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Zweiter Besuch in Estland - Abstecher nach Lettland
Spurensuche 2004

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Hamburg,

Tallinn / Reval

Meine Urahnen Bernhard Frank, geboren in Reval (heute: Tallinn) 1811, und seine Frau Helena Johannson, geboren in Reval 1816, veranlassen uns zu einem zweiten Besuch in Estland.

Aus dem Tallinner Stadtarchiv haben wir erfahren, in welchen Häusern die beiden aufwuchsen. Mit dem Finger auf dem Stadtplan haben wir die Stellen schon zu Hause geortet.


Im Tallinner Rathaus können wir mit Hilfe des dort ausgestellten Stadt-Modells die Strukturen von 1825 erkennen. Unten die im Modell von 1825 noch zerstörte Olaikirche, Taufort der beiden Urahnen. Bernhard Frank wuchs in der Straße Lai 26 auf. Sie führt von der Olaikirche nach rechts oben. Seine Schule, vermutlich das Gustav-Adolf-Gymnasium in der Unterstadt, liegt rechts an der Stadtmauer. Seine zukünftige Frau Helena Elisabeth Hanson wohnte links hinter dem Rathaus in der Strasse Raekoja 10. Das Rathaus mit seinem charakteristischen Turm findet sich in der Mitte des Fotos hinter dem Rathausplatz. Rechts im Bild liegt die Oberstadt. Alle Orte sind per Onmouseover-Effekt auf dem Foto beschriftet.
Per Klick ruft man das Vollbild auf
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Hier ein zweites Vollbild aus anderer Perspektive
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Lai 26. In diesem Haus ist Bernhard Frank *1811 aufgewachsen. Unten befindet sich eine Bar.Wir gehen rein.



Die Wirtin erzählt uns, daß das Haus jetzt einem estnischen Arzt gehört, der auch Mitglied des nationalen Parlaments ist. Direkt hinter der Kirche liegt das noch heute existierende Gustav-Adolf-Gymnasium, vermutlich auch die Schule Bernhard Franks.



Von draußen sieht man, wie die ganze Straße Lai von der Olaikirche dominiert wird. Verständlich, daß Bernhard Frank dort auch getauft wurde. Lai 26 ist das gelbe Haus rechts.



Im Inneren der Olaikirche ist die Renovierung des Jahres 2003 abgeschlossen.

Weiter zum Wohnhaus seiner späteren Frau Helena Johannson.


Raekoja 10. In dem Haus links hinter dem Tallinner Rathaus wohnte Helena Johannson *1816. An dieser zentralen Lage sind wir schon bei unserem früherem Besuch oft vorbeigelaufen, ohne dessen familiengeschichtliche Bedeutung zu ahnen. Onmouseover ein Foto aus dem 19. Jahrhundert aus ähnlicher Perspektive.



Unten im Haus verkauft ein Andenkenhändler den vorbeiziehenden Touristen Mitbringsel.



Die Tür rechts führt zu den Wohnungen über dem Laden.

In Tallinn arbeitet um 1900 Adelheid Constanze Frank als Leiterin einer Kinderbewahranstalt. Wir besuchen eins der Häuser, in denen sie tätig gewesen sein könnte.

Leicht zu finden ist das Haus in der Straße Pärnu 102. Dieses Haus, gebaut von 1876-1880, beherbergt ab 1896 das Kinderheim des Diaconissen-Vereins. Ich gehe davon aus, dass die tiefreligiöse Adelheid Constanze Frank, Tochter von Bernhard und Helena Frank, hier als Leiterin gearbeitet hat. Es gab zu der Zeit nur drei Kinderbewahranstalten und die beiden anderen waren für orthodoxe Mädchen bzw. nicht konfessionell gebundene Kinder bestimmt.


Ein imposantes Haus. Das Innere ist enkernt und in moderne Büroräume ganz unterschiedlicher Firmen umgewandelt worden. Nur die abgewetzte Steintreppe im Treppenhaus scheint noch original zu sein.



Von hinten ist der Holzanbau gut zu erkennen.




Rechts vom Haupthaus steht dieser verlassene Holzbau.

Von der Straße Pärnu geht es weiter in den gleichnamigen Ort. Hier lebt im 19. Jahrhundert Bernhard und Helena Franks Tochter Christiane Elisabeth Frank. Sie heiratete den Pastor an der Pernauer Elisabethkirche Wilhelm Bergwitz.


Wilhelm Bergwitz war hier Pastor von 1863 bis zu seinem Tode 1881.



Mit einem der jetzt hier tätigen Pastoren versuche ich vergeblich, das Grab der Familie Bergwitz zu finden. Die Grabsteine auf dem alten Pernauer Friedhof sind jedoch weitgehend zerstört, kirchliche Unterlagen über Belegungen befinden sich sofern noch vorhanden in Tartu.



Das städtische Museum in Pärnu präsentiert mir aus seinem Archiv ein Foto von Wilhelm Bergwitz.




Die Elisabethkirche in Pernau um 1866.




In diesem Pastorat in der Straße Kuninga 30 in Pernau wohnte die Familie Wilhelm Bergwitz zu seinem Amtsbeginn. Damals sah das Haus allerdings erheblich bescheidener aus:



Kein Wunder, daß zu jener Zeit für Pastor Wilhelm Bergwitz von der Elisabethkirche ein größeres Gebäude gesucht wurde. Obiges Foto stammt aus dem Jahre 1866. Das Haus wurde 1798 in dieser Form für die Unterbringung der Pastoren gebaut.



Das für Wilhelm Bergwitz und Familie damals neuerbaute Pastorat steht noch. Die Straße heißt jetzt Pühavaimu 21, das Haus wird privat genutzt. Die heutigen Pastoren der Elisabethkirche würden hier vermutlich auch gern wohnen. - In diesem Haus lebte nach dem Tod ihres Vaters 1870 vermutlich auch die Schwester von Christiane Elisabeth Bergwitz geb. Frank, Christiane Elisabeth Frank und hat hier ihren späteren Ehemann Oskar von Hohenhausen kennengelernt. Beide wohnten nach ihrer Eheschliessung um die Ecke in der heute so genannten Straße Tammsaare 6, wo sie ihre Pension Villa Hohenhausen betrieben. Hier bekamen sie 1893 auch Besuch von Elwine Lampe später verheiratete Ude aus Lübeck während ihrer Reise nach Estland. Sie ist eine Enkelin von Bernhard Frank. Viele Briefe an ihren Vater in Lübeck sind noch erhalten.




Dieses Foto aus der Zeit um 1930 zeigt, dass umfangreich vermietet werden konnte. Damit entsprach Oskar von Hohenhausen vermutlich einer Bedingung der Stadt, die um 1890 in dieser Region Grundstücke verschenkte, wenn innerhalb von zwei Jahren eine hölzerne Villa mit Veranda und Vordergarten errichtet wird und mindestens 4 Zimmer zur Vermietung bereit stehen (vgl. Pärnu Muuseum (Hrg.), Brief History of Pärnu, , Pärnu 2002, S. 101).
1889 war dieses Gebiet noch kommunale Viehweide. Die Tammsaare, früher Promenadenstrasse wurde erst um 1890 auf die heutige Länge erweitert. Nähere Hinweise enthält der Stadtplan von Pernau aus dem Jahre 1889:
Überblick

Strassenverzeichnis

Strassenkarte




Die gesägten Ornamente sind typisch für die in dieser Zeit errichteten Strandvillen. Im Stadtarchiv finden wir in einem touristischen Almanach von 1927 (Teine AASTAKÄIK Pärnu Supelus Almanal Suvehooaeg 1927 Oma Kirjastus) die Pangsion Hohenhausen verzeichnet.

Nach diesen Recherchen fahren wir voller Spannung in die Straße, die heute Tammsaare heisst. Ihr früherer Name war Promenaadi tän. Wir steuern die Nummer 6 an:

Der Holzbau ist abgerissen, dafür wurde viel Holz in Beton investiert.



Wir setzen uns auf die Terrasse und geniessen den Blick auf das Gegenüber - eine Holzvilla. - Bäume in der Mitte der zweispurigen Strasse finden sich auch auf dem Foto der Villa Hohenhausen aus den dreissiger Jahren. Vielleicht hat Oskar von Hohenhausen die Pflanzung verfolgt. Auf jeden Fall kennt er den Pärnu Kuursaal, der ganz in der Nähe 1893 eröffnet wurde.



Blick auf den Pärnu Kuursaal aus der Musikmuschel heraus. Die holzgesägten Giebel deuten darauf hin, daß dieses Gebäude original erhalten ist.



Im Kuursaal von Pernau hängt links an der Wand ein ausgestopfter Elchkopf. Da es diese Tiere hier schon lange nicht mehr gibt, mag es sein, daß Onkel Oskar von Hohenhausen ihm bereits vor 100 Jahren in seine glasigen Augen geguckt hat.



Die Gebührenordnung belegt die angebotenen Kuranwendungen genauso wie die sozialen Zwänge des Badens im Meer aus Karren heraus. Geschlechter wurden in unterschiedlichen Strandabschnitten strikt getrennt. Aber schon 1904 wurde ein allerdings eingezäunter Strandabschnitt für das Nacktbaden und -sonnen freigegeben. Es gab einen Familien- und einen Hundestrand. Die getrennten Strandabschnitte existierten bis in die 20er Jahre.


Oskar von Hohenhausen hat auch als Gutsverwalter gearbeitet. Er war um 1890 auf dem Gut Paltemal tätig. dieses gut gehörte damals der deutschstämmigen Rigaer Familie
Eugen Kyber gehörte. 1891 besucht Elwine Ude, 17, Onkel Oskar in Paltemal und lernt dort auch die Kinder des Gutsbesitzers kennen: Manfred und Wladimir Kyber. Sie schreibt, dass sie mit den Jungen trotz ihres kindlichen Alters (ca. 10 und 12) recht gute Unterhaltungen führen kann. Manfred Kyber (1.1.1880 - 10.3.1933) wird später Schriftsteller.

Wir machen uns auf den Weg nach Paltemal.

Aus Briefen von Elwine Ude wissen wir, Paltemal liegt in Fussgängerweite nördlich des Bahnhofs Augsligatne an der Bahntrasse Riga - Moskau.Im dortigen Postkasten hat sie all die erhaltenen Briefe eingesteckt. Die Karte zeigt uns dort den Ort Paltmale an. Er ist nicht ausgeschildert. Diese Allee sieht wie eine Gutsauffahrt aus. Wir versuchen unser Glück.



Die Maschinenführerin einer Baumschälmaschine bestätigt uns, dass wir in Paltmale sind. Wir sehen uns um.


Neuhässliche Zweckgebäude reihen sich um einen zentralen Hof. Von einem Gutshaus keine Spur. Wir stehen im Zentrum eines Sägewerks. Die Allee, die wir genommen haben, setzt sich am anderen Ende des Hofes weiter fort. Von dort kommen unablässig Holzlaster auf den Hof gefahren.





Das linke Hausteil könnte alt sein. Wir fotografieren und fallen sofort auf. Anwohner gesellen sich zu uns.



Der alte Mann versucht uns mit Hilfe einer Zeichnung im Strassensand zu erklären, dass Krieg und Feuer die ursprünglichen Häuser zerstört haben. Die ehemaligen Besitzer seien nach Amerika gegangen, ergänzt eine junge Frau.


Die Bäume der Allee sind geblieben seit Oskar von Hohenhausen hier gearbeitet hat. Möglich, dass die Anlage auf seine Planungen zurückgeht.



Die Umgebung des ehemaligen Gutes Paltemal.




Die Umgebung des ehemaligen Gutes Paltemal.



Am Bahnhof von Ligatne hat Elwine Lampe 1893 Briefe an ihren Vater nach Lübeck eingesteckt. Der Neubau ist architektonisch enttäuschend.



Wir verabschieden uns von Paltemal und nehmen eine sehr viel anschaulichere Vorstellung vom Leben unserer Vorfahren mit nach Hause als die, die die Briefe von Elwine Ude vermitteln können.


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Bernhard Frank 1811-1870












































































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© Ekkehard Lauritzen


Olaikirche Strasse Lai Lai 26, Wohnort von Bernhard Frank Rathaus von Reval Wohnhaus von Helena Johannson