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Hamburg, 1942. Karin Johler (l.), 19, auf dem Steg von Karl
Reich an der Hamburger Aussenalster. Karin und ihre Freundinnen
(v.l.) Gerda Haltermann,
Gisela Classen und Ingrid Peters gehörten zu
den Alsterratten und segelten gemeinsam. Die Alsterratten sind ein
Traditionsverein für junge Frauen (gegründet 1929). Die Mitglieder
des rein männlich besetzten Pendants, die Alsterpiraten (gegründet
1898), weckten damals nicht ihr Interesse. Die Vereine existieren
bis heute unter dem Dach des NRV.
Segeln war eines der erlaubten Vergnügen in der Kriegszeit. Gerda
Haltermann bedauert noch 1997 diese von Einschränkungen geprägte
Zeit:"Als ich gerade 16 1/2 Jahre alt war und mein Leben so
richtig genießen wollte, brach der Krieg aus und vorbei war es mit
Swing und Tanzvegnügen. Nur privat konnte man noch feiern. Mit
unserem roten Koffergrammophon machten wir Alsterratten die Alster
unsicher."

Hamburg, 2005. 60 Jahre später bei Bobby Reich: Karin
Lauritzen geb. Johler (v.r.n.l.) und Gisela
Mordhorst geb. Classen( +19.4.2012) mit den
damals nicht segelnden Freundinnen Ilse geb. Hass und Hilde geb.
Bleck.
So hat Karin Johler ihre Freundinnen kennengelernt:
Erste zufällige Begegnung mit Gisela Classen im Zug von Sylt nach
Hamburg ca. 1937. Gisela Classen hatte Urlaub gemacht bei einem
Onkel auf Sylt. Karin stieg mit ihrer Mutter in Husum in den Zug,
nach einem Besuch bei Karl Frahm, Direktor bei der dortigen
Westbank. Gisela Classens Auftreten und Erscheinung imponierten
Karin. Am Dammtorbahnhof stieg Gisela aus. Das Kofferschild
verriet ihren Namen und ihre Adresse: Eppendorfer Landstraße 36.
In diese Nachbarschaft musste Karin gelegentlich zu einem
Orthopäden. Einmal sah Karin Gisela zufällig vor ihrer Haustür
warten. Die Erinnerung an sie wurde aufgefrischt.
Hamburg-Rahlstedt 23.3.1941. Die nächste
Begegnung findet Jahre später am Tag der Wehrmacht am 23.3.1941 in
Hamburg statt. Karin (Foto: links) wird von Hans Werner Labowski,
einem ersten Jugendfreund, in die Boehn-Kaserne eingeladen, in der
er seinen Grundwehrdienst ableistet. Hans Werner hat als
Abiturient zusammen mit seinem Mitschüler Hans-Jürgen
Kopperschmidt Karins Bruder Roland Nachhilfe gegeben. Als Hans
Werner nach Abitur in Hamburg und Arbeitsdienst im heutigen Polen
Karin zu einem Hausball einlädt, entwickeln sich persönliche
Zuneigungen. Hausbälle waren der Ersatz für die während des
Krieges verbotenen öffentlichen Tanzveranstaltungen. Die noch
junge Karin hat erst Bedenken. Sie hat erst zwei Tanzstunden
hinter sich. Doch das stellt sich als kein Problem heraus. Damals
"hottete" man, eine Art Schwofen, wozu man keine Schulung braucht.
Zu dem Tag der Wehrmacht sind auch Gisela Classen (Foto. 2. v.l.)
und ihre Freundin Gegga (Foto:r.) eingeladen. Hans-Jürgen
Kopperschmidt (Foto oben) wird Januar/Februar 1942 auf der Krim
bei Sebastopol mit Bauchschuss zurückgelassen und gilt als
vermisst.
Auf der Toilette haben sich alle Frauen umarmt und Karin hat das
auf Fotos festgehalten. Diese Fotos bringt sie später zu Gisela
/Gischen in deren Wohnung. Die Mutter ist zuhause und sagt Karin,
dass Gischen zum Segeln sei. Daran knüpft Karin an. Segeln war
schon lange ihr Traum. Sie wird Mitglied im Club.
Zunächst segeln sie als Alsterratten.
Später treffen sie sich jahrzehntelang jeweils dienstags zum
"Mardi". Die Namensgeberin ist Ingrid Peters (Pitty). Den Begriff
Kränzchen fand sie zu altmodisch. Die Treffen der unverheirateten
Frauen bestehen aus gemeinsamem Stricken und Häkeln, vielen
Gesprächen und _Musik! Gieschen (Gisela Classen) bringt regelmäßig
ihr Gramophon mit. J`attendrai ist ein Lied, das Karin von damals
erinnert. Zunächst haben die Mardi-Treffen auf dem Balkon winzigen
von Pitty im Birkenhain 16 stattgefunden.
Hans Werner Lambowski ist Halbjude. Als solcher darf er keinen
Umgang mit arischen Mädchen haben. Auf einer Fahrradtour mit Karin
Johler in Harvestehude an der Alster sieht Hans Werner - so
berichtet Karin - ein Fahrzeug, das ihm verdächtig vorkommt. Er
befürchtet eine Kontrolle. Sofort rast er weg um ein Quarree herum
und trifft dort wieder auf die geradeausradelnde Karin.
Bei Luftangriffen auf Hamburg darf Hans Werner nicht in den
Luftschutzkeller. Er hat stattdessen Polen bewachen müssen, die
sich auch nicht vor den Bomben schützen dürfen. Hans Werners
Familie wird 1943 ausgebombt. Sie bekommt ein Zimmer in der St.
Benediktstr. Dorthin werden von der Familie Johler als Soforthilfe
einige Möbel ausgeliehen. Hans Werner überlebt den Krieg,
heiratet, bekommt einen Sohn und stirbt mit 80 Jahren in Hamburg.
Exkurs<:
Über
Liebe im Krieg: Karin und Erhard

Hamburg, ca. 1943. Die O-Jolle Alsterratte. Der
Schiffstyp wurde 1935 für die Olympiaspiele in Berlin konstruiert
und war auf der Alster sehr beliebt. Das Boot lag an einem Pfahl
bei Karl Reich (Hamburgern heute bekannt als Bobby Reich), die
Seglerinnen mussten vom Steg aus übergesetzt werden. Zurück ging
es mit dem Ruf:"Hol över!" Die Alsterratten segelten ohne
vorherigen Unterrricht. Manchmal saßen sie zu viert im Boot.
Gelegentlich haben sie sogar dabei gestrickt! (Quelle: Karin
Lauritzen). Alleinseglerin ist hier Pitty.

Karin Johler auf der Alster.
Die Alsterratten-Jolle vor der Kulisse der Hamburger Innenstadt.

Hamburg 1943. Karin Johler an der Pinne der
Alsteraten-Jolle.

An Bord der Alsterratten-Jolle Karin Johlers Freundinnen Gisela Classen (l.) und Ingrid Peters. Ingrid Peters trägt als
Borte die Alterratten-Farben blau-weiss-rot. Sie lebt seit vielen
Jahrzehnten in den USA, seit einigen Jahren in San Diego.
Ausgewandert sei die promovierte Volkswirtin , weil man ihr in
Hamburg anfang der 50er Jahren nur bessere Sekretärinnen-Jobs
anbot, sagt Karin Johler. In den USA sei das ganz anders gewesen.

Alsterratte Gisela Classen.

Karin Johler an der Pinne.

Hamburg 1944. karin Johler (l.) auf der Alsterjolle mit
Gisela Classen.

Karin an der Pinne.

Karin Johler am Alster-Steg von Karl Reich in Hamburg.

Karin Johler (l.) mit Gisela Classen am Bootssteg von Bobby Reich
auf der Alster.

Travemünde 1943. Mardi-Treffen: v.l. Gisela Classen, Ingrid
Peters, Karin Johler und Gerda Haltermann. Sie sind jetzt alle
etwa 18 Jahre alt.

Hamburg 1943. Karin (l.) beim Einkaufsbummel mit
Pitty und Ilschen. Karin trägt hier einen Mantel von Bruder
Roland. Das Geld ist ja immer knapp.

Karin Johler unterwegs zum Segeln auf der Alster. Dazu nimmt sie
immer den Koffer mit. Das Fahrrad hat sie von Tante Inge
übernommen, Elwine Johlers Schwester. Interessant ist das Netz
unter dem Gepäckträger. Es soll verhindern, dass Damenröcke in die
Speichen geraten. Das Fahrrad blieb bis in die 1960er Jahre in der
Familie.

Hamburg, Januar 1941. Karin auf dem zugefrorenen
Leinpfadkanal. Sie ist 16 Jahre alt.

Hamburg, 1943. Karin näht über Jahrzehnte Kleider
für sich, später auch für ihre Tochter. Diese Pfaff scheint mit
Fußantrieb zu funktionieren. Hier verbringt sie eine ihrer
Luftschutznächte in ihrem Fröbelseminar
(Kindergärtnerinnenausbildung) an der Bundesstraße. Die
Schülerinnen haben immer zwei Nächte in Folge Dienst, um kleinere
Brände durch eventuelle Bombenangriffe sofort zu löschen. Überall
liegen schon Schäuche. Die Schülerinnen schlafen in
Doppelstockbetten. Wenn nichts zu löschen ist - und das war zum
Glück immer der Fall - können die Schülerinnen tun, was sie
wollen. Also auch nähen im Handarbeitsraum. Karin, damals 18:"
Schade um die vertane Zeit. Ich hatte nette Freunde, Hans Jürgen
und Hans Werner... Bei Problemen wäre ich weggelaufen.""Aber wenn
ich nicht hingegangen wäre, hätte ich mir die Zukunft versaut."
Das wird ihr seit ihren BdM-Diensten von ihren Lehrerinnen
eingetrichtert.
Karin benutzt später am Pagenfelder Platz eine Singer mit
Handkurbel, die von ihrer Großmutter Ude aus Lübeck stammt.
Hamburg, Sommer 1943 "Gomorrha". Die
Bombardierung Hamburgs erlebt Karin Johler zunächst in der Wohnung
ihrer Eltern in der Gryphiusstrtaße 3. "Wenn es Bombenalarm gab
-meistens nachts- gingen wir in den Keller. Die Decke war
notdürftig mit Balken verstärkt. Ein Witz. Meine Mutter Elwine war
Luftschutzwartin. Sie hatte darauf zu achten, dass bei Luftalarm
im Keller stets eine Feuerpatsche und ein Eimer Wasser bereit
standen. Als Feuerpatsche diente ein Schrubber mit einem feuchten
Feudel.
Häufig flogen die Bomber nur über Hamburg hinweg, z.B. nach
Berlin. Der Bombenalarm blieb aber über Stunden bis nach dem
Rückflug bestehen. Nach einer Bombennacht begann die Schule 1-2
Stunden später. Dann wurde auch Hamburg verstärkt bombardiert.
Nach der ersten Bombardierung gingen wir alle auf den Boden, um
die zu gucken. Tage später wurden zwei Nachbarhäuser zerstört.
Auch unser Haus wurde getroffen. Das Dach brannte. Unten im Haus
wohnte Frau Göckeler geb. Prange (bekanntes Schuhgeschäft). Ihr
schwerkranker Mann war nicht in der Lage, in den Keller zu
flüchten. Sie zahlte Schmiergeld, damit das Haus gelöscht wurde.
Wasser holte man aus der nahen Alster über Schläuche, die durch
Villengrundstücke gelegt wurden. Die erschöpften Feuerlöscher
ließen mehr Wasser als nötig ins Haus laufen. Es tropfte bis zum
Erdgeschoß. Die Wohnungstür im 1. Stock war verzogen. Mein Vater
Hans konnte sie nur notdürftig mit einem Seil zubinden. Die
Heizung funktionierte lange nicht mehr. Vor allem der hintere Teil
der Wohnung war sehr feucht. Ein Teppich schimmelte. Möbel standen
im Wasser.
Nach dieser Nacht hat mein Vater Hans uns unsere Sachen packen
lassen und in Volksdorf in einer Schule unterbingen können. Ein
Tipp seines Friseurs. Dahin ging es mit der U-Bahn. Nachts sah ich
von dort den Feuerschein über Hamburg. Die Sommernacht war nur
kurz. Mein Bruder Roland ist von Volksdorf auf einem geliehenen
Rad zu unserer Wohnung gefahren. Er berichtete, dasss das Dach
abgebrannt. sei. Auf dem Weg dorthin begegnete er einem
Schulfreund seines Vaters, Karl Marx. Er saß mit seiner Frau auf
geretteten Sesseln vor den noch rauchenden Ruinen seines Hauses in
der Bebelallee. Sie sprachen miteinander.
Auch mein Vater ist beruflich bedingt bald wieder zurück in die
Wohnung gezogen. Er berichtete von verbrannten Leichen auf dem
Weg, kleingeschrumpelt auf Kindergröße. Wir sind mit einer
Transportmöglichkeit Richtung Lübeck zum Bruder meiner Mutter
Rudolf Ude nach Mölln gekommen und für kurze Zeit auch zu meiner
Großmutter Elwine Ude nach Lübeck.
Mein Vater starb im September 1943 während eines
Vetretungsgottesdienstes in der Bramfelder Kirche. Er ist ein
Opfer des Krieges. Wegen seines schwachen Herzens durfte er nicht
radfahren, tat es aber, um zum Gottesdienst nach Bramfeld zu
kommen. Er brauchte das Einkommen für seine Familie. Dazu die
Sorgen: Sein Sohn Ekkehard seit einem halben Jahr in Stalingrad
vermisst, zwei Söhne seines Bruders Ingo gefallen. Die elterliche
Fabrik in Wandsbek durch einen Volltreffer zerstört. Auch das
Elternhaus kaputt. Das war zu viel für ihn."

Hamburg, 1944. Gerda Haltermann (v.l.) mit ihren
Freundinnen Karin Johler, Ingrid Peters und Gisela Classen in der
Wohnung ihrer Eltern am Klosterstern in Hamburg (Jungfrauenhthal
24). Bei diesen Treffen wird viel geredet, aber auch immer
gestrickt. Auf dem Foto zeigen die Freundinnen sich gegenseitig
ihre Arbeitsergebnisse. Karin hat das Stricken, Häkeln und Nähen
und sogar das Smoken von Kleidern bei einer früheren Nachbarin am
Grasweg gelernt. Tante Buschi hat ihr dazu den Wollfaden zu einem
Wunderknäuel gewickelt. Es enthielt im Kern eine Überraschung, an
die man nur kam, wenn das Knäuel abgearbeitet war.
Die Treffen der Freundinnen werden von Musik begleitet. Gisela
Classen bringt ihren tragbaren Plattenspieler mit und alle hören
"J´attendrai", aller Lieblingslied von damals.

Vier Mardis auf einem Rad.

Travemünde 1944. Ankunft der Mardi-Freundinnen
auf dem Bahnhof.
Travemünde 1944. Karin
Johler (M.) mit Freundinnen Gerda Haltermann (l.) und Gisela
Classen auf einer Spritztour von Hamburg an die Ostsee. Die
Maus über dem Bild zeigt, wie schnell Soldaten anhänglich
werden. Bei den drei kurzentschlossenen Männern handelt
es sich allesamt um U-Bootfahrer, Fähnriche von einem Schiff vor
Ort. Sie absolvierten einen Offizierslehrgang. Bei den sehr
ungewissen Zukunfsaussichten ist es besser, man greift sofort nach
allem, was das junge Leben hergibt. V.l. Fritz Rupp genannt Fipps,
Heiner Rose und Hans Demuth aus Flensburg. Sie haben den Krieg
überlebt.
Übernachtet haben die Freundinnen in einem Kinderheim in
Timmendorfer Strand, das Gegga als Praktikantin kannte. Geschlafen
wird auf dem Fußboden. Von Timmendorf nach Travemünde und zurück
gehen die Freundinnen zu Fuß. Geld ist knapp.
Nach dem Krieg gab es nur noch einen kurzen Kontakt zu Friedrich
Rupp. Er war auf der Suche nach seinem Vater und wollte dazu
seinen Seesack in Hamburg lagern. Gegga war schon verheiratet. Sie
musste deshalb ablehnen. Karin tat ihm den Gefallen. Friedrichs
Mutter und Schwester waren im Bombenhagel in Darmstadt gestorben.
Seine Onkel und Tanten waren aus Pommern vor den Russen geflohen.
Die Suche war schwierig. Friedrich fand seinen Vater schließlich:
in Stakendorf bei Kiel.
Friedrich (Fritz) Rupp wird kurzzeitig als Kriegsgefangener in
einem Auffanglager bei Albersdorf interniert. Es gibt keine Zäune,
nur die Eider und der Nord-Ostsee-Kanal dienen als Begrenzung.

In diesem Aquarell hat Friedrich Rupp die Kontaktaufnahme mit den
drei Hamburgerinnen festgehalten. Der nächste Schritt bestand
darin, die Kette der drei Mardifrauen aufzubrechen, so dass jeder
eine Frau zur Rechten hatte. Die drei Marinesoldaten begleiteten
die Mardifreundinnen bis Timmendorfer Strand, wo die Frauen in
einem Kinderheim übernachten durften. Auf dem Weg dorthin, so
berichtet Karin Johler, setzten sie sich in Strandkörbe. - Im
Hintergrund rechts fährt ein U-Boot. Die drei waren U-Boot-Fahrer.

Auch vor Travemünde haben die Mardis gesegelt.

Timmendorf 1944. Strandansicht.
Fips schreibt diese Karte am 14.8.44 an Karin. "2 unvergesslich
schöne Tage liegen hinter uns."

Glücksburg 1944. Während eines Besuchs in Flensburg bei
Ilse Hass macht Karin Johler (4.v.l.) zusammen mit ihren
Mardi-Freundinnen einen Ausflug zum Schloss in Glücksburg.

Glücksburg 1944. Spaziergang mit
Mardi-Freundinnen. Im Hintergrund die Gaststätte Rosen-Terrasse.

Hamburg 1944. Verlobungsparty von Gegga mit Rolf (o.r.).
Karin Johler (o.l. ) mit Mardi-Freundinnen und Rolfs Brüdern. Fast
alle Freunde der jungen Frauen waren Soldaten. Manch einer von
ihnen starb im Krieg.
Hamburg 1944. Karin Johler (r.) mit Freundinnen in der
Gryphiusstraße kurz vor der Ecke Sierichstraße.

Hamburg 1944. Die Mardi-Freundinnen in der Gryphiusstraße.
Es gibt wie immer viel zu erzählen.

Hamburg, 6.12.1944. Wenn eine Freundin heiratet (Gerda
Haltermann °° Rolf Schaffner), sind die anderen natürlich dabei.
Karin Johler (r.). Die Trauung findet in der Johanniskirche statt.
Vater Friedrich Haltermann hat dazu eine Hochzeitskutsche
organisiert. Das Brautkleid ist geliehen von Hildegard Rainals.
Ehemann in spe Rolf hat als Brautstrauß Gerdas Lieblingsblumen als
Hochzeitsstrauß herbeigezaubert: Maiglöckchen - im Dezember! Rolf
Schaffner arbeitet bei Reemtsma in Othmarschen. Er stirbt am
5.9.1993,
Gerda verh. Schaffner im Dezember 2004 in einem Altenheim in
Hamburg.

Karin Johler, ca. 20 Jahre alt.
Sie arbeitet als Kindergärtnerin in einem Kindergarten der
Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). Bei den vielen
jungen Mitarbeiterinnen fühlt sie sich wohl. Parteimitglied oder
Nazi ist sie nicht. 1945 übernehmen die Engländer kampflos
Hamburg. Karin wohnt zu der Zeit in der Gryphiusstraße bei ihrer
Mutter. Es gibt für einen ganzen Tag Ausgangssperre.
Militärfahrzeuge fahren auch vor ihr Haus auf der Suche nach
Wohnungen für englische Soldaten. Sie suchen wohl aus
Sicherheitsgründen nur nach ebenerdigen Wohnungen. In der
Parterrewohnung links wohnt wohnt Herr Göckeler. Er hat Krebs,
sein Bruder wohnt bei ihm, sein Sohn ist gefallen.Sie
beschlagnahmen die Erdgeschoßwohnung rechts. Der dort wohnende
Apotheker muss raus. Er zieht im Haus nach oben, wo noch Platz
ist. Karin beobachtet durch die Gardine aus dem Hochparterre das
Geschehen. Ca. 6 Soldaten ziehen ein. "Brot und Marmelade wurde in
die Wohnung getragen", erinnert sich Karin mit 94 Jahren an die
Geschehnisse. Kontakte mit den neuen Nachbarn gibt es nicht. Die
NSV wird geschlossen und Karin wechselt in einen städtischen
Kindergarten nach Wandsbek nahe der Lübecker Autobahn. Auf der
spielt sie häufig mit den Kindern, denn Autos fahren nicht. Wegen
der "alten Tanten", die den Kindergarten leiten, kündigt Karin und
wechselt vom Arbeitsamt geschickt in einen Kindergarten nach
Farmsen. Dort wird sie gefragt, ob sie mit Kindern oder in der
Küche arbeiten will. Sie - oder vielleicht eher ihr Magen -
entscheidet sich für die Küche. Es wird für die Kinder gekocht.
Das Personal bekommt aber auch eine Ration.
Gelegentlich fährt Karin zum Hamstern in Dörfer im Raum Harburg.
In Garlstorf tauscht sie bei Bauern Hausrat und ähnliches gegen
Lebensmittel. Einmal wird sie von der deutschen Polizei erwischt.
Die illegal erworbenen Kartoffeln und Äpfel muss sie wegwerfen.
Von Tante Margarete Hebbeln, die in Dithmarschen auf einem Hof
lebt, bekommt sie gelegentlich ein Paket mit Eiern, fest in Heu
eingepackt. Erst mit der Währungsreform 1948 wird die
Versorgungslage besser. Von ihrem Kopfgeld von 40 Mark, das jeder
erhält, kauft sie sich für eine Mark einen Blumenkohl.
Zuhause bleibt es im Winter kalt. in der Gryphiusstraße 3 läuft
die Zentralheizung vom Mai 1945 bis zum September 1949 nicht. Es
gibt keine Kohle. In der Küche funktionieren der Gasherd und eine
Brennhexe zum Wärmen. Davon wird die nicht einmal die Küche warm.
Dicke Eisblumen an allen Fenstern. Zum Schlafen legen sich Karin
und ihre Mutter unter je zwei Federbetten. Sie tragen im Bett
Strickjacke, Strümpfe und Schal. Wenn Karin trotzdem fror, konnte
Elwine nur sagen:"Zieh dich warm an!" Karin mit 95:"Es war gemein
von den Engländern. Aber wir waren auch gemein."
Der Winter 1946/47 ist besonders kalt. Wochenlang herrschten
Temperaturen bis minus 25°. Zu essen gibt es oft nur in Wasser gar
gekochte Steckrüben. Als Familie Johler einmal einen Maggiwürfel
geschenkt bekommt, wird daraus ein Festessen.
Besser wird es erst mit der Währungsreform. Es gibt 40 Mark pro
Kopf. Karin kauft sich davon einen Blumenkohl, für eine Mark. Ihre
Mutter kommentiert: "Viel Geld!"

Hamburg, 21.8.1948. Karin Johler heiratet Georg Lauritzen
aus Morsum/Sylt in St. Johannis, Hamburg Eppendorf. Die Trauung
führt Pastor Gerber durch. In dieser Kirche wurden Karin und ihre
Geschwister Ekkehard und Roland auch konfirmiert (bei Pastor D.
Heitmann). Sie liegt besonders nah an der Wohnung in der
Gryphiusstraße. Das Hochzeitskleid ist geliehen, von Inge Marx,
einer Freundin. Die hatte das Kleid auch schon geliehen. Der Stoff
ist Gardinenstoff. Die Zeiten sind schlecht. Onkel Ingo spendiert
300 Mark für die Feier. Der einzige Luxus besteht aus der
Pferdekutschfahrt von der Gryphiusstraße zur Kirche St. Johannis
und zurück. Die Kutsche stört den Verkehr nicht. Es gibt kaum
Autos.
Gefeiert wird bei Karins Mutter Elwine zuhause im Wohnzimmer. Mit
20 Personen. Das durch eine Schiebetür erreichbare Esszimmer kann
nicht genutzt werden. Dort wohnt im Rahmen der
Wohnungszwangsbewirtschaftung ein vom Wohnungsamt einquartiertes
Ehepaar. Die besonders schmalen Tische und Stühle sind von einem
auf solche Besonderheiten eingestellten Unternehmen für den Tag
geliehen. Hier die Sitzordnung, geplant von Elwine Johler - ein
Foto der Feier gibt es nicht:

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e-mail
an ekkehard lauritzen
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Karin Runtraut Elwine Johler
*7.2. 1925 in Morsum
+2.9.2022 in Hamburg
Tochter von
Daniel Gustav Hans
Johler
und
Katharina Julie Elwine
geb. Ude
Karin
Johler heiratet am 21.8.1948 Georg Lauritzen.
Alsterratten
Karin Johler war Mitglied bei den Alsterratten. Die Alsterratten
sind ein Mädchenclub, der auf der Alster segelt. Er feiert 2004
sein 75-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der Verein als
Gegenstück zu dem Jungensegelclub Alsterpiraten.
Karin war Mitglied von 1941 - 1945. Mitgliedsbeitrag 1,50 RM
im Monat. Es gab ein Boot, eine O-Jolle. Ihr Name könnte Alsteratte
gelautet haben. Die Jolle lag zunächst bei Karl Reich am Steg,
Segelnummer 308. Als der Steg zerbombt war, zog man zum noch
unbeschädigten NRV-Steg (Norddeutscher Regatta Verein). Da das
Segel des Boots durch Kriegseinwirkung verbrannte, wurde ein
Neues angeschafft: Nr. 298. 1945 beschlagnahmten die Engländer
das Boot.
Chefin des Vereins war zu der Zeit Hilde Kehrhan (von Aufzug-Kehrhan).
Die Mitglieder jener Zeit waren neben Karin Johler
-Gisela Classen verh. Mordhorst
-Ingrid Peters verh. Heisler,
-Gerda Haltermann verh. Schaffner.
Karin Lauritzen schließt die Hans-Schemm-Schule am Hamburger
Stadtpark mit der Mittleren Reife ab. Heute ist dort die
Heinrich-Hertz-Schule untergebracht. Am Ende ihrer Schulzeit ,
im damals sogenannten Oberbau, lernt sie Ingrid Lassen kennen.
Deren Geburtsort Morsum macht sie stutzig. Ingrid Lassens Mutter
ist eine Tochter des Regierungsbaurats Griebel aus Keitum, der
den Sylter Abschnitt des Dammbaus verantwortete. Er ist Karins
Taufpate. Eine andere Tochter des Ingenieurs Griebel trifft
Karin anlässlich des 75. Jubiläums der Dammbaueinweihung in
Morsum.
Nach dem Abschluss der Schule will Karin gern Kunstgewerblerin
werden. Basteln liegt ihr und macht ihr Spaß. Die Ausbildung am
Lerchenfeld in Hamburg ist aber nicht mehr möglich, weil die
Schule im selben Jahr geschlossen wird. Sie erscheint wohl nicht
mehr bedeutsam für den Krieg. Irgendwie wird sie auf eine
jährlich stattfindende Ausstellung von Produkten aus der
Kindergärtnerinnenausbildung aufmerksam und sieht, dass auch
dort viel gebastelt wird: Puppen, Holzsachen und Fotoalben. Also
macht sie diese Ausbildung am Fröbelseminar.
Über
Liebe im Krieg: Karin und Erhard
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