskommen gibt. Nicht mal die bitte, allein, ohne meinen Trupp auf einem anderen Fahrzeug mit in den einsatz fahren zu dürfen, würde mir gewährt. Es soll eben nicht sein! Herzliche Grüße u. Küsse sendet Euch Euer Ekki!

Rußld., d. 19. Aug. 42.

Ihr Lieben!

Es fährt morgen in aller Frühe wieder ein Uffz. unserer Batterie zu einem Lehrgang nach Deutschland und ich will die Gelegenheit nicht verpassen, Euch wenigstens ein paar Zeilen zu schicken, die Euch schneller als gewöhnlich erreichen. Seid versichert, daß es mir gesundheitlich gut geht. Die Anfälle von Durchmarsch sind glücklicherweise wieder vorbei. Grüßt bitte recht herzlich Hellers, Huntemanns U. (unleserlich) auf dem nächsten "meeting". Ich würde gern außer den Zeitungen noch Rclambücher leswen. Wenn ihr mal nette erwischen könnt, schickt mir doch bitte nach u. nach einige Exemplare. Sie sind so gut in die Tasche zu stecken u. wenn sie verloren gehen, ist es auch nicht schlimm, weil sie keinen Wert darstellen. Habe ich schon um eine Tabakspfeife gebeten? Ich habe meine leider verloren! Und nun seid herzlichst gegrüßt u. geküßt von eurem Ekki.

283 Rußld., d. 23. August 1942 -Sonntag-

Ihr Lieben!

Vor drei Tagen bekam ich Eure lieben Briefe vom 31.7. (286) u. 3.8. (288) für die ich herzlich danke. Zugleich erhielt ich u.a. zwei "süße" Päckchen von meiner "zweiten Mutti", Frau Heller, vom 25.6., deren Inhalt aber trotz der langen Reisetadellos in Ordnung war u. fabelaft schmeckte.- Also zu Euren Briefen: ich bin froh, daß Euch bei den Angriffen der Tommies Ende Juli nichts passiert ist. Ich hörte, daß auch die oberen Stockwerke des Hamburger Hof gebrannt haben sollen. Demnach auch das Büro von Herrn Heller!?- Wir haben zeitweise sogar 58°C gehabt. Jetzt ist es um die Mittagszeit auch noch sehr heiß, morgens, abends und besonders nachts aber schon ziemlich frisch.- Über die Entstehung des Staubes sind wir uns durchaus nicht im Unklaren, Herr Papa. Früher bin ich in Hoisdorfer solcher Reden wegen getadelt worde, weil das Verdummungspolitik sei! Na, ich bin ja etwas großzügiger als die Herren Pauker.- Vielen Dank übrigens für die Münchner Lesehefte, die manchmal Euren Briefen beiliegen.- Wir sind noch immer in der Steppe. Es geht nicht so schnell vorwärts wie sonst. Der Widerstand ist kolossal. Die Russen wollen Stalingrad wohl unbedingt halten. Es müssen hier gewaltige Bunker u. Feldstellungen geknackt werden. Die Steppe ist bestimmt ebenso unangenehm wie die Wüste. Nur, daß hier statt Sand vertrocknete Erde liegt, auf der spärliche u. vertrocknete Gräser stehen. Kein Baum, kein Strauch, kein Wasser. Nur selten wie eine Oase ein ärmliches dorf. Man kann es sich garnicht so vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Im übrigen ist alles beim alten und ich bitte Euch, wieder recht herzliche Grüße auszuteilen. Es ist das einzige, was ich zu bieten habe. Wirklich belämmert. Aber auch das wird gelegentlich mal anders, hoffentlich, wenn wir Stalingrad genommen haben. Herzliche Grüße und Küsse sendet Euch Euer Ekki.

284 Rußland, 28. August 1942.

Liebe Eltern u. Geschwister!

In dieser Woche gab es zweimal Post u. ich erhielt im ganzen 23 Briefe. Ansich höchst erfreulich, aber ich habe nur selten Zeit, zu antworten. Von Euch habe ich zu bestätigen: Sdg. 283 mit Schokolade (ganz groß!), Brf. 289, eine Karte von Roland aus Bad Rothenfelde v. 21.7., und einen Brief von Karin u. Roland vom 1. Juli. Karin und Roland sollen sich übertrieben in Acht nehmen. Es werden immer wieder Jugendliche in Hmb verhaftet. Ich hörte von mehreren Fällen, Jungs wie Mädchen.( Sie wurden z.B. wegen Swing-Hörens ins KZ Fuhlsbüttel gesperrt und sind dort z.T. umgekommen vg. "Die Hölle von Fuhlsbüttel" Hamburger Abendblatt v. 5.9.2003.D. Hrg.) - Von Tante Inge bekam ich einen netten Brief. Hermann H´m. hat auch geschrieben. Ebenso Gerd, Hans Jürgen u. Frau Heller. Ich schicke einige Bilder mit, die ich aber gern zurückhaben möchte. Sie wurden im April gemacht. vielleicht könnt ihr von Hellers Abzüge bekommen.- Wir befinden uns noch immer in derselben Steppe. Abends um 7 Uhr ist es bereits finstere Nacht. Es kühlt dann auch schnell ab. Morgens haben wir dann nur noch 1° C. Änne Benden, von der ich Euch früher erzählt habe, (Bremer Straßenbahn) ist längst wieder zu Hause in der Nähe von Aachen. Sie schreibt sehr fleißig u. schickt viele Päckchen. Vorgestern waren es sogar 11 Stück: Zigaretten, Bonbons, Schokolade + Kekse. Leider ist sie in der Orthografie nicht so sehr bewandert. Na, was soll ich machen, ich sage immer vielen Dank, schreibe wie es mir geht und habe ihr schon mehr als einmal klargemacht, daß eine Verlobung "leider" nicht in Betracht kommt. Sie weiß also über ihre Aussichten bescheid. Nichts desto trotz liebt sie mich scheinbar sehr. Das kommt aber wohl auch nur daher, weil sie mich nur oberflächlich kennt. Ich habe sie in Bremen in gute Lokale ausgeführt u. mich ganz spendabel dabei benommen. Na, ja, die Päckchen kann ich ja prima gebrauchen, u. warum sollte ich den Schriftverkehr abbrechen? Nach Aachen komme ich sowieso nicht, und mit der Zeit wird die Sache von selbst einschlafen.- Nach langer Pause schrieb mir auch Wiebke Rüder.- So, mehr weiß ich momentan nicht zu schreiben, außer, daß es mir gesundheitlich prima geht. Allerdings bin ich leider nicht mehr ganz ohne Läuse, muß ich gestehen. Kein Wunder, wenn man sich tagelang nicht waschen kann u. des nachts immer auf dem Erdboden liegt. Wenn man sie einmal hat, wird man sie auch kaum wieder los, solange wir in dem "Paradies" verweilen. Und nun grüßt bitte alle lieben Leute recht schön, vergeßt JMx auch nicht dabei u. Huntemanns u. Hellers und seid selbst am allermeisten gegrüßt von eurem Frontschwein Ekki.

285 Rußld., 31. August 1942.

Liebe Eltern + Geschwister!

Vor zwei Tagen bekam ich russ. Zigaretten v. 1.8. + die Briefe 275 (vom 5.7.!) u. 284, für die ich herzlich danke!
In den ersten Septembertagen werde ich wieder 140 Mark an Euch schicken. Die 90,-- Mark sind wohl inzwischen bei Euch, jedenfalls habe ich die Quittung bereits zurück, u. das ist ein Zeichen, daß die Truppe das Geld endlich bei einem Postamt losgeworden ist.

Ich möchte unbedingt auch im nächsten Jar einen kl. Taschenkalender haben. Wenn Ihr so etwas seht, dann denkt an mich!

vorige Woche ist der Ford V8 meines Fernsprechtrupps gefilmt worden von der P.K. u. zwar im Vorbeifahren. wir fuhren auf einem Kamm u. der Filmapparat stand unten. Es ist eine geschlossene Limousine. Hinten ein Metallkoffer angeschweißt, also nicht in üblicher Stromlinie auslaufend. Vorn fehlen die Seitenbleche der Motorhaube. Ich habe aus dem Wageninnern gesehen (sitze vorn) aber vielleicht war das Licht zu dunkel darinnen. Achtet man mal darauf, ob Ihr irgendwo so ein Fahrzeug seht!

Hat Karin schon den Füller von Gertrud Feddersen abgeholt? Ich lasse grüßen, besonders auch Günther, zum Schreiben leider keine Zeit.

Wir sind noch immer in der Steppe vor St´grad. Bei rostow haben wir nicht mitgewirkt, ich glaube, es war schon eingenommen, als wir ankamen. Aber St´grad ist noch weitaus schwerer zu nehmen. Jeder kleine Höhenzug der Steppe - große Strecken sind abgebrannt- ist befestigt. Unsere Stukas sind immer und immer im Gange, aber auch der Russe erfreut sich, uns aus der Luft anzugreifen. Meistens ja naur in der Nacht im Modenschein, eben waren sie aber auch da, die Pfeifenköppe!

Ansonsten alles beim alten. Zeitweise habe ich gelinde Zahnschmerzen. Heute habe ich meine Maskenbrille verloren; nun habe ich nur noch eine, nämlich die Dienstbrille, gen. Schießbrille. Gestern bin ich beim Fahren eingenickt. Wir waren schon den ganzen Tag seit 2 Uhr nachts unterwegs u. hatten auch vorher wenig geschclafen. Oblt. Kühne sah es zufällig und fluchte u. schimpfte gleich wie ein Mensch ohne Bildung. Doch es macht ja nichts u. ich hoffe, daß Du Dich nicht grämst (Mutti) u. eine bessere soldatenmutter als Frau Roggmann bist.

V. Birsing kenne ich leider nur ganz wenig. Me. Me. netter Mensch.

Der Verlauf von Vatis Geburtstag ist wirklich typisch. Ob da überhaupt noch mal anders wird?

Das Feuerzeug ist leider immer noch nicht da. Ich könnte es selbst gut gebrauchen. (1 Satz ausgelassen aus privaten Gründen. D. Hrg.).

Seit unserer Ruhr (Mitte Juli) bis jetzt habe ich noch keine Unterwäsche angezogen. Das Waschen geht allerdings schlecht. Am besten schnappt man sich eine Russin dazu.

Von Zulassungsmarken f. 100gr. ist bei unserer Truppe bisher keine Rede. Ich habe darüber schonmal berichtet?!

Im übrigen nichts neues im Osten. Die dauernde Schießerei und Knallerei läßt mich furchtbar kalt, während mancher dauernd zusammenzuckt. Nervös bin ich aber noch nicht.

Herzliche Grüße an Frau Heller, Huntemann u.s.w. JMx und gehabt Euch wohl!

Gruß und Kuß! Euer Ekki.S

286 Rußland, 3. Sept. 42.

Ihr Lieben!

Die Stadt, vor der wir liegen, wird nun bald in unserer Hand sein. Gestern Abend haben wir sie schon brennen sehen aus 20 km Entfernung. Ob wir allerdings noch in der Wolga werden baden können, scheint mir fraglichzu sein, denn seit drei Tagen ist es hier Herbst, ganz unverkennbar. Der bisher ausgesprochen warme Wind weht kühl, die Nächte sind kalt und wenn es regnet, ist es ganz ungemütlich. Glücklicherweise haben wir unseren geschlossenen Ford! Bis jetzt haben wir erst einen Regentag gehabt, u. ich hoffesehr, daß es bis zur Regenperiode noch einige Zeit dauert. Heute scheint die liebe Sonne. Sie ist mit einem Mal wieder zur "lieben Sonne" geworden, denn sie sticht u. brennt nicht mehr, sondern wärmt angenehm. Aber immerhinmußman sich schon warm anziehen. Im übrigen geht es mir gesundheitlich tadellos. Wir sind sehr oft im Einsatz, aber bitte keine Sorge, Unkraut vergeht ja nicht! Herzliche Grüße und Küsse! Euer Ekki.

288 Rußland, 7.9.42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Ich habe Eure lieben Briefe 290, 295 u. 296 zu bestätigen. Habt herzlichen Dank! Eure Reiseberichte habe ich mit Interesse gelesen und mich sehr gefreut, daß Ihr wenigstens etwas gehabt habt. Mjutti fragt, wie der Vormarsch möglich ist mit dem Tempo, in Hitze u. Staub. Ganz einfach, es denkt kein Mensch nach u. alle tun, was verlangt wird. Hier fehlt ja auch jeder Maßstab zum normalen Leben. Z.B. vergeht doch ein Tag wie der andere und vom Sontag ist naturgemäß auch nicht eine Minute etwas zu spüren. Neulich schrieb Mutti etwas vom Zubettbringen. Ich glaube, sie würde Augen machen, könnte sie mein "Bett" sehen: ein schmales Loch, möglichst einen Meter tief, so lang, daß ich mich gerade ausstrecken kann. so schmal, daß die Schultern eben hineinpassen. In dieses Deckungsloch, das in den harten Steppenboden mehr gehauen als gegraben wird, kommt zuunterst eine Zeltbahn. Zugedeckt wird sich mit zwei Mändeln, "und dann hat sich der Film". "Wenn es dann im Karton rasselt", also Bomben u. Granaten fliegen, kann man hoffen, daß die Splitter drüberwegsausen. Ah, mon Dieu, cést la guerre! Stalingrad ist eine von den ganz harten Nüssen. Wieso ist Major Dimcker tot? Bitte mein herzliches Beileid an Tante Mimi u. Kinder. Ist er krank gewesen? Die Sache ist ja ziemlich plötzlich. Es tut mir furchtbar leid!!- Gestern habe ich Rm 140,-- als Nr. 287 abgeschickt. Die Natronbestätigung müßt ihr lange haben. Nur das Feuerzeug ist noch nicht da .- Vati ist aus der Feuerkasse also wieder ausgestiegen. Ja, ja, das Kaufmännische ist doch mit vielerlei verbunden, woran man vorher garnicht denkt. Und nun beginnt die Schlepperei der "hochwichtigen Akten" retour von der Feuerkasse nach Hause. Wenn es hier nicht so staubig wäre, würde ich kurz mal hysterisch kichern!- Eben vernahm ich, daß gleich 1000gr Marken verteilt werden sollen. Wenn es zutrifft, lege ich sie also bei. Seit einigen Wochen habe ich Lt. Sternberg nur aus ziemlicher Entfernung gesehen - zuletzt gestern - aber nicht mit ihm gesprochen. Er ist ja nicht mehr Adjn, sondern wieder bei seiner Battr. u. leider war ich bei den Einsätzen woanders eingeteilt.

So, die Marke f. 1000gr hat es eben gegeben! Und nun herzliche Grüße u. alles Gute! Euer Ekki.

289 Rußland, 9. September 1942.

Ihr Lieben!

Ich habe zwar erst vorgestern per Luftpost geschrieben u. eine 1000gr.Marke beigelegt, aber Ihr wollt ja immer gern etwas hören. Doch was soll ich berichten, wo noch alles beim Alten ist u. ein Tag verläuft wie der andere. Also, ich habe mich heute gewaschen u. rasiert. Sehr erwähnenswert, weil man es sich höchstens alle 3-4 Tage leisten kann, obgleich man es des Drecks wegen alle Stunde tun möchte.- vorgestern haben wir uns Kartoffelpuffer gemacht. Als Reibe diente eine leere Fischdose, mit einem kleinen Meißel durchlöchert. In dieser Zeit müßte man in einer fruchtbaren Gegend liegen, wo es Äpfel, Tomaten, Kürbisse u.s.w. gibt, aber hier ist nichts los. Bis zur Wolga sind es wohl noch knapp 10 km, aber da müssen wir die Russenschweine erst verjagen. Die Schlacht um St´gr. hält weiter an.- Das Wetter hält sich zum Glück noch immer sehr gut, nur neulich hatten wir eine Regennacht. Es muß aber auch noch einige Zeit gut bleiben! Übrigens möchte ich wieder ein Rasierfix haben, denn ich breche jetzt das Letzte an u. bis das neue da ist, vergeht ein Vierteljahr!

Herzliche Grüße u. Küsse! Euer Ekki.

Mit Euren Nummern bin ich leider durcheinader gekommen. Ab jetzt hoffe ich wieder Schritthalten zu können. Manchmal bekam ich Briefe von Karin u. Roland, ohne Nummern. Mutti hat diese dann zwar in ihren nächsten Briefen genannt, aber ich hatte dann keine Zeit, alles nachzutragen. Jetzt habe ich mir eine Liste angefertigt u. hoffe, daß ich nicht wieder durcheinander geraten.

Mit deutschen Hitler und Heil Gruß E.

Ich kann im ganzen ca. 4 Sdg. nicht unterbringen, oder vielmehr vermisse ich sie. Vielleicht sind sie noch unterwegs oder in meiner Bürokratie untergegangen. Allerdings habe ich, soweit ich mich entsinnen kann, alles Erhaltene auch bestätigt, also müßt Ihr ja wissen, was alles bei mir angekommen ist. - Wenn man darüber hinwegsieht, -u. manches ist vielleicht noch unterwegs von den alten Nummern - so habe ich bis heute alles einschließlich 296, den ich auch schon in einem Brief bestätigt habe.

Heil + Sieg u. fette Bäuche, äh- Beute!

290 Rußland, 13. September 1942.

Ihr Lieben!

Heute bekam ich von Euch vier Briefe: 297, 303 u. Karins Briefe v. 23. u. 26.8., die unerhörter Weise im Fröbelseminar entstehen und wohl aus diesem kühlen Grunde keine Nr. abbekommen haben. Aber nichts desto weniger herzlichen Dank, ebenfalls für den kleinen Metalspiegel, den Taschenkamm, Nagelreiniger u. Staubkamm. "Alles in 20 Briefumschlägen!" Letztern aus Holz habe ich bereits in Groß Hehlen auf rätselhafte Weise verloren. Nun brauche ich nicht mehr ungekämmt herumlaufen und kann auch die Trauerränder meiner Fingernägel erfolgreich bekämpfen. In vier Tagen kommt Hans Jürger auf Urlaub. Wird das eine Freude im Hause Heller werden! Gewiß wird er auch Euch mal besuchen. Soviel ich weiß, ist Erich Roggmann beim schweren Werfer Rgt1 (ich bei 2!). Allerdings sind die immer soweit vorn, daß man fast Vorausabteilung dazu sagen könnte. So wird es zusammenhängen. Ich glaube kaum, daß er wirklich bei einer regulären Vorausabteilung ist. Jedenfalls Glückwunsch zur Beförderung und Kommandierung auf einen OA Lehrgang! Wenn ich Lt. Bubi Deinen vorschlag machen würde, würde er sich gewiß dreimal überschlagen. Ich rechne nicht mehr damit, zu einem OA Lehrg. geschickt zu werden u. verzichte großmütig auf solche "Ehren", wenn man sich dermaßen damit ziert. Hinterhergelaufen bin ich jetzt genug.- Heißen Dank für das "tolle" Briefpapier. Ich wollte Euch schon darauf schreiben, befürchte aber, daß es mehr als 10 gr wiegt. Wenn ich bis zu einer "netteren Gelegenheit" warte, ist es inzwischen dreckig.

Für die Grüße von Frau Steffen herzlichen Dank und dasselbe retour. Ebenso herzliche Grüße an Huntemanns. Von Elke bekam ich eben Ill. Ztg. ich werde also gleich ein paar Zeilen schreiben auf dem "tollen" Briefpapier für die besonderen Gelegenheiten natürlich.!- Was soll ich von mir berichten? Von unserem Gefechtsstand können wir die vorstädte sehen und es ist schwierig, in die Stadt einzudringen. Das Schlachtfeld, auf dem wir uns befinden, ist noch nicht gesäubert. I gitt i gitt! Im übrigen rege Kampftätigkeit, aber alles ziemlich ungefährlich. Wir trösten uns mit Redensarten wie:"Man scheint sich des Lebens nicht mehr sicher sein zu können" und "die schießen solange, bis mal jemandem was passiert". Doch es wird schon alles gut gehen, wenn es auch manchmal mulmige Situationen gibt. Herzliche Grüße und Küsse! Euer Ekki.

291 Rußland, 15. Sept. 42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Am 13. d.M. bekam ich Karins (unleserlich)-Bilderbuch, einen Brief von Roland vom 22.8. ohne Nr. und Muttis Brief 302, u. etliche HF´s. Für alles meinen herzlichsten Dank!

Ich glaube, Roland muß mal einen Pieps im NRV (Norddeutscher Regatta Verein, d. Hrg. )verlauten lassen, daß er nicht mehr zu kommen gedenkt.

Allmählich wird es kalt in Rußland.

Ich habe 279 u. 279a bekommen, also beide Fußlappen.

Sage Frau Huntemann *(Ergänzung siehe unten. D. Hrg.) mir recht herzlichen Dank für die Sachen, aber das hast du ja schon. Na, wenn sie ankommen, werde ich selbst schreiben. Sicher hat sie gefürchtet, es würde Dir irgendwie nahe gehen, daß Erichs R. schon wieder in Deutschland ist. Sein Rgt kam im Februar d.J. zur Krim. Er hat es ja nun geschafft. Na, ich gönne es ihm von Herzen. Bei uns sind auch EK`s zur Verteilung gekommen. Wenn man das so beobachtet, kann man die Achtung vor dieser Auszeichnung verlieren. Gewiß ist das nicht immer und nicht überall so, aber wie gesagt, wenn man in einigen Fällen erlebt, daß das EK an die verkehrte Brust geheftet wird, dann ist es mit dem Nimbus vorbei. Damit will ich garnicht sagen, daß ich selbst eines hätte haben wollen, ich war überhaupt verwundert, als die Dinger bei uns eintrudelten, weil ich mir immer eingebildet hatte, dafür müsse man noch ganz andere Leistungen vollbringen.

Gestern Abend sind wir von der kämpfenden Linie zu unserem Troß zurückgefahren, denn unsere Muni ist verschossen. Doch ich denke, daß demnächst wieder etwas kommt. Unsere Verluste sind nicht gerade hoch, aber es summt sich mit der Zeit ganz gut zusammen. Aber darum bitte keine Befürchtungen, ich bin sehr zuversichtlich u. hoffe dasselbe von Euch!

Mit herzlichen Grüßen und Küssen bin ich stets Euer Ekki.

Es trifft ja immer nur den einen oder den anderen, das Gros bleibt ja doch verschont. Ich möchte aber doch mal wissen, ob Mutti so unvernünftig ist, und sich grämt?!

* Ich weiß garnicht, womit ich eigentlich dieses überaus große Wohlwollen von ihr verdient habe. Sie schätzt mich wohl viel zu hoch ein. Jedenfalls grüßt H´manns recht herzlich!!!

292 Rußland, 18. Sept. 42. (Bleistiftanmerkung:) Heute vor 3 Jahren hat Vati ja den Dr. gemacht! Und am 30. wohnen wir 7 Jahre in der Gryphiusstr., bald ebenso lange im Krieg wie im Frieden!

Ihr Lieben!

Gestern bekam ich eine Menge Post von Euch, für die ich herzlich Dank sage! Im Einzelnen handelt es sich um etliche HFs (Hamburger Fremdenblatt, d. Hrg.) deren Roman ich im Ausschnitt gelesen habe. Fortlaufend geht es nicht, weil die Zeitungen sich überholen u. ich ältere Numern manchmal später bekommen. Sodann die Päckchen 298, 299, 300 u. 301 mit den dazugehörigen Briefen. Nun habe ich also die plutokratische Seifendose, den Kamm, das Haaröl, den Klappspiegel, das Taschenmesser u. Spalttabletten. die Dinge sind ja alle äußerst (unleserlich) und gefallen mir gut. Also nochmals herzlichen Dank an Frau Huntemann. Heute bekam ich gerade einen Brief von Hermann. In der Antwort werde ich mich auch nochmal bedanken, aber er ist in diesem Punkt etwas unzuverlässsig u. ich weiß nicht, ob das seine Mutter wirklich erreicht.- Wiebke Rüder schrieb mir auch. Sie muß fleißig üben, weil sie im Okt. + Nov. zwei Konzerte hat. Ihr Vater ist noch in Oldenburg auf dem dortigen Wehrbezirkskommando. Das ist so die richtige Kugel, finde ich. Hans Jürgen schrieb mir von der Möglichkeit, daß er ein Paket für mich von seinem Urlaub mit nach Smolensk nimmt, und es mir von dort schickt, ohne Zulassungsmarke. Er wird Euch gewiß besuchen, dann könnt Ihr es ja besprechen. Sodann habe ich noch eine Karte u. einen Brief von Karin vom 3.9. u. 29.8. zu bestätigen.- Die Sache mit dem Kaukasus ist doch veraltet. Früher sollte es mal dahin gehen und dann sind wir auf halbem Wege abgebogen (unleserlich) St´gr., wo wir noch immer sind. Lt. Sternberg habe ich einige Tage nicht gesehen, doch ich glaubenicht, daß er sich allein aufgemacht hat!

Herzliche Grüße!
Euer Ekki.

293 Rußland, 19. Sept. 42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gestern, kurz nachdem ich den Brief 292 abgeschickt hatte, gab es wieder Post, u. zwar von Euch 304, 305, 307, 309 und etliche HF`s. Das waren also zwei Kekspackungen (oh!), dieses Schreibpapier und ein Reclamheft. Mit Freuden habe ich vernommen, daß eine (Zeichnung: qualmende Pfeife) Piepe an mich unterwegs ist, denn wir haben des öfteren Tabak bekommen, z.T. auch russischen. Mutti stellt mir ja einen Freibrief aus, ich solle nur immer tüchtig draufloswünschen. so etwas hört man ja gern! Dann versucht doch mal eine Tinktur oder Flüssigkeit zu bekommen, mit der man Läuse verjagen kann. Es muß wahrscheinlich irgendetwas übelu. stark Riechendes sein?! Vielleicht könnt Ihr mal Herrn Brabänder um Rat fragen.

Nicht 25 km, sondern noch etwas näher daran inzwischen! Gestern bekam ich von Elke eine Berliner u. Hamburger. Karin wird gebeten, in meinem Namen herzl. Dank zu sagen. Aber nicht vergessen, sie scheint in letzter Zeit recht "flusig" zu sein, von wegen kein Brief mehr mit Nummer. Und da soll ich mich dann durchfinden!

Pfeife u. Fußlappen sind also noch unterwegs und werden gewiß mit der nächsten Post eintrudeln.

Ja, mit dem Durchmarsch war das denn wohl so: wir haben bei unserer "eisernen Portion" u.a. auch 200 gr. stark kakaohaltige Schokolade, Marke Hildebrand. Diese habe ich kalt lächelnd gegessen und da war ich denn wohl wieder gesund!

Solange ich Euch keine Luftpostmarken schicke habe ich ja immer 4 Stück pro Monat , die ich natürlich nur für Briefe an Euch verwende. Die beiden Marken für die zweite Hälfte September müssen auch in den nächsten Tagen kommen, dann werden diese Briefe vielleicht noch wieder überholt werden.

Herzliche Grüße u. Küsse!
Ekki.

294 Rußland, 22. Sept. 42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Ich habe nicht viel zu berichten, aber gleich geht die Post ab und da sollt Ihr wenigstens ein paar Zeilen haben. Wir liegen noch immer auf dem selben Platz vor der großen Wolgastadt, in der so heftige Kämpfe toben. Ein Tag vergeht wie der andere, man kennt schon nichts anderes mehr als öde Steppe! In der letzten Nacht hatte wir Frost. Mit dem Regen war es bisher noch nicht so schlimm, wir haben bisher nur stundenweise Regen gehabt und danach wieder ganz trockene Tage.

Gestern hatte ich eine längere Unterredung mit Oblt. Kühne, anläßlich einer Zigarre, die er mir verpasste, wegen einer Sache, die auf seine Dusseligkeit zurückzuführen war. Ich war nur der Blitzableiter dafür. Alles im Einzelnen zu schildern führt zu weit. Jedenfalls verlangt er von mir, dem Gefr.., daß ich in meiner Eigenschaft als Fernsprechtruppführer dieselbe Autorität habe, wie ein guter Uffz., ehe das nicht erreicht sei, käme eine Beförderung nicht in Frage. Wenn meine Kameraden, oder vielmehr "Untergebenen", auch Gefreite, nicht aufs wort hören, soll ich sie melden, dann werden sie von ihm bestraft. Mit anderen Worten, ich soll sie "anscheißen", im Dienst "Sie" sagen und hinterher wieder kameradschaftlich mit ihnen zusammensein. Unmöglicher Zustand! Zudem muß ich im übrigen doch jeden dienst machen wie alle anderen u. werde dabei von anderen Uffz. behandelt, wie jeder Mann. Wie soll man sich da Autorität wahren. ich würde im umgekehrten Fall vielleicht auch widerspenstig sein. Und wenn ich so dumm wäre, meine "Untergebenen" zu melden, würde ich nur mir selbst Leben unerträglich machen. Kommt aber nicht in die Tüte. Außerdem regnet es bei anderen mit auszeichnungen wie EK`s u. Beförderungen, nur an meiner Wenigkeit geht das haarscharf vorbei, obgleich ich auch fast jeden Einsatz als Truppführer mitgemacht habe. Ja, es werden sogar Leute vom Troß, die noch garnicht mit nach vorne waren u. es auch nicht brauchen, vorzeitig befördert. Ich warte noch einige Zeit ab, und werde dann um meine Verstzung bitten. Der Bursche will mich ja für dumm verkaufen! Ich schreibe es nur, weil es das einzige ist, was vorfiel. Denkt nicht, daß es mich in irgendeiner Weise aufregt oder ärgert. Der Kommis ist für mich ja sowieso eine zeitlich begrenzte Angelegenheit, u. wenn ich avancieren will, so nur, um angenehmer u. ruhiger leben zu können, und nicht stets den Widerwärtigkeiten des kleinen Soldaten ausgesetzt zu sein. Eine Versetzung würde allerhand Unbequemlichkeiten mitbringen, z.B. FPNr._Wechsel u.s.w., daher habe ich noch nicht darum gebeten.

Im übrigen geht es mir gut, was ich auch von Euch sehr hoffe. Seid herzlichst gegrüßt und geküßt von Eurem Ekki!

Vermerk auf dem Umschlag als Hinweis für die Beantwortung:"Ekki soll da ja bleiben! Vati. 30.9."

295 Rußland, 27. Sept. 42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Fast eine Woche habe ich Euch nicht mehr geschrieben, da wird es aber wieder Zeit! Es hat sich nichts von Bedeutung ereignet, seit meinem letzten Brief. Wir liegen noch auf demselben Platz, haben natürlich das übliche Fernsprechnetz und ich also meine Arbeit an der Vermittlung. Inzwischen haben wir uns einen Bunker gebaut, aus dem ich Euch heute Abend schreibe. Der Klappenschrank neben mir ist in die Wand eingelassen u. alle naslang rasselt das Biest. Eben rief Lt. Sternberg an. Er kommt morgen früh in ein Lazarett, weil er die Gelbsucht hat. Wie mir das Leid tut. Ich habe ja in der letzten Zeit fast nichts mehr mit ihm zu tun gehabt - leider! - aber ich habe mich immer gefreut, wenn ich ihn in der Ferne sah oder hörte. Einige Tage ist er nun schon krank. Ich sagte ihm, er möge nur Hamburg grüßen, doch er meint, daß er mit der Gelbsucht nicht so weit kommt, obgleich er Hmb auch gern mal wiedersehen möchte. Na, vielleicht schafft er es doch als Offz. Ihm gönne ich es wie keinem zweiten. So einer wird krank, und die Leute, die man gern loswerden möchte, bleiben da.

Zurück zu unserem Bunker. Belegt ist er mit 4 Mann, meinem Trupp. Ein Loch in der Erde, so groß, daß vier Mann gut u. "bequem" darin liegen können und so tief, daß man gut sitzen kann - ohne Stuhl natürlich!- also ca. 1,40 m. Ein schmaler Eingang, vor dem eine Zeltbahn hängt. Das ganze ist mit Brettern u. Balken überdeckt und darauf liegt die ausgegrabene Erde. Beleuchtetwird der Raum von Kerzenlicht, versteht sich, daß wir kein elektr. Licht haben. Aus einem bereits eroberten Teil der Stadt, die wir belagern, haben wir ein vorzügliches Klavier besorgt. Und der Zufall will, daß wir einen Berufspianisten in der Batterie haben, der alle gewünschten Melodien hervorzaubert. Leider steht das Instrument im Freien, nachts kalt, tags warm also. Hoffentlich ist das Klavier noch so lange zu gebrauchen, wie wir hierbleiben. Bei einem Stellungswechsel lassen wir es sowieso mitten in der Steppe stehen .-. und die nächsten fragen: "Wie kommt Kuhscheiß auf`s Dach?" - Seit einer Woche haben wir keine Post mehr bekommen, doch in den nächsten Tagen soll wieder etwas komen. Da wird hoffentlich meine Pfeife bei sein. Gestern u. heute habe ich Wäsche gekocht u. gewaschen, Wollsachen gewaschen, genäht und gestopft und alle Taschen und Nähte ausgebürstet, ganz wie die Mutti es zu Hause immer so brav macht! So, und nun good bye und gute Nacht und träumt süß von Eurem Ekki, der dasselbe tut!

Gute Nacht! Ekki.
Ich glaube bestimmt, daß Heiner Sternberg in Hmb auftaucht, Gelbsucht dauert zu lange!

Ausschnitt aus Zeitung (Quelle und Datum unklar, möglicherweise Hamburger Fremdenblatt): "Der Führer hat Generalmajor Ferdinand Heim, Kommandeur einer Panzer-Division ...das Rittterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen." Der Name Ferdinand Heim ist unterstrichen. Daneben die Anmerkung von Ekkehard Johler:"Zu dessen Panzer-Div. gehören wir!"
Generalmajor Ferdinand Heim war seit 1 Juli 1942: Commander of the 14th Panzer Division in Russia (Quelle: http://www.specialcamp11.fsnet.co.uk/Generalleutnant%20Ferdinand%20Heim.htm, rev. 27.9.2003. Alle Kommandeure im Überblick: "Generalleutnant Ferdinand Heim (1 July 1942 - 1 Nov 1942) Generalleutnant Hans Freiherr von Falkenstein (1 Nov 1942 - 16 Nov 1942) Generalleutnant Johannes Bäßler (16 Nov 1942 - 26 Nov 1942) Generalmajor Martin Lattmann (26 Nov 1942 - 31 Jan 1943) Quelle: http://www.skalman.nu/third-reich/heer-panzer-div-14.htm rev. 27.9.2003.

296 Rußland, 28. Sept. 42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Heute schicke ich Euch wieder eine Zulassungsmarke für 1000gr. mit. Wenn es Euch schwer wird, ein solches Päckchen zu füllen, so gebt sie doch einfach Margarethe Hebbeln. Für sie ist es doch viel leichter u. ich glaube nicht, daß es für sie verboten ist, ein Freßpaket an die Front zu schicken.

Gestern Abend habe ich Euch ausführlicher geschrieben. Vermutlich wird aber dieser Brief eher arrivieren. Heute früh habe ich nochmal persönlich mit Lt. Sternberg gesprochen, bevor er wegen der Gelbsucht ins Lazarett fuhr. Kurz vorher hatte er mit Oblt. Kühne gesprochen, der ihm sagte, daß ich selbst behauptet hätte, ich könne mich nicht durchsetzen. So eine Schweinerei! Lt. St. stellte mich deswegen auch zur Rede u. ich erklärte ihm, daß ich zu Oblt. K. nur gesagt habe, welchen Schwierigkeiten ich begegne in puncto Widerrede etc., weil ich den gleichen Dienstrang bekleide. Er verstand natürlich sofort u. sagte, wenn er in vier Wochen zurückkehre, hoffe er, mich schon einen Schritt weiter zu sehen. Das war doch eine glatte Verleumdung, oder nicht? Durchgesetzt habe ich ja noch alles, nur eben etwas schwieriger, weil mir der Rücken nicht gestärkt wird. Alles Gerede ist ja sinnlos, wenn der Kühne nicht will, was er nun schon oft bewiesen hat. Wenn das ganze auch bedauerlich ist und ich heute schon viel weiter sein könnte, so betone ich doch immer wieder, daß dieses der letzte Punkt wäre, weswegen ich aus dem Gleichgewicht geraten könnte!

Und nun hiel u. Sieg u. fette Bäuche (aber woher...?)

Herzlichst! Ekki.

297 Rußld., 30. Sept. 42. (erhalten 20. Okt. 42, notiert von Ekkehards Mutter)

Liebe Eltern + Geschwister!

Gestern erhielt ich Euren lieben Brief 311 v. 6.9. und eine Karte von Karin (Nr.???) v. 10.9.

Wir liegen noch immer an derselben Stelle, doch eben kam der Befehl, daß morgen früh ein Stellungswechsel gemacht werden soll. Ich vermute, wir kommen etwas zurück, vielleicht in einen Ort, damit wir wenigstens Häuser haben. Na, abtrinken und Tee warten.

Zwischen den beiden einsätzenwar der Wagen heil, aber im entscheidneden Moment ging er kaputt, weil nur Flickarbeit gemacht worden war. Nun habe (ich, d.Hrg.) einen ganz anderen Wagen, einen Stoewer, der ziemlich neu ist.- (Gebrnder Stoewer, Fabrik fnr Motorfahrzeuge und Fahrradbestandteile, Stettin, d. Hrg.) Die Schirmhülle soll aufbewahrt werden bis zum nächsten Urlaub, ich nehme sie dann mit. Ich will sie nämlich über mein Gewehr stülpen gegen Staub u. Nässe. Wenn der Kolben nicht hineinpasst, so macht das nichts. Also gut aufheben.

Herzl. Gruß an den Schifszimmermann der "Sinnheim", wenn Ihr den Gruß noch loswerden könnt. Ebenso herzl. Grüße an Onkel Ingo! und Familie natürlich!

Die beiden Reclamhefte 309 + 310 sind noch nicht da. Das Feuerzeug 271 ist auch nicht angekommen. Wenn Ihr nochmal eines loshetzen könnt, wäre ich nicht abgeneigt, es anzu nehmen. Gnädig, was?

Brf. 275 habe ich am 29.8. bekomen. 276 dagegen habe ich nicht erhalten. Nr. 283 bekam ich am 24.8. mit zwei Täfelchen Schokolade. Nr. 284 kam am 29.8.

Mit Wassermelonen ist es Scheiße hier in der Steppe!

Ich lege zwei Fotos bei von unserer Fernsprech-Clique. Sie wurden in der Nähe von Groß-Hehlen aufgenommen, ziemlich kurz vor unserer Abfahrt. Ich bekam die Bilder erst gestern.

Außerdem zwei Fotos von einem Betriebsausflug der MTG, die mit einem Bericht gestern kamen. Nur so, Ihr könnt sie ja gelegentlich wieder retour schicken.

Herzliche Grüße!
Euer Ekki.

298 Im Bunker, 2.X.42

Ihr Lieben!

Vorgestern hat unsere Abteilung Stellungswechsel gemacht. Einige zig km weiter, aber doch in derselben öden Gegend, ohne Haus, Baum, Strauch, Fluß, Vogel oder sonst etwas. Ich bin mit meinem Trupp als Nachkommando zurückgeblieben, um das Holz, daß wir aus den Bunkern wieder herausgerissen haben, zu bewachen, bis es restlos zu der neuen Stellung nachgeholt worden ist, denn dort gibt es solches ebenso wenig wie hier, und wir müßten sonst neues aus Stalingrad organisieren. Außerdem hatten wir vier Hammel u. eine Sau zu bewachen, die heute schon nachgeholt wurden. Die viecher haben wir organisiert, aber einige hundert km transportieren müssen, weil es in der näheren Umgebung dergleichen nicht gibt. Dann steht hiern noch unser Klavier einsam u. verlassenauf weiter Flur. Wir haben es ebenfalls aus St`gr. geholt. Leider kann ich ja nicht spielen, aber wir haben einen ehemaligen Berufsmusiker in der Batterie. Ein Unsoldat ersten Ranges, bei den Vorgesetzten deswegen unbeliebt. Er sollte eigentlich schon abgeschoben -versetzt- werden, doch wo man nun seine Talente entdeckt hat, wird er erstmal gehalten. Typisch!- Von Großmutter, der Guten, bekam ich bereits gestern den Geburtstagsbrief und 20 Zigaretten. Wo sie die nur aufgetrieben hat, da man Frauen über 55 Jahren doch die Raucherkarte genommen hat. Ich habe mich sehr zu ihrem Brief gefreut u. will ihr bald antworten.- Von Hellers bekam ich ebenfalls Zig. geschenkt, allerdings ohne Schreib dabei.- Achos, Eure Post habe ich ja noch garnicht erwähnt: Päckchen 308 mit der Pipe (sehr gut, Roli!) und das Reclamheft 310. Demnach ist noch ein Drittes unterwegs, von dem ich bisher weiß. Wenn ich sie durchgelesen habe, schicke ich sie ans Hans Jürgen weiter. Er macht es mit seinen auch so. Die beiden bis jetzt erhaltenen Recl.Hefte habe mir gut gefallen. Schickt mir nur immer wieder welche. Man liest sie leider nur zu schnell durch! Das Lesen hilft, die erdrückende Verlorenheit der Steppe auf einige Zeit zu vergessen. Es brauchen nicht immer Prosatexte zu sein. Ihr könt auch mal ein paar Theatertexte schicken (Oper, Drama, Lustspiel u.s.w.) ich kann ja auch mal was für die Büldung tun! Auch andere Feldpostausgaben sind sehr erwünscht, allerdings halte ich Reclam für das finanziell Günstigste.

Innige Grüße und Küsse sendet Euch Euer Ekki.

299 Rußland, 5. Okt. 42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Am 3.10. bekam ich etliche HF´s, 1 Ill. Ztg, die Briefe 306 Fußlappen! u. 312 u. eine Karte v. Karin vom 13.9. Für ales herzlichen Dank!

Es gibt ja nun zwei 1000gr. Marken im Monat. Daher kann ich heute schon wieder zwei, die III. u. IV., beilegen. Macht Euch keine Sorgen, was Ihr in die Päckchen tun sollt. Es brauchen nicht immer Freßpakete sein und außerdem könnt Ihr sie ja Margarethe Hebbeln schicken. Sie wird schon so gut sein, u. etwas vernünftiges schicken. Packt nur ja kein Päckchen mit Dingen, die Ihr dringend selbst gebraucht. So schlecht daß das notwendig wäre, geht es mir nicht! Wenn ich dagegen das Foto von dem armen halbverhungerten Vati sehe, so muß ich mir doch ernste Sorgen um Euch machen! Und mit dem Fahrrad saust er durch die Gegend; das ist wirklich toll u. das letzte, was ich für möglich gehalten hätte. Er soll sich doch um Himmels Willen mehr schonen!! - In der Wochenschau habt ihr mich also tatsächlich entdecken können. Tadellos! Ob man nicht so ein Bild irgendwie bekommen kann? Mutti müßte mal den alten Kinofritzen in der Alsterdorferstr. fragen, ob die Möglichkeit besteht.

Inzwischen sind auch wir, das Nachkommando, in der neuen Stellung eingetroffen u. haben bereits einen neuen Bunker ausgeschachtet und überdeckt. Dieses Mal so groß u. tief, das man stehen u. auch drei Schritte tun kann. Jawohl, Herr Oberpolier! Die Hände zerrissen u. voller Splitter, aber ein Dach über dem Kopf.

Gestern, am Sonntagmorgen, war ich mit einem kleinen Kommando in Stalingrad, um Holz zu besorgen. Verheerungen, Verwüstungen, Flüchtlinge u.s.w. So schnell kann man es garnicht schildern, wie doll es aussieht. Aber auch in erhaltenen Gebäuden (Mietskasernen) bin ich gewesen. Lange schmale Flure, von denen lauter Türen abgehen: ein Zimmer, 3 Betten, eine Kautsch, Tisch, Stühle, Schrank od. Kommode. Eine Wohnung für eine Familie. An den Wänden verschiedenartige Bilder der sowjetischen Machthaber und überall ein Lautsprecher, also kein Radio. Es konnte nur der von einer Zentrale angestellte Sender gehört werden. In jeder Etage einige Gemeinschaftsküchen.

Ich danke für das seltene Vergnügen, von Vati selbst einige Zeilen bekommen zu haben. Leider haben wir inzwischen wieder einen anderen Wagen bekommen. Ich würde mich zu den Predigten sehr freuen, aber es muß ohne am Schreibtisch durchwachte Nächte gehen. Wann wird denn der Unsinn einmal aufhören? Wirklich unerhört!!!

Herzliche Grüße und Küsse Euer Ekki

300 Im Gefecht, 7. Okt.42

Liebe Eltern u. Geschwister!

Heute erhielt ich herzlich dankend Muttis Brief 313 v. 15.v. M. Hans Jürgen hat also tatsächlich Urlaub bekommen. Von ihm selbst habe ich noch keine Post aus Hmb. Er hat gewiß zu viel vor, und schreiben kann er ja auch von Smolensk aus. Ich würde die kostbare zeit auch nicht damit vergeuden.

Wir sind im Norden der Stadt, in dem sich die Ruskis besonders festgebissen haben, schwer am Wirken. Wie es hier aussieht! Der Versuch, alles zu schildern, wäre ein müßiges Beginnen. Nichts ist heil, alles zerschossen oder niedergebrannt. vieles schwelt noch u. oft steht ein Haus in hellen Flammen u. sieht aus, wie eine Riesenfackel. Die meisten Zivilisten sind geflohen, wie es ihnen von dt. Seite befohlen wurde. Doch viele hocken trotzdem in Bunkern, die sie in ihren Gärten gebaut haben. Wir schmeißen sie raus u. kriechen selbst hinein. Das gibt oft schreckliche Szenen, doch wir müssen da hart bleiben u. die Zivilisten in rückwärtige Linien schicken.

Die Läuse sind ekelhaft, besonders wenn, wie in diesen Tagen, keine Zeit ist, sie aus dem Zeug zu suchen. Sie nehmen schnell zu und es juckt ganz widerlich! Darum sehe ich auch schwarz für das Lammfell, falls Du es abgeschickt hast, denn das ist ja die ideale Brutstelle für die Bieset u. daraus bekomme ich sie nie wieder weg! Falls ihr ein Gegenmittel finden solltet, schickt es immer wieder in rauhen Mengen! Es wird um 5h dunkel und nachts sind einige Grade Frost, aber in den Bunkern ist es auszuhalten. Roli wünsche ich viel Vergnügen bei Wendt! Er soll ihn wiedergrüßen od. vielmehr empfehlen, denn der Mann sieht ja auf die vornehme Art! JMx schreiben? Wie soll ich denn hier einen vernünftigen Brief zusammenbringen? Und ob es wirklich angenehm ist?

Sage Großmutter, ich schreibe bald, aber doch noch nicht in den nächsten Tagen. Zwei Nächte habe ich kein Auge zugedrückt und war fast immer auf den Beinen. Jetzt willich endlich schlafen. Es sind noch etliche Briefe zu beantworten, doch das kommt erst, wenn wir wieder beim Troß sind u. ich einige Nächte durchgeschlafen habe. Nur der Brief nach Hause ist mir immer eine Pflicht, die ich erfülle, wenn es nur irgend geht. Die anderen müssen warten.

Gute Nacht! Euer Ekki!


301 = 70,00 R.M. Geldsendung

302 Rußland, 10.10.42

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gestern sind wir aus dem Einsatz in den Troßraum zurückgekehrt und kurz darauf gab es Post! Rolin Brf. 314 vom 18.9. und einen Brief von Karin v. 21 9. Das gnädige Fräulein pflegt ja nicht zu nummerieren. Allerdings steht hinten auf dem Couvert eine große rote Zahl "323". Ich werde es provisorisch als die Nr. der Sdg. betrachten, aber demnach müßten in drei Tagen mindestens 9 Sendungen abgeschickt worden sein, und das scheint mir unwahrscheinlich zu sein. - Ganz nett, daß Roli sich mit Bekannten in einem Kursus bei Wendt (Tanzschule, d. Hrg.) trifft. Das ist gewiß noch angenehmer, als wenn es nur Freunde sind. Dann vergeht zu viel Zeit, erst alle richtig kennenzulernen. Ich mag diese übertriebenen Dandy-Typen auch schon lange nicht mehr!- Um 5h ist es hier bereits dunkel und manche Nacht hatten wir schon gelinden Frost. Doch in unseren Bunkern merkt man noch nichts davon. Für den richtigen Winter müßten wir natürlich noch ganz andere Bunker bauen.

Gnädiges Fräulein waren in Kiel u. haben dort einen Lt. (wie ich vermute, denn wie sollte es etwa ein kleiner Gefreiter sein?!) der auf den Namen Erhard hört besucht und sich tadellos amüsiert. Na, jedem Tierchen sein Pläsierchen! Peter Meyer kenne ich, glaube ich, auch. Dann grüße Dein HildchenDreyer wieder von mir, aber schreiben kann ich ihr nicht! Von Gerd u. Hans Jürgen habe ich auch Post.

Herzliche Grüße! Euer Ekki.

303 Rußld., 13. Okt. 42

Liebe Eltern u. Geschwister!

Als Nr. 301 habe ich am 9.10. RM 70,-- abgeschickt.- Durch die Friesenkuchenpäckchen seid Ihr also so schnell zu hohen Nummern gekommen (ich hatte ja die Richtigkeit der Nr. 323 von Karin angezweifelt in meinem letzten Brief).

Heute empfing ich außer HF`s Eure Briefe 322 u. 324 mit 12 Couverts u. etlichen Feldpostbriefen. Ich kann sie immer gut gebrauchen, denn es ist ja zu peinlich, wenn man mit Briefpapier zu knapp ist. Bald nach Muttis Pleite auf dem Postamt mit ihren 7 Päckchen muß ja mein Luftbrief mit der ersten 1000gr Marke eingetroffen sein. Das wird die Sache ja gleich klären! Ihr müßt mir dann nur mal angeben, welche Nr. annulliert worden sindvon den Friesenkuchenpäckchen. Außerdem hatte ich Post von Wiebke Rüder u. Hermann Huntemann. Er schreib mir auch, daßer wohl bald fortkäme. Aber wie oft habe ich es damals in meiner Kasernenzeit gedacht u. immer war es noch nicht so weit! Wißt Ihr noch?- Am 29. Nov. hat Elke Huntemann ja Geburtstag. Im Sommer hatte sie mir mal ein kl. Foto von sich geschickt. Nun wollte ich ihr eines der Bremer Fotos (s.o., d. Hrg.) schenken, wenn noch eines da ist. Es müßte dann auf der ausziehbaren Schreibplatte des Sekretärs liegen unter dem grünen Briefbeschwerer, den Tante Inge mir mal aus Ägypten mitgebracht hat. Jedenfalls meine ich, daß ich dort noch ein Exemplar habe liegen lassen. von hier aus kann ich das ja nicht mehr machen. Ihr müßtet es also arrangieren, wenn Ihr überhaupt meint, daß es angebracht u. nicht zu aufdringlich sei. Sonst laßt es lieber. Einen kleinen Geburtstagsbrief werde ich jedenfalls schrieben. Ich danke recht herzlich u. erwidere ebenso die Grüße von Frau Huntemann.- Übrigens könnte ich einen dünnen kl. Schal gebrauchen, ca. 60 cm lang, in weißer oder sonst in unauffälliger Farbe (nicht rot oder gelb!) weiß ist unpraktisch, am besten wohl eine dunklere Farbe. Es darf nach einigen Wochen auch mal ein zweiter sein, so ähnlich wie mit Fußlappen. Ein Schal ist in Rußland erlaubt zu tragen und fast jeder Landser hat einen. In den Kragenbinden setzen die Läuse sich so fest u. sind schwer wegzukriegen. Mit Freuden habe ich vernommen, daß ein Mittel gegen Läuse bereits unterwegs ist. Man immer mehr ran! Aber Ihr braucht Euch doch nicht so viel Kummer machen, weil Ihr in Schulau nicht zu dem Kartengruß gekommen seid! Ich betrachte ihn als geschrieben u. empfangen und lasse herzlichst wiedergrüßen!- Mit dem Licht hat es sich gebessert. Die Stabsbatterie hat ein kleines Aggregat u. wir sind mit unserem Bunker angeschlossen. Aus Stalingrad haben wir uns eine elektr. Birne besorgt.-

Und nun herzliche Grüße, bitte auch an Hellers und macht Euch keine unötigen Sorgen! Euer Ekki.

P.S. Im ganzen habe ich bis jetzt 4 (I-IV) 1000 gr Marken per Luftpost an Euch geschickt.

Nr. 304 Rußld., 21.10. 42. (erhalten 5. Nov.,Versand per Luftfeldpost, d. Hrg.) - Liebe Eltern und Geschwister! Seit dem 13. ds. Monats sind wir im Einsatz in jener bewußten Stadt (Dies ist eine Postkarte, d. Hrg.). Ich komme daher nicht zum Schreiben u. will Euch nur mal eine kurze Nachricht schicken. Dazu langt es eben. Ob meine Nr. 304 richtig ist, weiß ich nicht. Wenn nicht berichtige ich es später, wenn ich mein Postbuch wieder zu fassen habe. Am 18. ds. erhielt ich von Euch: Päckchen 315, 316, 317, 325, Brf. 327 u. eine karte aus Lübeck v. 29.9.! u. 2 HF`s. Die Friesenkuchen waren wirklich ganz fabelhaft. Heute soll evtl. auch noch Post kommen. Aber erst abends, wenn das Essen gebracht wird, denn das geht nur bei Dunkelheit.- Es wurden in den letzten Tagen Freiwillige gesucht für Afrika. Ich habe mich sofort gemeldet, wurde aber von Oblt. K. nicht freigegeben. Wirklich sehr schade, denn sonst wäre ich heute in Marsch gesetzt worden, u. zwar nach Deutschland (Bremen) erstmal.- Den Inhalt aus Päckchen 325 werde ich aus.....(unleserlich) sowie wir wieder im Troßraum sind. Ich habe einen ziemlichen Schnöf u. bin vollkomen verwildert, nämlich seit dem 13.ds. nicht mehr gewaschen und nicht mehr rasiert. Ich habe einen förmlichen U-Bootbart. Daß man in so einem Zustand den Tag der Mündigkeit u. vollen Geschäftsfähigkeit (nach BGB) begehen muß! (21. Geburtstag, d.Hrg.) Aber sonst geht es mir ganz gut und das ist ja die Hauptsäche, nöch? Seid also alle recht herzlich gegrüßt u. geküßt von Eurem Ekki.

305 Im Troßraum, 26. Okt. 42.

Ihr Lieben!

Melde gehorsamst: das 21. Lebensjahr beendet. Keine besonderen Vorkommnisse. Ja, am 21. habe ich noch in der dicksten Scheiße gelegen, aber zwei Tage darauf wurde ich mit einigen anderen Fernsprechern abgelöst u. genieße nun schon drei Tage die "himmlische Ruhe" beim Troß. So himmlisch ist die Ruhe nun wieder nicht, aber in den ersten Tagen kommt es mir so vor. Die ganze Abt. ist noch im Einsatz, es kann aber nun nicht mehr lange dauern, bis Stalingrad restlos gesäubert ist.

Erfreulicherweise kann ich wieder Post von Euch bestätigen. Und zwar bekam ich am 23. ds. den Brf 331 u. HF´s, und am 25. ds. zwei Friesenkuchenpäckchen 317 u. 318. Donnerwetter, wie das schmeckt! Also allerherzlichsten Dank, Madame!

In Karins Teil Eurer Schrieb. 331 stand ja zu lesen, daß ich in voller Millimeterunzulänglichkeit an Elkes großallmächtiger Wand prange. Das ist natürlich meiner unwürdig. Um diesem Mißstand abzuhelfen, bin ich denn also doch dafür, daß Elke anläßlich ihres Geburtstags am 29. Nov. (nicht 30.11., falls ich das mal geschrieben haben sollte), eines der Bremer Fotos verehrt wird. Natürlich nicht allein, sondern entweder zusammen mit einem netten Buch oder einem prächtigen Blumenstrauß oder einer ähnlichen Sache. Die Unkosten können von den Moneten abgezogen werden, die ich ja eifrig nach Hause schicke. Bei der mir eigenen Großzügigkeit wünsche ich, daß nicht gespart wird. Geld und Läuse habe ich reichlich! Ich hoffe, die Sache ist klar und wird zufriedenstellend erledigt. Danke, rühren Sie. Einen Geburtstagsbrief werde ich rechtzeitig in Marsch setzen.

Leider habe ich mit meiner Tabakspfeife schon wieder Pech gehabt. Und zwar ist mir der Stiel abgebrochen. Ich habe ihn geschient und mit Isolierband umwickelt. Es wird hoffentlich so lange halten, bis Ihr mir eine neue geschickt habt. Roli muß sich also schnellstens von Neuem auf die Socken machen!

Wie ich hörte, sollen wir demnächst mehrere 1000gr Marken bekommen, damit unsere Angehörigen Weihnachtspäckchen schicken können.

Wir haben uns aus dem letzten Einsatz in Stalingrad einen kleinen Blechofen und ein altes Rohr mitgebracht und diese Kostbarkeiten heute in unserem Bunker eingebaut. Nun ist es schön warm hier drinnen. Es wurde aber auch höchste Zeit! Mein erster gewaltiger Schnöf ist bereits im Abklingen, doch ich fürchte, es wird nicht der einzige bleiben.

Die damals bereits abgängige Uniformhose ist beim 1. Einsatz Ende Juni völlig zerrissen und ich habe gleich danach eine neue empfangen. Mit der Verpflegung geht es so. Man könnte ja viel mehr essen, aber von Hunger kann ebenso wenig die Rede sein!

Beim letzten Einsatz habe ich eine geradezu lachhafte Verwundung erlitten, und zwar ist ein Splitter von einem Granatwerfergeschoß zu dicht an meinem rechten Daumen entlang gesaust und hat dabei etwas von dr haut mitgenommen. Einen winzigen Millimetersplitter habe ich dann noch aus der linken Wange geholt. Er hat keinen größeren Schaden angerichtet, als ein üblicher holzsplitter in der Hand. Nun rutscht man nicht gleich vom Stuhl und denkt, was da alles hätte passieren können u.s.w. Die Sache ist ja harmloser als man denkt. Wenn es hätte sein sollen, hätte ich ja längst ganz andere Verwundungen davontragen können. Aber es soll eben nicht sein, und das ist ja auch gut so.

Und nun seid herzlichst gegrüßt und geküßt von Eurem Ekki.

28. Okt. 42
Hier sind die 8 Päckchen Marken für Weihnachten! Ich glaube, es sollen 4 Päckchen à 4 Pfd. mit je zwei Marken verschickt werden! Siehe Tageszeitungen. Sie werden sicher nicht alle pünktlich ankommen, aber das macht ja nichts. Wenn es an Inhalt fehlt, dann haltet ruhig einige Marken zurück bis nach dem Weihnachtsfest!! Herzl. Grüße! Euer Ekki.

306 Rußland, 29.10.42

Ihr Lieben!

Heute bekam ich ja ordentlich viel Post von euch: das Paket 330 mit Lammfell u. Marzipan (tadellos!) u. die Briefe 326 u. 333 mit Reclamheft u. Euren Balkon-Bildern, zu denen ich mich sehr gefreut habe.

Die Lammfellweste wage ich kaum anzuziehen. Es wird unmöglich sein, aus dem tiefen Fell die Läuse herauszukriegen u. in wenigen Tagen wird das ganze Ding leben.

Es sind ja zwei lange Briefe von euch u. ich habe die Neuigkeiten alle zur Kenntnis genommen.

Lt. Sternberg soll jetzt übrigens in Klagenfurt in einem Lazarett sein. So eine Gelbsucht wäre das Einzige, was mich noch retten könnte u. die sicherste Art, endlich von dem Kühne fortzukommen. Mit Urlaub macht Euch man keine Hoffnungen. Ich glaube nicht daran, leider!

Ich betone, daß ich keinen Hunger leide, ganz bestimmt nicht. Aber verflucht eintönig u. maßlos einseitig ist der Fraß schon. Und allzu kräftig leider auch nicht.

Habe ich schon geschrieben, daß wir jetzt einen Ofen im Bunker haben? Ein ziemliches Schiedding, aber der Kröpel heizt wenigstens ganz gut.

Bitte herzl. Grüße an alle Dimpkers, wenn sie auftauchen od. Ihr schreibt!

Dirk Duppe kenne ich nicht. Gerd hat mir auch kurz davon geschreiben. Er ist nun wohl auch Soldat (Gerd)?

Neuigkeiten habe ich keine, daher Schluß!

Herzl. Grüße u. Küsse! Euer Ekki.

307 Rußland, 4. Nov. 42

Liebe Eltern u. Geschwister!

In diesen Tagen habe ich wenig Zeit, weil wir uns einen Winterbunker bauen. Wenn wir dort eingezogen sind, wird es wieder besser mit der Schreiberei. Heute bekam ich sehr viel Pst von Euch, die ich nur kurz bestätigen will, viel darauf eingehen kann ich leider nicht, wenn ich sie auch sorgfältigst lese.

Also: Luftbrief 343, Päckchen 320, 321, 332, Brfe 329, 336, Karte 337 u. die Karte v. 1.10. (Besuch von Gerd u. Hans Jürgen). Außerdem bekam ich Zig. v. Frau Heller, Gebürtstagsglückwünsche v. Frau Huntemann u.s.w.

Euer Luftfeldpostbrief ist ja fabelhaft schnell gereist! Ich werde demnächst auch Euch mal wieder eine Luftpostmarke schicken, denn es scheint so, als ob wir den winter auf diesem platz verleben sollten und Komplikationen mit den Postämtern wie im Sommer während des Vormarsches fallen dann also weg.- Die Friesenkuchen haben mir wieder ganz erlesen geschmeckt.

Ich bin momentan, wie schon betont, zu sehr beschäftigt, aber wenn unser neuer Bunker fertig ist, hört Ihr bestimmt wieder ausführlicher u. häufiger etwas von mir.

Zum Lesen komme ich in diesen Tagen natürlich auch nicht. Die mit jeder Post eintreffenden HF`s stapeln sich schon zu einem großen Haufen.

Und jetzt kurz einige Wünsche: wenn Ihr, ohne dafür Marken oder Abschnitte irgendwelcher Art abgeben zu müssen, Sacharin oder anderen Süßstoff bekommen könnt, so schickt davon bitte recht viel.

Meine Turnschuhe gehen völlig aus dem Leim u. dabei kann ich sie garnicht entbehren. Ist es Euch möglich, irgendwie Ersatzlatschen aufzutreiben? Sohlenlänge 30 cm (wohl Größe 44?)

Mein Taschenmesser, nicht das kleine von Huntemanns, sondern ein normal großes, mit dem ich Brot schneide u. schmiere u. das ich sonst noch 1000x am Tage gebrauche, geht ebenfalls völlig aus dem Leim. Könnt Ihr mir eines verschaffen?

Wenn Ihr habt, könnt Ihr auch mal Puddingpulver schicken, aber ich glaube, das ist sehr knapp! Mein Gaumen lechzt nämlich nach Süßem jeder Art.

Über Urlaub kann ich noch nichts sagen. Vielleicht kann es nach meinen Berechnungen im Januar od. Februar etwas werden. Zuerst kommen die Verheirateten mit u. ohne Kindern u. dann geht es nach der Entbehrlichkeit des Einzelnen. Vor der genannten Zeit bestimmt nicht, dann vielleicht.

Und nun herzliche Grüße und Küsse von Eurem Ekki.

Herzl. Grüße auch an Paula ( Haushaltshilfe im Hause Johler, d. Hrg.) u. alle lieben Verwandten u. Bekannten!


308 Rußland, 6. Nov. 42.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gestern Abend haben wir unseren neuen Bunker bezogen u. heute regnet es stark. Wir sind gerade rechtzeitig fertig geworden. Er ist 4m x 4m u. 2,20m hoch. Es wohnen 5 Mann u. ein kleiner Ofen darin. Für jeden ein Bett (zweistöckig), ein Tisch u. 5 Hocker. Außerdem noch ein wenig Platz, um sich mal bewegen zu können. Gegen unser bisheriges Erdlochein fürstliches Gemach. Gegen Gryphiusstr. 3 eine erbärmliche Unterkunft. Jedenfalls aber warm u. trocken. Jetzt muß noch ein Fußboden gelegt und die Wände müssen noch ausgeschalt werden. Hans Jürgen schreibt, daß er im Jan. Febr. nochmal Urlaub bekäme. Vielleicht treffen wir uns dabei in Hmbg.?! Ich werde aber bestimmt nicht vor Mitte Jan. fahren können. Danach vielleicht.

Mein Schreibpapier wird langsam alle, u. zwar besonders diese Bogen, wovon dieser ein halber ist. Schrieb ich schon, daß Lt. Sternberg in Klagenfurt im Lazarett sein soll?

Bald mehr, einstweilen herzliche Grüße und Küsse!

Euer Ekki.

In den nächsten Tagen fährt Oblt. Kühne nach Deutschland. : Schießlehrgang, anschließend Urlaub. (Geh´mit Gott, aber geh´!)

309 Rußld., 7. Nov. 42.

Ihr Lieben!

Als 310 schicke ich ein Wert- od. Einschreibepäckchen mit meiner Armbanduhr, die seit heute nicht mehr geht. Ich kann kaum eine Uhr entbehren. Versucht bitte, was irgend zu erreichen ist. Entweder Reparatur oder eine neue, Preis spielt keine Rolle, wird von meinem Geld genommen. Ich will auch mal bei Hellers anfragen, ob sie in Italien eine Uhr besorgen können.

Heute kam das 1000gr Päckchen 335 mit den Wollsachen an. Sagt der guten Paula herzlichsten Dank für die wunderbare Nougatstange u. die Zahnpasta. Ebenso f.d. Kuchen in 334, der zusammen mit der Wurst wohl auch bald arrivieren wird! Von Frau Heller bekam ich vor wenigen Tagen u. heute je ein Päckchen mit Zigaretten u. etwas Süßem. Bei Telefonat bitte Dank sagen. Schreibe dieser Tage auch selbst.

Denkt Ihr auch an den Taschenkalender? Es dürfen auch zwei sein, ich habe jetzt auch zwei in Gebrauch. Einen f.d. Post u. den anderen eben für sonstige Dinge. Einen muß ich also unbedingt haben als Postbuch. Ich lege ein Blatt als Muster bei.

Als ich heute früh aus der Bunkertür trat, habe ich fast das Luftholen vergessen, so kalt u. scharf pfiff es mir entgegen: Nordostwind. Der wird uns noch zu schaffen machen.

Das größte Pech ist, daß wir mit dem Troß einige km Stellungwechsel machen müssen. Wo wir gerade zwei Tage in unserem phantastischen Bunker wohnen, da kommt diese Hiobsbotschaft. Natürlich müssen wir noch so lange hierbleiben, bis auf dem neuen Platz wenigstens notdürftige Unterkünfte gebaut sind. Ob wir aber wieder einen so günstigen Bunker bekommen, wie diesen, ist uns allen fraglich. Ach, diese Bunkergeschichte. Ich wollt´ wir säßen nicht so dumm auf freier Steppe. Anzuziehen habe ich aber nun wirklich genug! Schickt lieber etwas "zu fressen", sonst fressen mich die Läuse, deren Schupfwinkel nun immer zahlreicher werden."Im Leben geht alles vorrüber".

Herzliche Grüße und alles Gute! Euer Ekki.

311 Rußland, 8. Nov. 42.

Ihr Lieben!

In einem der 1000gr Päckchen könnt Ihr bitte auch die Spazierstockhülle aus Wandsbeck für den oberen Teil meiner Knarre mitschicken.

In dem 1000gr Päckchen 335 befanden sich ja auch eine Kerze u. ein frischer Apfel. Das Erstere ist ein ebenso nützlicher Artikel wie das Zweite ein rarer u. ungewohnter Genuß ist!

An welchen Tagen erscheinen in der HF eigentlich immer die Kirchenanzeigen? Ich kann sie nicht finden.

Oblt. Kühne ist heute nach Deutschland gefahren zu einem Lehrgang in Celle u. anschließendem Urlaub in Bremen. Ich habe ihm als Sdg. 310 meine Armbanduhr mitgegeben. Vielleicht könnt Ihr sie ja zur Reparatur loswerden u. ich nehme sie dann im Jahn/Febr. wieder mit. Oder man versucht, eine neue Armbanduhr zu bekommen, u. zwar stoßfest, staubsicher und wasserdicht u. von chronometrischer Genauigkeit.

Am 14. fährt ein Bremer Kamerad auf Urlaub. Ich gebe ihm einige zig Mark mit, wieviel schreibe ich noch genau in einem Brief, den er im Reich einsteckt. In diesem Brief befindet sich dann seine Adresse, an die Mutti ein ca. 2-3pfündiges Paket schicken darf, daß er dann mitnimmt. Er kommt gerade zu den Wehrmachtstagen hier wieder an.

So, das wäre erstmal alles. Vorerst bleiben wir noch in unseren Bunkern, bis die auf dem neuen Platz fertig sind.

Herzliche Grüße u. Küse! Euer Ekki.

P.S. Ich lege einige Bilder bei, die ein Battr. Kamerad im Sommer gemacht hat. D.O. (Die Fotos sind auf dieser Homepage veröffentlicht)

313 Donnerstag, 12. Nov. 42.

Ihr Lieben!

Diesen Brief wird also mein Bremer Kamerad mitnehmen und im Reich aufgeben (In Berlin Charlottenburg am 22.11.42, d. Hrg.). Er heißt Georg winter und wohnt in Bremen-Lesum, Bremerhavener Heerstr. 29. Wie lange er in Bremen bleiben wird, steht auf dem Briefumschlag hinten (Notiz: Abfahrt aus Bremen am 10. Dez., d. Hrg.). Bis dahin müßte also das evtl. Päckchen, das Mutti an seine Adresse schicken kann, in Bremen sein. Macht es aber nicht allzugroß, höchstens 2 - 3 Pfd. , denn ein Urlauber hat genug zu schleppen.

Wenn Mutti vielleicht mal wieder deutschen Kaviar erwischen kann, wie ich ihn vorigen Winter in Bremen gegessen habe, oder sonst irgendwelche appetitanregende Dinge wie z.B. einen Rettich od. eine kl. Zwiebel oder Appetitsilt, die ganz kleinen scharfen Fische. Salzgurken und Räucherfisch wird man ja kaum schicken können. Aber vielleicht fallen Euch selbst noch irgendwelche Sachen ein. (Käse)

Ein Mittagessen, daß mir auch dauernd vorschwebt, ist Bohnen, Birnen u. Speck! Oder Vanillepudding in noch warmem Zustand. Allein auf billige Salzkartoffeln habe ich schon Appetit. Ja, man wird imer blöder hier. Um 3 h nachmittags wird es dunkel. Dann behelfen wir uns einige Stunden mit müden Talg- bzw. Hindenburglichtern od. einer schlechten Karbidfunkel, denn unser elektr. Aggregat ist seit Wochen kaputt. Da ist also zuviel Zeit, in der man wegen Dunkelheit nichts anfangen kann. Und da kommen eben diese Essengelüste. Zumal ich seit kurzer Zeit mit Magen u. Darm zu tun habe und nun schon etliche Tage überhaupt nichts mehr gegessen habe. Mein Hunger ist gewaltig, dabei ist mir aber dauernd so übel, daß ich nichts essen kann. Und wenn ich dann doch etwas zu mir nehme und mittels Karlsbader Salz erreiche, daß ich mich nicht übergeben muß, dann scheide ich die Speise fast unverdaut wieder aus.

Aber nun beunruhigt Euch um Gottes Willen nicht gleich, schließlich ist ja ein Arzt hier, der die Sache beobachtet. Irgendsoetwas muß jeder mal durchmachen u. ich hoffe, daß es nächste Woche wieder vorbei ist.

Durch einen Breslauer kameraden, der in ca. 10 Tagen fahren soll, werde ich die Rauchwaren schicken. Aber das schreibe ich dann noch genauer in einem Brief, den der Breslauer dann mitnimmt. Dem Bremer gebe ich kein Geld zum Überweisen an Euch mit, weil ich momentan keins habe.

Inzwischen ist Freitag, der 13.11.42. Morgen in aler Frühe geht der Urlauberschub also los u. mein Brief mit, der Euch hoffentlich rasch erreicht und alle wohlauf antrifft!

Es grüßt u. küßt Euch herzlichst
Euer Ekki.

314 Sonntag, 15. Nov. 42.

Ihr Lieben!

Nachdem der Bremer Kamerad mit meinem Brief an Euch einige Stunden unterwegs war, kam die neueste Post an. Darunter befanden sich das 1000gr Päckchen 334 u. das Recl.Heft 344. Für beides seid herzlichst bedankt. Besonders Paulas vorzügliche Sandtorte tut mir bei meinem augenblicklichen Zustand sehr wohl. Ja, vielleicht ist sie sogar der erste Schritt zur Besserung. Die preisliche Wurst kann ich in diesen Tagen natürlich nicht essen. Ich habe sie trocken abgerieben und in den Nordost gehängt, wo sie so lange bleiben muß, bis mein Magen wieder in Ordnung ist. Da fällt mir noch eine "appetitanregende Sache" ein: Köntet Ihr nicht mal eine tube oder ein Gläschen Senf schicken? Ich glaube, zu dem Büchsenfleisch, das wir häufig zur Verpflegung bekommen, würde es gut schmecken!

Und dann vergeßt also bitte nicht, Paula nochmals meinen allerherzlichsten Dank zu sagen für den wunderschönen Kuchen. Sie kommt ja doch ab u. zu in die Gryphiusstr., dann brauche ich ihr nicht extra zu schreiben. Also gefreut habe ich mich wie ein Stint!

Ebenso liegt es mit Großmutters Geburtstag. Seid so gut, u. gratuliert von mir mit. Momentan mag ich garnicht viel schreiben.

Gerade kome ich aus der Revierstunde. Der Arzt sagt, ich habe eine ausgewachsene Gelbsucht. Wie ich schon mal schrieb, wird das jetzt bei der Truppe geheilt. Scheiße! Fieber habe ich nicht, muß unbedingte Bettruhe halten, werde diätverpflegt u.s.w. Na ja, mal sehen wie das weitergeht. Unser Bunker ist ja ganz wohnlich.

Heute fing es übrigens seicht an zu schneien. Es ist aber noch nicht viel geworden.

Kummer braucht Ihr Euch um meinetwillen wirklich nicht zu machen, so schlecht geht es mir noch lange nicht.

Von Frau Heller erhielt ich einen netten Geburtstagsbrief u. von elke Zahnpasta. Aber momentan mag ich nicht antworten, Mutti kann ja Frau Heller anrufen u. danken, denn ich habe gerade erst vor einigen Tagen geschrieben.

Herzliche Grüße u. alles Gute!
Euer Ekki.

318 Rußland, 20. Nov. 42. (erhalten 15. Dez. 42.)

Liebe Eltern u. Geschwister!

Es war großer Paketempfang, aber nichts von Euch dabei. Stattdessen eine Menge Illustrierter Zeitungen von Elke, ein Brief von HansJürgen u. einer von Wibke Rüder.

Ich befinde mich auf dem Weg der Besserung, d.h., es geht mir bereits wieder ganz tadellos, aber ich sehe zu, was ich dabei ´rausschlagen kann und "schone" mich noch etwas. Wer beschissen wird, bescheißt wieder! so, also darüber könnt Ihr Euch voll u. ganz beruhigen.

Aber nun etwas anderes: Ich gebrauche unbedingt eine Pistole in einer Ledertasche, damit sie am Koppel befestigt werden kann. Ein Gewehr ist zwar die bessere Schußwaffe, aber ich (u. überhaupt wir Fernsprecher) kann es oft nicht mitnehmen, weil es vollkommen im Weg ist. Man hat zu viel Gehumpe mit sich zu führen u. zu schleppenwie Feldkabel, Fernsprechapparat u. sonstiges Gerät. Versucht bitte Euer Möglichstes, eine zu bekommen. Vielleicht von Mimi Dimker, deren Mann doch sicher mehrere hatte. Es ist wirklich nicht zum Angeben, sondern notwendig. Vom Kommiß bekommen wir keine, weil im Ausrüstungsplan Gewehre für uns vorgesehen sind. Und der Kommiß ist ja stur! Also grüßt Mimi Dimpker recht u. schön und fragt mal, ob sie für ein armes Frontschwein nicht etwas zum Schießen hat? Herzl. Grüße u. alles Gute! Euer Ekki. Major Rüder werde ich ebenfalls angehen über Wiebke. Aber tut, was Ihr könnt!

319 Sonntag, 22. Nov. 42 (Poststempel 14.1.43 erhalten 6. Febr. 43)
Sonntag, 22. Nov. 42

Ihr Lieben!

Heute morgen kam eine wahre Hiobsbotschaft: es ist eine Urlaubssperre verhängt worden für den Bereich unserer Armee. Das trift mich natürlich nicht so schwer wie die Kameraden, die in diesen Tagen fahren sollten. Aber natürlich verschiebt sich alles automatisch um die Länge der Sperre. Ich hoffe jedoch, daß sie spätestens in 8 - 14 Tagen wieder aufgehoben wird. Dadurch kommt nun das Zigaretenpaket immer noch nicht auf den Weg, denn der kamerad sollte übermorgen fahren. Diesen Brief wollte ich ihm dann auch mitgeben. Na, also eben später. Und wenn das Paket dann eines guten Tages bei Euch eintrifft, möchte Mutti einige der Overstolz-Packungen (Zigarettenmarke, d.Hrg.) zurücklegen, damit ich bei dem evt. Urlaub nicht ganz ohne dasitze. Die Overstolz sind fugendicht verpackt u. halten am längsten frisch.

Ein kg Bienenhonig ist garnicht so furchtbar viel, denn es wiegt ziemlich schwer (spezifisch). Ich habe meine Portion auch bereits restlos vertilgt. Nun gab es bei dieser Zuteilung auch pro Mann 3/4l Olivenöl. Gutes reines Öl, aber zu schwer. Ich kann es jedenfalls nur schlecht vertragen. Dieses Öl habe ich gegen den Honig eingetauscht mit einem, der auch in den nächsten Tagen nach Deutschland fahren sollte. Er will es seiner Frau mitnehmen. Wenn ich Urlaubskandidat gewesen wäre, hätte ich das Fett natürlich behalten und Mutti mitgebracht. Aber nun noch monatelang damit herumhüten hat keinen Zweck. Ich fürchte nur, daß diese zweite Portion Honig auch sehr bald alle sein wird.

In den nächsten Tagen wollen wir unsere Gans machen, die wir mit zwei Mann bekommen haben. Gerupft und fabrikmäßig eingefroren wurde sie geliefert (wahrscheinlich aus der Ukraine). Nun muß sie auftauen, abgesengt werden u. die Kiele müssen noch z.T. entfernt werden. Dann kommt das Problem des Ausnehmens. Ach, hätte ich doch zu Hause bei solchen Gelegenheiten mich mehr in der Küche aufgehalten, dann wäre mir nun wohler; doch ich hoffe, es auch so zu "bringen". Das Fett wollen wir natürlich zu Schmalt "verarbeiten" u. Magen Herz u. was sonst noch zu braten ist wie die Leber, werden wir hoffentlich beim Ausnehmen entdecken.

Gestern hatte hatte ich Waschtag. Es hat mir sehr bevorgestanden, aber schließlich muß man sich manchmal doch überwinden. Unterwäsche, Handtücher, Taschentücher u. Strümpfe hatten es dringend nötig.

Gesundheitlich geht es mir wieder gut, ich habe aber trotzdem noch 14 Tage Schonung vor mir. Heute allerdings habe ich Kopfschmerzen. Schiete!

Herzliche Grüße u. Küsse!
Euer Ekki.

320 1. Dez. 42 (erhalten 27. Dez. 42)

Liebste Mutti,

ich glaube, es wird höchste Zeit, daß ich Dir meine herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag sende, sonst kommen sie zu spät. Ich habe über eine Woche nicht mehr geschrieben. Aber das ist, wie Ihr Euch denken könnt, nicht meine Schuld. Man konnte nämlich während dieser Zeit keine Post abgeben und auch jetzt nur 10gr Briefe. Wir haben seither auch keine Heimatpost bekommen. Sehr bedauerlich, aber nicht zu ändern. Ich bin nur froh, daß wir jetzt wieder etwas Post loswerden, damit Ihr wenigstens Nachricht habt. Warum u. wieso der ganze Mist, das erkläre ich später mal.

Mir geht es an sich ganz gut. Ich werde immer noch als Gelbsuchtkranker behandelt, d.h. ich mache überhaupt keinen Dienst mit. Eine kleine Woche wird auch noch vergehen, bevor ich gesund geschrieben werde.

Der Gänsebraten ist auch schon lange kein Problem mehr. Das Ausnehmen klappte tadellos, wenn ich auch am Rücken aufschnitt. Schließlich habe ich aber doch die richtige Stelle vis-à-vis gefunden.

Vorgestern war ja bereits der erste Adventssonntag und genauso still und geräuschlos wird das Weihnachtsfest kommen. Ich habe das Gefühl, daß ich dieses Mal das Fest intensiver feiern werde als je zuvor, oder sagen wir nachdenklicher. Und zwar gerade deswegen, weil es an den althergebrachten Äußerlichkeiten mangeln wird. So ging es mir nämlich vorgestern auch schon. Euch wünsche ich einen wunderschönen Tannenbaum, viel Freude und Geschenke. Macht Euch bitte keinen Kummer, weil ich zum 1. Mal nicht dabei bin, in Gedanken bin ich es unablässig doch. Sogar zuerst bei einem Gottesdienst in der kleinen Winterhuder od. vielmehr Eppendorfer Kirche u. anschließend hoffe ich aus weiter Ferne Muttis zarte kleine Klingel zu hören, die die Bescherung eröffnet. Dieses Jahr wird es ja wieder eine folge von 5 Feiertagen sein. Ich kann mich noch entsinnen, wie der 24. Dez. das vorige Mal an einem Donerstag u. Dein Geburtstag, liebste Mutti, also auch am Montag war. Es war noch in der Wohnung am Grasweg und es mußten auch für 5 Feiertage Essensvorräte herangeschafft werden. Es war soviel, daß die gute Paula mehrere Male gehen mußte. Allein aus dem Butterhaus Hammonia in der Alsterdorferstr. waren es 8 Pfd. Butter zu holen u.s.w. Vati raufte sich die Haare, weil er etliche zig Mark zu diesem Großeinkauf herausrücken mußte. Ja, ja, wie die Zeit vergeht. Am ersten Weihnachtstag kam Großmuter aus Lübeck angeschneit u. es gab die berühmte gefüllte (Äpfel u. Rosinen) Gans von den Tanten. Vielleicht war es sogar die, die Karin, Roland und ich gemeinsam abholten u. wo Roland bereits im Treppenhaus der darob eingeschnappten Tante Anna mit lauter Stimme erklärte:"Wir wollen die Gans abholen". Es dauerte dann auch ziemlich lange, bis sie den Korb herausrückte. Sicher hat der Rollimops inzwischen unter der weisen Leitung von Herrn Wendt soviel "Takt u. Pietät" angenommen, daß es ihm nicht wieder so ergeht im Leben?!

Sagt bite allen lieben Leuten, daß der kleine Soldat am Wolgastrand ihnen ein ebeso frohes Fest wie ein gutes neuer Jahr wünscht. Ich kann ja unmöglich allen schreiben, allein schon wegen der Schwierigkeit, die Post loszuwerden. Dabei sind auch gleichzeitig noch zwei Geburtstage zu beachten. Und zwar herzliche Glückwünsche an Inge Marx am 22. Dez., und an Frau Huntemann am 28. Dez. also an Muttis Geburtstag. Aber nicht vergessen.

Und nun wünsche ich
Euch allen nochmal ein frohes Fest und ein gutes Neues Jahr und Mutti gleichzeitig ein angenehmes neues Lebensjahr, in dem die Arbeit hoffentlich weniger, die Gesundheit besser wird u. die Kinder artiger werden?!

Herzliche Grüße und heiße Küsse sendet Euch allen Euer Ekki.

Ich kann nur an Eusch schreiben, da jeder nur 1-2 Mal i.d. Woche einen Brief abgeben darf. Natürlich schreibe ich, solange es beschränkt bleibt, bei jeder Gelegenheit an Euch.

321 4. Dez. 42 (erhalten 6. Jan. 43)

Liebe Eltern u. Geschwister!

Ihr könt Euch wohl vorstellen, wie sehr ich auf Post von euch lauere, denn am 15. Nov. habe ich das letzte Mal welche von Euch erhalten. Die Schuld liegt nicht bei Euch, sondern bei den kriegerischen Ereignissen, denn es kommt ja überhaupt keine Post an. Ich bin nur froh, daß wir zweimal in der Woche einen Brief abgeben dürfen. So kann ich Euch wenigstens sagen, daß ich wohlauf bin. Meine groß angekündigten Rauchwaren-Päckchen habe ich auch noch immer unter meinem Bett stehen, wo sie reichlich einstauben. Päckchenpost geht natürlich erst recht nicht weg. Hoffentlich hat sich bis Weihnachten alles wieder eingerenkt, damit ich wenigstens Eure Post habe, die Ihr, des bin ich natürlich gewiß, in reichlichem Maße abschickt. Was eigentlich los ist, kann ich euch natürlich nicht erzählen. Vieleicht könnt Ihr aber aus den Wehrmachtsberichten u. den Kommentaren etwas entnehmen. Es geht jedenfalls rund hier u. dem Russen wird man über kurz oder lang seine Dreistigkeit, die er ja besonders gern im Winter zeigt, schon abgewöhnen. Ich kann das ales bislang nur von meinem Bunker aus beobachten, weil ich wegen der Gelbsucht noch immer krank geschrieben bin.

Wenn Ihr mit Frau Heller telefonieren solltet, so bittet sie, an Gerd u. Hans Jürgen zu schreiben, damit sie nicht denken, es läge an mir, wenn ich so lange nichts von mir hören lasse.

Wir haben schrecklich viel Mäuse in unserem bunker. Die Biester laufen ganz ungeniert durch die Gegend, wenn sich alles ruhig verhält. Ich bin momentan allein hier. Ein Meter von meinen Füßen entfernt liegt ein großer Brotkrumenauf der Erde, den eine Maus gern haben möchte. sie kommt immer wieder angelaufen, obgleich ich sie mindestens schon fünf Mal verjagt habe. Leider sind die viecher zu flink, als das man sie so hauhen könnte. Mausefallen besitzt natürlich kein Mensch.

Übrigens habe ich nur noch 3 Spalttabletten. Schickt bitte mal wieder welche. Ich brauche sie glücklicherweise nur wenig, aber hin u. wieder eben doch.

Seid herzlichst gegrüßt und geküßt von Eurem Ekki und
laßt es Euch allen gut gehen und feiert ein vergnügtes Weihnachten!

P.S. Am 9. Okt. habe ich Rm. 70,- an Euch geschickt. Sind sie schon eingetroffen?

323 6. Dez. 42. (erhalten 18. Dez. 42. per Luftfeldpost)
Ihr Lieben!

Ich denke tagtäglich wohl tausendmal an Euch und da fiel mir ein, daß Mutti in ihrem Brief 347 v. 29. Okt. ein 1000gr Päckchen ankündigt mit 1 Pfd. Kunsthonig, 40 Friesenkuchen, Couprese, Piepvogel von Karin u.s.w. Leider ist das Paket nicht mehr gekommen, bevor die Postverbindung unterbrach. Sowie es eintrifft, erhält Karins Piepvogel einen Ehrenplatz in unserem Bunker, wo er für alle sichtbar ist. Kunsthönig u. Friesenkuchen bekommen auchen einen "Ehrenplatz", allerdings im Magen. Als ich damals den Brief bekam, habe ich in der Antwort geschrieben, daß wir häufig zur Verpflegung Kunsthonig bekämen. Da fiel mir nun ein, daß es von Euch verkehrt aufgefaßt werden könte, nämlich so, als ob von dem Artikel genug da sei. Das wollte ich nur richtigstellen. So viel bekommen wir natürlich nie, daß nicht ein Pfd. Kunsthonig zusätzlich noch immer heiß willkommen wäre!

Ich bin wieder freigesprochen von der Gelbsucht, d.h. gesundgeschrieben und fühle mich auch recht wohl. Vor allem hat sich der altgewohnte Appetit wieder eingestellt, u. das ist ja das beste Zeichen.

Couprea kann man garnicht genug bekommen. Ich könnte jeden Tag eine Flasche gebrauchen.

Vor drei Tagen habe ich als Sdg 322 wieder Rm 70,- abgeschickt; das Geld reist ja immer sehr lange. Vielleicht trudelt es im Februar bei Euch ein.

Die Schirmhülle könnt Ihr gelegentlich mal in einem 1000gr Paket herschicken, denn ich fürchte, daß es mit dm Urlaub nicht klappt, wenn die Sperre nicht bald aufgehoben werden kann.

Dafür haben wir herrliches Winterwetter mit allerhand Schnee. Wenn ein tüchtiger wind weht, ist es natürlich ziemlich kalt, sonst aber ganz annehmbar. Im vorigen winter muß es kälter gewesen sein. Heute ist z.B. ein windstiller Tag. Es taut etwas u. ist ziemlich neblich, aber besser als klares Wetter mit Frost und Nordostwind.

Heute sind die Postbestimmungen dahin geändert worden, daß jeder Mann jeden Tag einen Brief abschicken darf. Das ist unser Geschenk zum Nicolaustag. Na, besser als in die hohle Hand...

Heute haben wir auch schon den zweiten Adventssonntag zu fassen. Wie vergeht die Zeit!

Herzliche Grüßte und Küsse von eurem Ekki.

P.S. Was macht eigentlich die goldene Nachttischuhr. Hat Vati (unleserlich, d.Hrg.) sie endlich wieder vom Uhrmacher geholt? Die Schublade mit meinen Schulbüchern, kfm. Aufzeichnungen u. büchern u. den Sprachlehrbüchern bleibt doch unberührt? Damit ich später alles wiederfinden und da anknüpfen kann, wo ich leider aufhören mußte! (Es folgen zwei unleserliche Buchstaben, d. Hrg.)

324 7. Dez. 42 (erhalten 27. Dez. 42)

Liebe Eltern u. Geschwister!

"Luftfeldpost ohne Marken", da wundert Ihr Euch wohl? Ja, es wurde hier so bekanntgegebenu. da will ich es gleich ausnutzen, bevor es evtl. wieder aufgehoben wird. Beim Kommiß weiß man ja nie, was morgen wird und prompt ist es immer anders als man für sich disponiert hat. Die Luftpost ohne Markengeht aber nur in Fahrtrichtung Front - Heimat. Ihr könnt es nicht; aus der Heimat haben wir bereits drei Wochen keine Post mehr. Doch ich hoffe zuversichtlich, daß es Euch allen recht gut geht! Mir auch übrigens.

Euren Weihnachts- Geburtstags- u. Neujahrsbrief habe ich ja bereits verzapft. Heute schicke ich die Besitzurkunde für das Verwundetenabzeichen mit, das mir verliehen wurde für die Schrammen, die ich am 18. Okt. von einem Granatwerfereinschlag bekam. Ich glaube fast, daß ich damals garnichts davon geschrieben habe?! Na, es war auch wirklich nicht schlimm, Gott sei Lob u. Dank, u. die Kratzer waren nach 14 Tagen bereits nicht mehr zu sehen. Ein Miniatursplitter hatte die linke Wange geritzt u. ein etwas größerer war am rechten Daumen vorbeigesaust, kriegte die Kurve nicht mehr richtig und nahm ein Fetzchen Haut mit. Auf jede durch Feindeinwirkung verursachte Verletzung gibt es ein Ordenspflaster, so will es die sture Kommißvorschrift. Also mußte ich auch für diesen kleinen Dreck "geschmückt" werden. Andere müssen sich das ding wahrlich schwer erwerben. Aber dann nehme ich es schon lieber so. Und nun lebt wohl u. seid herzlichst gegrüßt u. geküßt von eurem Ekki.

325 9. Dez. 42. (erhalten 2. Jan. 43)

Ihr Lieben!

Gerade komme ich von einem längeren "Spaziergang", d.h. einem etliche km langem Marsch durch hohen Schnee bei ziemlichem Sturm, "nach Hause", d.h. in meinen Bunker zurück. Es handelte sich um eine Störungssuche bei einer Fernsprechleitung im Troßraum, eine an sich alltägliche Sache. Für mich war es aber heute das erste Mal nach meiner Krankfeierei. Ich wollte Euch nur sagen, daß mir Karins Pelzhandschuhe sehr zustatten kommen. Ebenso Vatis Pelzmütze, mit der der Unverbesserliche seinerzeit am Alsterdamm spazierenging. Aber hier ist das Ding wirklich tadellos! Schickt doch gelegentlich auch einige Mottenkugeln mit. Die Pelzweste wage ich wegen der Läuse noch immer nicht anzuziehen. Ich sehe mich genügend vor, daß ich keine üble Erkältungskrankheit bekomme.

Wie mag es Euch gehen? Ich hoffe, recht gut! Bei der bescheidenen Postzustellung muß nun eben die "innere Telefonleitung", wie Ulrich von Lüttichau es immer nannte, etwas stärker in Kraft treten. Diese Leitung braucht ja glücklicherweise nicht so oft entstört zu werden, wie unsere Fernsprechleitungen.

Grüßt alle Lieben Leute, denen ich in Anbetracht der Lage nicht schreiben kann, recht schön und seid selbst recht herzlich gegrüßt u. geküßt von Eurem Ekki.
Frohe Weihnachten!


326 10. Dez.42 (erhalten 30. Dez. 42)

Ihr Lieben!

Weil Ihr Euch immer so freut, wenn Ihr etwas Post von mir bekomt, und weil es heute eine Luftpostmarke, die ich beilege, gegeben hat, schreibe ich Euch kurz ein paar Zeilen. Nehmt es mir bitte nicht übel, daß heute nicht viel dabei herauskommt, aber ich bin rechtschaffen müde von getaner Arbeit u. möchte gleich schlafen. Ich schreibe, wie gesagt, eigentlich nur, damit Ihr möglichst rasch die Marke bekommt u. ich dann hoffentlich von Euch bald höre. Herzliche Grüße u. Küsse. Euer Ekki.

327 12. Dez. 42 (erhalten 31. Dez. 42)

Liebste Eltern u. Geschwister!

So oft es geht, sollt Ihr ein paar Zeilen von mir haben, obgleich mir langsam der Stoff ausgeht, was nicht zu verwundern ist, wenn keinerlei Post eintrifft und auch hier ein Tag wie der andere vergeht. Seit einer Woche "schiebe" ich wieder Dienst, d.h. ich bin ständiger Störungssucher. Die frische Luft bekommt mir gut u. heute habe ich die gefährdedsten Stellen der Strippen so verlegt, daß ihnen hoffentlich nicht so schnell wieder etwas geschieht u. ich nicht so oft laufen muß.

In den nächsten Tagen werde ich wohl auch in die Feuerstellung fahren u. mich dort einige Zeit aufhalten. Bei den im Gegensatz zum Sommer ziemlich stehenden Fronten befinden wir uns oft wochenlang in derselben Feuerstellung. Wir stehen dort gewissermaßen zur Sicherung, falls es dem Russen einfallen sollte, einen Durchbruch zu versuchen. Dann holt er sich bei uns blutige Nasen. Da nicht alle zu gleicher Zeit in so einer x Dauerfeuerstellung (Anmerung unten im Brief von Ekkehard: x hat nichts mit "Dauerfeuer" zu tun!) benötigt werden, wechseln wir uns von Zeit zu Zeit ab. Durch meine Krankfeierei bin ich seit dem 23. Okt. ununterbrochen im Troßraum gewesen, also gut sechs Wochen.

Vergeßt nicht, bei Frau Heller Bescheid und herzl. Grüße! zu sagen, daß sie Gerd u. Hans Jürgen benachrichtigt, wieso sie so lange nichts von mir hören. Dasselbe gilt für alle anderen, die fragen sollten. Ist Mimi Dimpker schon in Hmb? Wenn ja, grüßt bitte recht herzlich. Habt Ihr eigentlich den Brief wegen der Pistole bekommen? Es muß um den 20.11. herum gewesen sein, daß ich ihn schrieb.

Mir geht es gut, Sorge ist vollkommen unnötig. Hoffentlich seid Ihr alle gesund und munter, was ich allerdings stark annehme. Hoffentlich sehen wir uns irgendwann im Neuen Jahr wieder!

Herzlichst grüßt u. küßt Euch Euer Ekki.

Gestern war Großmutters Geburtstag. Ich habe sehr wohl daran gedacht. Grüßt die Gute bitte besonders herzlich. Hoffentlich ist sie wohlauf!

328 15. Dez. 42
Liebe Eltern u. Geschwister! (erhalten 5. Jan. 43.)


Heute vor einem Monat erhielt ich zultzt Post von Euch. Wenn die ganze Post einmal nachgeliefert werden wird, habe ich wohl etliche Tage daran zu lesen. Hoffentlich ist es recht bald soweit. Aber ich sage mir immer, es ist schon viel wert, wenn Ihr wenigstens von mir gute Nachrichten bekommt, nicht wahr? Ich hoffe sehr, daß es Euch allen recht recht gut geht; über mich braucht Ihr Euch keine sorgen zu machen, das versteht sich.

Die Briefe an Euch haben mir sonst nie Kummer gemacht, aber nun weiß ich bald wirklich nicht mehr, was ich Euch schreiben soll. Alles verläuft so eintönig u. alltäglich, daß es nichts zu erzählen gibt. Wenn man wenigstens Post zu beantworten hätte! Von der Advents- und Weihnachtszeit merkt man hier nicht die Bohne. Es sind auf den schwierigen Nachschubwegen andere Dinge heranzubringen als Weihnachtliche. In dieser Schneesteppe kann man natürlich keinerlei Tannengrün oder ähnliches auftreiben. Das erste Weihnachtsfest in der Fremde verspricht abschreckend genug zu werden. Macht Euch jedoch darum keinen Kummer, es kommen gewiß auch wieder bessere Zeiten!

In der festen Zuversicht, daß Ihr alle froh u. munter seid, grüßt und küßt Euch herzlichst Euer Ekki.


329 17. Dez. 42 (erhalten 5. Jan. 43)
Liebe Eltern u. Geschwister!

Man hat uns Hoffnungen gemacht, daß vielleicht in den nächsten Tagen Briefpost aus der Heimat eintrifft. Es wird sehr schön sein, endlich wieder ein paar liebe Zeilen von Euch zu bekommen! Mit Paketen können wir nicht rechnen, auch zu den Feiertagen leider noch nicht. Na, dann muß es eben dieses Mal ohne gehen. Die Hauptsache, wir bleiben gesund u. munter und haben noch ein wenig zu beißen. U.a. auch das, was es in der Alsterdorferstr. kurz vor dem Kino im Keller, doppeltes Gewicht gegen Marken gibt. Allerdings nehmen wir nicht nur Filet, sondern so ziemlich alles. Durch den Wolf gedreht, als "Bouletten" zubereitet geht es durchaus. Man muß die Sache ein bißchen humorvoll nehmen, dann ist es nur noch halb so schlimm. Im übrigen geht es mir tadellos, was ich auch sehr von Euch hoffe.

Morgen sause ich zur Abwechslung in die Feuerstellung und bleibe voraussichtlich über Weihnachten bis zu den ersten Januartagen dort. In diesen Tagen wird auch der Russe sich hoffentlich etwas ruhiger verhalten.

Herzliche Grüße und Küsse! Euer Ekki.

Wenn dann eines Tages die Pakete eintrudeln sollten, denn vernichtet sind sie nicht, es hapert nur am Nachschub, dann veranstalte ich eine Fresserei bis zum Platzen!

330 20. Dez. 42. (erhalten 10. Jan. 43)
Liebe Eltern u. Geschwister!

Ich will Euch nur rasch ein paar Grüße senden. Seit fast zwei Tagen bin ich in der Feuerstellung. Es ist ziemlich ruhig hier u. der Bunker ganz schön warm. Draußen ist es so kalt, daß der Schnee wie Glas klirrt. Wer einen richtigen Winter sehen will, muß nach Rußland kommen. Hoffentlich bekommen wir nun wirklich in den nächsten Tagen ein paar Briefe. Dann hört Ihr auch wieder ausführlicher von mir! Ich habe in der Feuerstellung mehr Zeit als im Troß. Meistens denke ich an Euch und an Weihnachten, wenn ich so auf meiner Pritsche liege oder auf der wackeligen bank sitze.

Hoffentlich seid Ihr alle wohlauf!

Herzliche Grüße und Küsse sendet Euch Euer Ekki.


"Von den 195 000 eingekesselten Wehrmachtsangehörigen waren 60 000 bei Kampfhandlungen gefallen bzw. durch Hunger und Frost umgekommen, 25 000 Verwundete wurden ausgeflogen. 110 000 kamen in Kriegsgefangenschaft, von denen die meisten in den folgenden Wochen starben; etwa 5000 kehrten heim, bilanziert der Historiker Karl-Volker Neugebauer." Rainer Blasius: Hitlers Feldmarschall als Gefangener Stalins, FAZ 2.2.2013.

Von Ekkehard Johler gibt es keine weitere Spur. Das schmerzt noch lange. Im April 1949, als Elwine Johlers Enkel Ekkehard geboren wurde, schreibt sie an eine Freundin:"Auch ich werde durch unseren kleinen Ekkehard so viel an die Morsumer Zeit erinnert. Unser Ekkehard war auch solch kleiner braver und zufriedener Mann. Immer wieder frag ich mich, ob er wohl noch lebt und wenn nicht, wie sein Tod gewesen sein mag."

Zu den letzten Briefen von Ekkehard Johler

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