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Lübeck, 3.9.1919. Elwine Ude(23) heiratet
Pastor Hans Johler(37). Die beiden stehen auf der Treppe ihres
Elternhauses Schillerstraße 8.

Links neben dem Hochzeitspaar sitzt Elwines Großvater, der
Lübecker Kaufmann Adolf Lampe,72. Rechts hat man Julie Ude,
platziert, die Großmutter von Hans. Auch sie ist 72 Jahre alt.
Die Hochzeitsfotos werden alle draußen gemacht, weil
Innenaufnahmen zu der Zeit fast nur in Fotostudios möglich sind.
Nur dort gibt es genug Licht. Diese Fotos sind deshalb im Garten
des Hauses Schillerstraße 8 entstanden.

Alle Hochzeitsgäste (v.l.)oben:Freund, Mimi (Wilhelmine) Dimpker
geb. Krickhuhn, Vater Rudolf Ude, Ruth Mause, Freund, Walter
Heyesen, Rudolf Ude jun.
sitzend:Maria Ude, Mutter Elwine Ude, Brautpaar, Julie Ude,
Adolf Lampe, Tante Thiel (Nachbarin)
unten: Inge Ude, Gerda Ude (Cousine), Heinrich Ude.
Die Hochzeit findet in St. Marien zu Lübeck statt. Elwines
Bruder Rudolf Ude spielt die Orgel.

Am Hochzeitstag erreichen das Hochzeitspaar etliche
Glückwunschtelegramme von Freunden, Kolleginnen und Verwandten.
Hans Johler hat sie zu einem Buch zusammenbinden lassen. Hier
zwei Beispiele:

"Klarblauer Himmel, Sonnenschein
Just so wie heut, mög immer sein,
Wenn ihr froh wandelt, Hand in Hand
Den Lebensweg im Ehestand:
Besonders wünschen Glück und Segen
Der Frau die früheren Kollegen."

Aus Morsum gratuliert nicht nur der Kirchenvorstand. Auch sehr
viele Familien aus seiner Gemeinde schicken eigene Telegramme.
Ich führe ich die Absender der Telegramme in der rechten Spalte
unten alle namentlich auf.

Am Tag nach der Hochzeit reisen Hans und Elwine Johler nach
Morsum. Sie kleiden sich dafür entsprechend aufwendig.

Lübeck, 4. Mai 1919. Zur Verlobung von Hans und
Elwine trifft man sich in ähnlicher Formation:
v.l.oben:unbekannt, Mimi Dimker, Elwine und Hans, Irmgard und
Ingo Johler, Vater und Sohn Rudolf Ude.
v.l.Mitte: Nachbarin Tante Thiel, Elwine Ude, Marie Johler,
Julie Ude, Gustav Johler, Adolf Lampe.
v.l. unten: Hein und Inge Ude, Karlaugust Johler.

Hier ein Foto aus der Verlobungszeit.
Elwine Johler erzählt 1978, wie es zu ihrer Verlobung mit Hans
Johler kam. Hier zu hören
Ladezeit geduldig abwarten.
Während der Verlobungszeit hat Hans Johler Elwine Ude
häufig in Hamburg besucht. Öfter fährt er nach der Fährankunft
in Hoyerschleuse noch mal kurz nach Esbjerg in Dänemark. Dort
kauft er Schmuck für seine Verlobte. In Morsum ist der nicht zu
kaufen. Eine Bernsteinkette gehört dazu. Als Elwine sie während
eines Besuchs bei ihrer künftigen Schwiegermutter Marie Johler
trägt, kritisiert sie spitzzüngig:"Was ist denn das für eine
Kuhkette!" Marie Johler will nicht, dass ihre Kinder heiraten.
Sie ist wohl eifersüchtig. Hans Schwester Irmgard redet sie eine
Heirat mit einem Arzt aus:"Der will nur dein Geld!"

Morsum ca. 1920. Blick von Nordwesten auf das Pastorat.
Die Scheune mit Stall links wurde erst in den 1970er Jahren zu
einem Gemeindesaal umgebaut.

Blick auf das Pastorat aus Südwesten.
Zum Pastorat gehört seit langem auch ein landwirtschaftlicher
Betrieb.So wie alle anderen im Dorf wird auch Hans Johler
notgedrungen zum Selbsterzeuger von Nahrungsmitteln. Die Wiesen
um das Pastorat herum gehören der Kirche. Im Jahr 1917 kauft
Pastor Johler eine Kuh, die sein halbes Jahresgehalt kostet. Zu
der Zeit gilt in Morsum zudem das Recht auf freie Weide am
Straßenrand. Die Tiere finden abends ihren Weg allein nach
Hause. Wenn Pastor Johler sonntags zur Kirche geht, passiert es
immer mal wieder, dass seine Schafe ihn als Halter erkennen und
ihn ein Stück seines Weges zum Gottesdienst begleiten. Die
Landwirtschaft wird erst 1926 aufgegeben. Im Pastorat gibt es
bei seinem Dienstantritt wie überall im Dorf weder fließend
Wasser noch Elektrizität. Handpumpe und Petroleumlampen sind
Standard. Das Plumpsklo steht zunächst noch vor dem Haus, wird
dann aber in den Stall integriert.

Morsum ca. 1920. Blick von Süden.
Nach der Zählung von 1924 hat die Gemeinde 497 Einwohner. Zum
Ostergottesdienst 1924 kamen über 200 Personen, " Eine sehr
gefüllte Kirche" kommentierte Elwine Johler in einem Brief.
Durchschnittlich kommen zu den Predigt-Gottesdiensten 1925 49
Erwachsene (Abendmahl 99). 1921 waren es 55 Besucher.
  
Morsum. ca. 1919. Die Kirche mit der
alten Dorfschule.

Morsum, ca.1915. Irmgard Johler zu Besuch bei
ihrem Bruder Hans. Hier steht sie untergehakt mit Frau Tönissen,
von der Irmgards Mutter zwei Seemannstruhen kauft. Eine ist von
1717. Beide sind noch in Familienbesitz.

Morsum 1919.

Morsum, April 1921. Pastorat. Elwine Johler guckt zur Pöster
raus.Ihr gefällt das Foto:" Wat n staatsche Pastorenfru!" Doch
das Leben im Pastorat ist nicht einfach. Zunächst heißt es
putzen. Nicht umsonst hat sie den Spitznamen Wine Wisch.
Überall im Pastorat kleben Spinnweben und liegt Staub: Küche und
Bücherregale nennt sie ausdrücklich. Monatelang ist sie damit
beschäftigt. Wasser gibt es hier nur aus der Handpumpe im Stall.
Kein Vergleich zu ihrem Leben in Lübeck. Deshalb hätte es Elwine
gern gesehen, wenn die Familie wegzieht.
Elwine ist im Dorf nicht nur Ehefrau von Hans Johler, sondern
auch Frau Pastor. Damit wird sie ebenfalls Ansprechpartnerin für
die Gemeinde. Einmal -so berichtet sie- kam eine Dorfbewohnerin
zu ihr und sagt:"Dit es ja riin tö lachin! Min Man is al weder
duar." Die Frau war verwitwet und hat wieder geheiratet. Auch
ihr zweiter Mann war gerade verstorben.

Morsum, April 1921. Elwine Johler im Morsumer
Pastorat bei der Küchenarbeit. Neben ihr ein Ferienkind aus
Berlin. Das Foto hat Elwines Bruder Rudolf gemacht. Elwine lobt
es in einem Dankesbrief als "so professionell dunkel, tadellos
wirklich, auch das Fenster wirkt interessant, ich wusste gar
nicht, dass Du das schöne Narzissensträußchen da hingestellt
hast und finde es nun unvergänglicher Schönheit wieder."

Morsum,6.1.1922. Elwine mit Sohn Ekkehard im Morsumer
Pastorat.
Dieses Foto schießt und entwickelt Nachbar Andreas Lauritzen,
der spätere Schwiegervater der noch nicht geborenen
Tochter Karin Johler.
In diesem Winter friert das Wattenmeer zu. Pastor Johler
überquert das Eis zum Festland zu Fuß am 9. und 13. Februar
1922.

Morsum, 1922. Hans und Elwine Johler mit Sohn Ekkehard vor dem
Morsumer Pastorat.

Morsum, 21.10.1922. Ekkehard Johler ist ein
Jahr alt geworden!

Morsum, 8. Sept. 1924. Pastors Kuh mit Sohn
Ekkehard.
Der landwirtschaftliche Betrieb im Pastorat, der im Notjahr 1917
eingerichtet wird, bleibt bis zum Januar 1926 erhalten. Die 1.
Kuh kostet 1917 das halbe Jahresgehalt des Pastors Johler. Jens
Booysen berichtet 1828, dass Prediger nicht nur von den zum
Pastorate gehörenden Ländereien leben, sondern vom Ertrag des
"Klingelbeutels" am Neujahrstag, Gebühren für Heiraten,
Beerdigungen, Konfirmationen sowie für Geburts- und Taufscheine.
Im Hintergrund der "Sylter Hof".
Ehefrau Elwine Johler lernt bald nach ihrer Ankunft auf Sylt
notgedrungen das Melken. Jensine Cristine Matzen geb. Feddersen,
die in dem Haus wohnte, das später Axel Springer am Morsumer
Golfplatz gehörte, bringt es ihr bei. Nach ihrer "Prüfung" gibt
es großes Lob:"Riin üt!", also alles heraus. Die Kuh war
ausgemolken. Wie wichtig das ist, wissen nur die Bauern. Wird
die Kuh nicht richtig ausgemolken, hört die Milchproduktion
schnell auf. Auch Hausschweine mussten geschlachtet werden.
Dafür wird ein Hausschlachter engagiert. Doch für Elwine
bedeutet das viel Arbeit. Trotz der Haushaltshilfe(n). Im ersten
Jahr ihrer Ehe ist das Sara Mattessen, eine geschiedene Frau,
deren sozialer Status damals besonders niedrig war. Hans Johler
beschäftigte sie, weil sie sich mit einem Haushalt auf dem Lande
auskennt. Das Fleisch, die Wurst und die Brühe müssen eingemacht
werden. Eine neue Erfindung wird eingeführt: Einmachgläser von
Weck aus Glas mit Gummiring, teuer, aber eine
Arbeitrserleichterung. Alle Utensilien werden wieder
abgewaschen. Das Wasser gibt es aus der Pumpe im Stall. Erhitzt
wird es auf dem Ofen. Dort wird natürlich auch gekocht.
Für die Lübeckerin Elwine ist das ungewohnt. Sie würde lieber in
eine Stadt auf dem Festland ziehen. Dann wäre es auch leichter,
ihre Eltern zu besuchen. Den Damm gibt es ja noch nicht. Hans
sieht das ähnlich. Seine Familie wohnt in Hamburg. Auch vom
Keitumer Pastor wird berichtet, dass er wechseln will. Für beide
sind aber keine Pfarren auf dem Festland frei. Also heißt es
bleiben.
Im heißen Sommer 1923 schreibt Hans Johler aus Hamburg an Elwine
in Morsum:"Bei der Hitze muss die Kuh mittags zum Wasser (nicht
zu kalt, Teich oder rechtzeitig gefüllte Tonne) auch
Schafe, besonders Mutterschaf muss getränkt werden.Sollten Leute
dringend raten, Gras zu mähen, muss Georg Schnoor Bescheid
haben. - Übrigens sammelt die Kuh bei der Wärme rascher Milch
und muss 3x oder wenigstens früher etwa 5 Uhr gemolken werden.
Dies liegt mir sehr am Herzen."
Schon 1920 schreibt Hans Johler seiner Elwine, die gerade in
Lübeck ist, Neues aus ihrer gemeinsamen nebenbetrieblichen
Landwirtschaft:"Gestern, Dienstag, sind bei dem Regenwetter 4
Kaninchen gestorben und ein Küken. Heute hat der Enterich 1
Entenküken gemordet. Die weiße Ente hat kürzlich aus beiden
Eiern richtig 2 Küken rausgekriegt. Sowie der Enterich die Tiere
sieht, tritt er sie und wirft sie in die Luft. Daher wurde er
mühsam eingesperrt. Ich wusste das nicht, und in wenigen Minuten
hatte er sein 1. Opfer hinter meinem Rücken gekriegt."

Herbst 1925. Wieder die Kuh von Pastor Johler
auf der Fenne neben dem Pastorat mit Tilly Hinsch, 17, aus
Tritttau. Jetzt haben die Johlers 2 Hausmädchen. Mit zwei
Kindern ist die Arbeit nicht mehr zu schaffen. Elwine ist aber
nicht recht zufrieden. Sie schreibt : "Margot ist sehr eifrig
und nimmt mir viel Arbeit ab, sie kriegt allerlei geschafft.
Tilly dagegen ist noch ein rechtes Füllen, das dreimal
nachfragt, ehe es etwas anpackt und dann geht es auch nur
langsam. Aber wir werden auch so fertig. Tadellos sauber sind
alle beide nicht, besonders in der Küche vermisse ich das
schwer. Aber da hilft gar nichts, man versucht es zu Anfang
natürlich, ihnen beizubringen, und sieht bald ein, dass es
vergeblich ist."
Auch Elwine stößt beim Putzen immer wieder an ihre Grenzen. Sie
schreibt 1924 an Ihre Mutter: "Wenn ich was vom „gründlichen
Reinmachen“ höre, wird mir schlecht. Oh, diese alte Mäuseburg,
könnte sie doch in diesem Jahr schon meine Nachfolgerin
scheuern."

Morsum, 29.6.1924. Hans Johler schiesst dieses Foto
von seiner Frau Elwine und seinem Sohn Ekkehard
für seinen Vater Gustav Johler. Es soll seinem Vorschlag nach
in die Bildergalerie im Frühstückszimmer in der
Bärenallee in Hamburg eingereiht werden. Vater Hans nennt
seinen Sohn hier Ekkemann
(gemäß Vermerk auf der Bildrückseite).
Im Dezember 1924 bekommt das Pastorat eine Fernsprechanlage.

Großmutter Elwine Ude mit ihrem ersten Enkelkind Ekkehard
Johler. Sie trägt ihr goldenes Medaillon, das über Generationen
weitervererbt wird.

Morsum, Pastoratsgarten ca. 1923. Hans und
Ewine Johler (l.) haben Besuch von ihrem Bruder Rudolf und
seiner Frau Trudel aus Mölln. Auf dem Arm von Trudel wird
Ekkehard gehalten.

Morsum, ca. 1923. Die Ostseite des Pastorats.
Aus dem Fenster lehnt sich möglicherweise Tilly Hinsch, die bei
Ewine Johler den Haushalt unterstützt.

3. Mai 1924. Ein Vier-Generationen-Bild mit
Urgroßmutter Julie, Großmutter Elwine, Mutter Elwine und
Ekkehard Johler.
Sylter Weststrand, 12.8.1925. Hans und Elwine (r.)
Johler mit ihren damaligen Haushaltshilfen Tilly Hinsch (l.) aus Trittau. und
Margot Schmidt aus Berlin während eines gemeinsamen Ausflugs.

Morsum, 21.6.1925.
Elwine Johler mit ihrern Kindern Ekkehard und Karin. Die beiden
und auch der noch folgende Sohn sind Hausgeburten. Die Hebamme
in Morsum ist zu der Zeit Dora Heicksen Sie hat selbst 7 Kinder
geboren und kennt sich aus. Gelernt hat sie ihren Beruf aber in
Kiel. Hans Johler beschreibt in einem vierseitigen Brief an
seinen Schwiegervater die anstrengende Geburt. "Auch ich musste
einspringen, da man mich am liebsten noch zur Hilfestellung
haben wollte. Das Ende von 4 Tagen und 3 Nächten Qual war da. Um
4 Uhr wurde uns vom Geschick eine Tochter anvertraut...Frau
Heicksen hatte abwartend und tatkräftig, je nachdem, aber immer
gewissenhaft offenbar gearbeitet. Wenigstens blieb Elwine ohne
Schaden."
Die Liste von Karins Taufpaten ist lang. Neben Reichspräsident
Hindenburg aus Berlin sind es Großmutter Maria Johler aus
Wandsbek mit ihrer Tochter Irmgard, Großmutter Elwine Ude aus
Lübeck, Alice und Anni Matzen aus Morsum, die
Regierungsbaumeister Ludwig Griebel aus Keitum und Erich
Weinnoldt aus Rodenäs, die von jeweils ihrer Seite den Dammbau
nach Sylt verantworteten. Außerdem der Techniker Johannes Peters
von Nösse, ebenfalls beim den Dammbau beschäftigt.
Den eleganten Kinderwagen mit den großen Rädern hat Hans Johler
bei HB Jensen in Westerland gekauft. Für den erstgeborenen
Ekkehard stand nur ein geliehener hölzerner Stubenwagen bereit.
Nachdem er aus ihm herausgewachsen war, musste das Kind getragen
werden bis es laufen konnte; zu erkennen auf den hier
veröffentlichten Fotos. Das wollte Elwine nicht noch einmal
durchmachen. Bei Karin und Ekkehard leistet der Kinderwagen gute
Dienste.

Vogelkoje, 4.6.1925. Familienausflug der Familie Johler
mit Freunden aus Morsum. Mit dabei sind rechts von Hans Johler
Getje Lauritzen mit ihrem Sohn Georg Julius, der spätere
Schwiegersohn von Elwine und Hans. Ekkehard Johler im
Matrosenanzug. Ganz rechts Elwine Johler.
Die Familien Johler und Lauritzen sind Nachbarn. Bevor die
Eisenbahn das Dorf zerschnitt, gab es eine direkte
Straßenverbindung zwischen beiden Häusern. Auf alten
Karten des Dorfes kann man das mit einer guten Portion
Ortskenntnis erkennen.
Der Pastor von Morsum/Sylt, 42, in seiner Amtstracht (1920).
"Pastor Johler machte auch Hausbesuche. Besonders bei denen, die
es etwas knapp hatten. Auch wenn sie keine eifrigen Kirchgänger
waren. Er kam in der Dämmerstunde und erkundigte sich bei ihnen
wie es denn so gehe. Wenn es dann dunkel geworden war,
verabschiedete er sich und wünschte alles Gute und Gottes Segen.
Wenn dann nachher die Petroleumlampe angezündet wurde, lag oft
eine Tüte mit Grütze oder Graupen auf dem Tisch und alle konnten
wieder einmal satt werden. - Diese Geschichte hat mir Sören
Schmidt erzählt. Er sagte darauf:"Pastor Johler war ein Mensch,
der uns nie beschämt hat."(Berthin Hansen, Enkel von Küster
Hansen aus Morsum)
Sören Schmidt ist am 23.6.1895 in Morsum geboren und 1973
gestorben. Beerdigt wurde er in Westerland.

Koko ist der Maler Friedrich Albin Koko-Mikoletzki (1887 –
1981). Während eines kurzen Aufenthalts auf Sylt wohnt er im
Morsumer Pastorat. Sein Auftrag ist, Portraits für Peter Fix zu
malen. Die Firma Peter Fix Söhne, Duisburg, baut den
Hindenburgdamm von Sylt aus. Als Dank für die gastgebende
Familie Johler schenkt er ihnen dieses Bild vom Morsum Kliff und
ein weiteres vom Keitum Kliff. Und er schreibt ein Gedicht in
das Gästebuch:
"30. September bis 10. Oktober 1925
Einst macht ich mich auf meine Beene
Zu malen Peter Fixens Söhne:
„Andreas“, der den Dammbau machte,
Dass fast die ganze Insel krachte,
Der saß dafür mir zu Modell.
Er war ein köstlicher Gesell
Und köstlich war sein Wein,
Den er mir oft goß ein.
Er sagte mir:
Zum Nachtquartier
Empfehl ich dieses Häuschen hier.
So klopft` ich abends an die Hütte
Und brachte vor gleich meine Bitte.
Man war darüber dort verblüfft,
Wie man das manchmal eben trifft.
Ich tat, als merkte ich es nicht
Mit unschuldsvollem Angesicht….
Da stellte sich gar bald heraus
Ich war in Morsums Pastorhaus;
Und nun begriff ich erst voll Scham,
Wie sonderbar ich mich benahm.
War erst ein wenig noch geknickt
Doch dann: Das hat Dir Gott geschickt,
Und da ich aufgenommen ward,
Fand ich die Sache recht apart:
Mit Schlagsahne – ach es war toll-
Füllt ich den Magen oft mir voll;
Und konnte mich auch nicht erwehren
Ganz heimlich Äpfel zu verzehren
…Ich wußte, daß es Diebstahl war,
Gestand dies auch dem Pastornpaar…
Und für die vielen guten Sachen
Wollt ich nun auch was Gutes machen,
So öffnet ich das Kirchentor
Und nahm mal all die Bilder vor.
Der Zahn der Zeit hatt´ sie zernagt
Ich restauriert´ sie unverzagt
Und hoff´, daß auch die Kirchenväter
Sich dran erfreuen würden später,
Und wünsch, dass auch das Pastornpaar,
Bei dem ich etwas länglich war
An mich denkt dann ein wenig gerne,
Wenn ich verweil in weiter Ferne. Koko"
So wie Koko werden immer wieder in Morsum gestrandete
Quariersuchende von den einheimischen Bauern ins Pastorat
geschickt. Sie wollten nicht Fremden helfen. Der Pastor bietet
ihnen Übernachtungsmöglichkeiten. Als Dank tragen sie sich ins
Gästebuch ein.

Auch diesen Blick von Keitum auf das Watt malt der Gast von
Familie Johler.

Morsum, 23.5.1926. Hans Johler mit Sohn Ekkehard Im
Garten vor dem Pastorat. Auf der Schaukel Elwine Johler.

Blick vom Eingang des Pastorats nach Osten

Morsum, 19.10.1925. Elwine Johler mit Sohn
Ekkehard und Haushaltshilfe Margot Schmidt an der Gartenpforte
vor dem Morsumer Pastorat.

Morsum, Ostern 1927. Pastor Hans mit Ehefrau Elwine und
den Kindern (v.r.) Roland, Karin, Ekkehard sowie Hausmädchen
Lilly Erhardt,37, aus Berlin-Pankow vor dem Pastorat. - Lilly
verlässt zum 1.7.1927 die Insel. um in Berlin zu heiraten.Wie es
dazu kam, beschreibt Elwine in einem Brief: "Unsere Lilly hat
ihr Jahr nun auch schon hinter sich und hat sich hier bei all
der Tanzerei schließlich noch zum Schluss einen Willy gegabelt.
Willy Berliner und Lilly aus Berlin, passt das nicht gut? Also
Willy Berliner kommt aus Husum und arbeitet hier als Schlosser
am Bahnbau. Er ist seit einem Jahr hier auf der Insel. Lilly
kennt ihn aber erst seit 3 Monaten. Mir ist dieser Jüngling
schon lange aufgefallen und Anfang des Winters auf dem
Turnerball haben wir häufig zusammen getanzt, aber die Lilly hat
er gar nicht beachtet, obgleich sie doch immer neben mir saß.
Das kann er heute natürlich nicht begreifen. Ich habe
schließlich Lilly mal den Rat gegeben, ihn mal bei der Damenwahl
zu holen, nachdem er dann gelegentlich anderer Tanzereien dann
ab und an auch mit ihr getanzt hatte. Und das hat anscheinend
geholfen.Jetzt kleben sie wie Pech und Schwefel."
In ihr Zeugnis schreibt Hans Johler:"Frl. L.E. war ein Jahr als
Stütze bei uns und hat sich während der ganzen Zeit als fleißig,
umsichtig und zuverlässig erwiesen."
Ab Februar 1927 wird der Wall im Norden des Pastoratsgartens,
der durch den Dammbau gegen die künftige Bahnhofstrasse grenzt,
in dazu von Kirchenvertreter Anton Jensen gelieferten
Feldsteinen neu -in Beton gebettet- aufgesetzt.

Westerland, 29.8.1926. Hans und Elwine Johler (v.r.)
Vielleicht sind Hans und Elwine schon mit einem Kraftrad nach
Westerland gefahren. Er benutzt es am 27. Juli zum ersten Mal.

Hans Johler im Morsumer Winter. Auf dem Kutschbock sitzt Nachbar
Feddersen.
1924. Elwine Johler(o.,38) mit Sohn Ekkehard.
Rechts Elwine Johlers Mutter Elwine Ude geb. Lampe(61).
Links Julie Ude geb. Utermöhlen(77), die Großmutter
väterlicherseits.

Morsum, Ostern 1927. Hans und Elwine Johler im
Garten des Pastorats in Morsum. Mit dabei ihre Kinder (v.l.)
Roland, Karin und Ekkehard.

Elwine schreibt zu diesen Osterfotos 1927 in einem Brief: "Hans
hatte seine Konfirmanden fotografieren lassen und bei der
Gelegenheit haben wir es auch mal wahrgenommen, endlich, wir
wollten es ja schon lange gern mal machen lassen. Ist unser
Rolispeck nicht gut? Es war leider ein trüber, kalter Tag, und
wir sind alle etwas verfroren, aber wir freuen uns doch über die
Bilder."

Mit solchen Emaille-Schildern wird für die Fahrt nach Sylt
geworben. Der Hindenburgdamm wird erst 1927 eingeweiht.

Widmung: "Herrn und Frau Pastor Johler in dankbarem
Gedenken an die schönen Stunden gemeinsamer Arbeit
von der Verfasserin. Erfurt, 6. Okt. 1930."

Morum/Sylt 1.6.1927. Patenkind Karin Johler auf dem Arm
ihrer Mutter Elwine überreicht dem Reichspräsidenten Paul von
Hindenburg einen Blumenstrauss. Anlass ist die Einweihung des
Hindenburgdammes. mehr
zum Dammbau

Morsum 30er Jahre. Der frühere Zugang zur Kirche von der
ehemaligen Dorfschule aus. Die Fläche vor dem Tor ist der
Schulhof. Schüler Georg Lauritzen muss in den Pausen immer
wieder auf das Grab seiner vom blitz erschlagenen Mutter gucken.
Nach der Schließung des Tores wird hier eine mannshohe Mauer
gebaut.
Erstaunlich gelassen erläutert Hans Johler seine
Trennung vom Morsumer Pastorat gegenüber einer
Freundin der Familie (Frl. Margaretha Hebbeln, Hademarschen bei
Rendsburg, Holstentor-Schwester von Hannes Hebbeln, der als
Junglehrer in Morsum tätig war.):
Den Text können Sie in Druckschrift lesen, wenn Sie mit der Maus
über den Text fahren.



Hans Johler kauft sich noch ein Romanexemplar des Dammbau
in der dritten Auflage von 1941. Im Abstand von mehr als einem
Jahrzehnt zum Abschied von Morsum blickt er zurück und schreibt
in dieses Exemplar:
Hans Johler leidet noch immer an
seinem von der Kirche erzwungenen Abschied aus Morsum,
resigniert aber nicht, gibt sich selbstreflektierend kämpferisch
und blickt positiv in die Zukunft. Einen Erfolg sieht er darin,
dass der Damm steht. Dazu hat er als Morsumer Pastor
vermittelnd, ausgleichend und perspektivgebend in der Gemeinde
und bei Dammbauarbeitern beigetragen. Sein Realitätssinn, die
Bereitschaft zur Anpassung an unausweichliche Veränderungen,
sein tief verinnerlichtes Gottvertrauen haben ihm die Kraft für
seine Abeit gegeben. Seelsorge bedeutet für ihn Zuwendung, die
zwischen Menschen keinen Unterschied macht. Damit verbunden ist
eine persönliche seelische Belastung, die im obigen Text
deutlich wird.
Später ab 1929 als Binnenschifferpastor in Hamburg versucht er
immer wieder ohne große Unterstützung z.T. auch gegen
kirchenhierarchische Erwartungen soziale Not von
Binnenschifferfamilien zu lindern. Immer wieder besucht er sie
auf ihren Schiffen. Da sie häufig unterwegs sind, trifft er
zunächst stets neue Familien. Deren Kinder fahren immer mit. Das
Leben an Bord erscheint ihm kümmerlich. Nach und nach kennt er
viele und hält für sie gelegentlich auch Gottesdienste in der
Veddeler Kirche. Da er von der Branche der Binnenschifffahrt
nichts versteht, erarbeitet er sich fachlichen Grundlage dafür
durch ein Studium der Volkswirtschaft und Soziologie, das er mit
seiner 1940 in der hansischen Universität vorgelegten
Dissertation mit dem Titel Die Strukturwandlungen der
Binnenschiffahrt im Jahrzehnt 1930 -1940 in Hamburg als
Grundlage einer Soziologie des deutschen Schifferstandes abschließt.
Sein Betreuer ist Prof. Schulz-Kiesow.
Während des Studiums ist Hans Johler der einzige weißhaarige
Student älteren Semesters. Daran hat sich niemand gestört. Er
schreibt seine Doktorarbeit auf einer Schreibmaschine, die beim
Kauf hochmodern ist, deren Technik aber schnell veraltet. Es ist
eine AEG Mignon. "This was called an index typewriter;
to operate it, the pointer was pointed at a letter, and the key
to the right was pressed to type it." Quelle Wikipedia.
Bei dieser Schreibmaschine muss man jeden zu druckenden
Buchstaben mit einem fest installierten, mechanisch beweglichen
Stift auf der nur gedruckten Tastatur ansteuern, sich dabei
zwischen Groß- oder Kleinbuchstabe entscheiden und ihn dann mit
einem zu drückenden Knopf zu Papier bringen. Da die Doktorarbeit
in mehreren Exemplaren eingereicht werden muss, Hans Johler aber
das Geld für einen Druck fehlt, hat er sie mehrfach getippt an
der Universität Hamburg eingereicht. Auch das Exemplar in der
Stabi (noch immer ausleihbar) ist natürlich so geschrieben.
Vorteil der AEG-Mignon-Schreibmaschine ist ihr geringes Gewicht.
Leicht wie eine Reiseschreibmaschine. Elwine Johler hat vor
ihrer Ehe schon an komfortabler zu bedienenden
Büroschreibmaschinen gearbeitet. Sie sind jedoch sehr schwer.
Hans Johler liebt den technischen Fortschritt und kauft im
Rahmen seiner bescheidenen Mittel gern den Stand der Technik.

Predigertafel in der Kirche in Morsum auf Sylt. Fotografie: Jan
Hinsch.

Flensburg, Falkenberg 13. Pastor Johlers Familie wohnt
hier nach Ende seiner Dienstzeit von November 1927 - April 1929.
Die in Hamburg am Grasweg ins Auge gefasste Wohnung ist noch im
Bau. Während dieser Zeit arbeitet Pastor Johler schon în Hamburg
und wohnt in der Zeit bei seinen Eltern in der Bärenallee 60.
Die Johlers in Flensburg bekommen Besuch aus seiner früheren
Gemeinde Morsum(siehe Foto). Es besuchen ihn (v.l.) Peter
Körner, Paul Kayser, (Ehepaar Johler), Hannes Hebbeln
(ehemaliger Lehrer in Morsum, derzeit Flensburg, Strucksdamm 9),
Anna Kayser, Andreas Lauritzen, Getje Lauritzen, Grete Hebbeln.
Davor die Kinder der Familie Johler.
Flensburg,
ca. 1927. Familie Johler wohnt im Falkenberg 13, einem
Neubau (Foto: links). 1927/28 gibt es einen harten Winter.
Elwine wohnt hier mit ihren 3 Kindern allein. Die Öfen im Haus
müssen von ihr versorgt werden.

Im Sommer 1928 nimmt Kutscher Mangelsen eine
Reihe von Kindern mit. Karin (u.r.) Roland (M.M. und Ekkehard
(2.v.r.) sind dabei.

Wandsbek, 30.4.1928. Hans Johler hält mit
Märchenpostkarten wie dieser Kontakt mit seinen Kindern in
Flensburg. Diese Karte ging an "Klein Karin Johler". Die
Umstände der Trennung von Morsum beschäftigen ihn weiterhin. Er
schreibt: "Heute ist der erste volle warme Frühlingstag. Da
möchte ich gern mit Euch in den Marienwald gehen. Und ich würde
mit Euch dann ganz froh mich freuen können u. alles Böse und
Bittere vergessen."

Flensburg, 17. Juli 1928. Elwine Johler und
ihre drei Kinder gucken alle ziemlich geschafft in die Kamera.
Des Rätsels Lösung auf der Rückseite:"Der 1. Tag nach d.
Masern."

Flensburg, März 1928. Hier ist die Familie
Johler noch frei von Masern. die Postkarte ging zu Ostern an
Elwines Schwester Inge.

Flensburg 1927. Impression aus der
Toosbuystraße.

Flensburg, 1928. Karin, Ekkehard, Roland Johler.

1928 wird Ekkehard Johler in Flensburg
eingeschult. Er trägt ein Mützenband mit der Aufschrift Unterseeboot
U.9.
Laut Wikipedia unternahm U 9 sieben Feindfahrten
und versenkte dabei fünf Kriegsschiffe mit 44.173 Tonnen
und 13 Handelsschiffe mit 8.636 BRT. Kein anderes Boot
versenkte während des Ersten Weltkrieges mehr Kriegsschiffe.
Zum Anzug für die Einschulung schrieb Elwine: "Aus Wandsbek [von
denSchwiegereltern] kam ein Bleyle-Marine-Anzug, den Hans da
„bestellt“ hatte und über den ich sehr froh bin, gerade, wo der
Junge Ostern in die Schule kommt, muss er was Kräftiges haben.
Ich ließ Heins Marinemütze verkleinern, aber leider ist sie noch
zu groß, ich hoffe aber, sie doch noch zu pass zu kriegen." Hein
ist Elwines Bruder. Offensichtlich fuhr er auf diesem U-Boot.

Roland und Karin Johler

Roland (5) und Karin Johler(6).

30.6.1928. Hans Johler (M. rechts vom Kreuz)
in der Gastronomie des Flughafens Hamburg-Fuhlsbüttel anlässlich
der Ankunft eines "v. Hünefeld" (Bildunterschrift), vermutlich
des Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld, eines
Flugpioniers. Die Fleischwarenfabrik Gebrüder Kessler war ein
Hamburger Traditionsbetrieb, der Großveranstaltungen und
prominente Plätze mit seinem Imbisswagen belieferte. Im
Hintergrund erkennt man lt. KI die früheren Abfertigungsbaracken
und Hangars.

Flugfeld Westerland ca. 1925. Links stehend
gucken Elwine und Hans Johler auf das Fluggerät. Es dürfte sich
um Sylt handeln. Zunächst gab es nur eine Graspiste, die sich
nur für kleine, leichte Flugzeuge eignete. Das Flugzeug besaß
eine Kabine für 2 Passagiere, die vor dem Fahrtwind schütze. Der
Pilot saß draußen. Die Passagiere bekamen Spucktüten.

22.6.1930. Hans (2.v.l.) und sein Bruder Ingo
Johler (4.v.l.) posieren auf dem Hamburger Flughafen. Bei dem
Flugzeug könnte es sich um eine Junkers F 13 handeln. Über einen
Flug der beiden ist nichts überliefert.
Roland, Ekkehard und Karin Johler am Rotklinkerbau ihrer 3
1/2-Zimmer-Wohnung am Grasweg 38a in Hamburg. Hier wohnen sie
von April 1929 - September 1935.
Karin erinnert sich an zwei Kellereinbrüche
am Grasweg. Nach dem ersten Einbruch verschwindet das Fahrrad
der Haushaltshilfe Paula. Hans Johler als praktisch veranlagter
Tüftler legt daraufhin einen Draht von der Kellertür in den Flur
seiner Wohnung darüber und schließt ihn an eine Glocke an. Die
Alarmanlage wird eines Tages ausgelöst. Elwine Johler hört das
Klingeln und eilt in den Keller. Sehr mutig. "Ist da wer?" Der
Einbrecher eilt davon. Elwine hinterher. Sie will zur
Polizeistation an der Sierichstraße. Der Einbrecher läuft auch
daran vorbei. Elwine ist erschöpft von der Verfolgungsjagd und
geht in die Wache, um Anzeige zu erstatten. Der Einbrecher, ein
junger Mann, wird nicht ermittelt. Gestohlen wird diesmal auch
nichts. Nur Karin bleibt die Angst vor dem Keller.

Karin und Roland Johler fahren ein "Kettcar" am Grasweg.

Indianerspiele sind noch üblich in den 1930er Jahren. Karin und
Roland Johler.

Roland Johler kutschiert das Nachbarskind Ingrid Busch vor der
Wohnung am Grasweg.

Die Geschwister Ekkehard, Karin und Roland Johler (v.l.n.r.)
spielen am Grasweg im Eingang des Turmhauses. Die Eisenbahn
gehört Roland. Zum selbständigen Fahren musste man mit einem
Schlüssel eine Feder aufziehen.

Neben der Familie Johler wohnt der Architekt der Anlage, Walther
Hinsch (r.). Hier mit seiner Haushälterin "Tante" Borchert und
Nachbarskind Karin Johler. Walther Hinsch ist der Bruder von
Karins Grußmutter Anna Maria Johler. Die Geschwister spielen
manchmal
auch in seiner Wohnung, denn sie sind verwandt. Karin ist
beeindruckt von der großen Glaswand zwischen Flur und
Wohnzimmer. Alles wirkt so hell. Eine Treppe führt nach oben zum
Dachgarten. An einem Sylvesterabend gehen alle drei dort hinauf.
Ekkehard als ältester hat einige Knallkörper in einer
Zigarrenkiste dabei. Es ist schon dunkel. Karin zündet einen
Piepmantschen und läßt ihn in die Kiste fallen, weil sie sich
nicht die Finger verbrennen will. Es knallt sehr laut, eine
Rakete fliegt und Ekkehard sagt nur:"Blöde Schwester!" Sein
geplantes Sylvesterfeuerwerk hat sich vorzeitig verabschiedet.
Der Gebäudekomplex am Grasweg wird 1943 von einer Brandbombe
stark beschädigt und erst nach dem Krieg wieder aufgebaut.
Zu Leben und Arbeiten des Architekten Walther Hinsch gibt es das
von Dr. Jörg Schilling verfasste Hamburger Bauheft 35, Hamburg
2021.

1931. Dieses Bild von Ekkehard, Karin und Roland (v.l.)
malte Elena Luksch-Makowsky (1878 - 1967), wohnhaft im
Nachbarhaus Grasweg 38. Als Kulisse dient der Vorgarten neben
ihrem eigenen Hauseingang. Karin erinnert sich, wie das Bild
entstand:"Luksch-Makowski wollte eigentlich nur Roland malen mit
seinem runden Kopf, den Locken und den blauen Augen. Vielleicht
um uns Geschwister nicht zu enttäuschen, kamen wir beiden im
Hintergrund mit aufs Bild. Passte ja auch. Gemalt hat sie uns
einzeln in ihrer Wohnung. Ich ging mit ihr gleich rechts in ein
Zimmer, das als Atelier diente. Der Fußboden war vollgestellt
mit Farbtöpfen. Ich setzte mich auf den einzigen Stuhl, sie
stand hinter ihrer Staffelei. Vermutlich hat sie den Hintergrund
schon vorher fertiggestellt. Jetzt malte sie uns drei
nacheinander da hinein. Unsere beste Kleidung war für die Zeit
immer schon etwas aus der Zeit gefallen, aber von hoher
Qualität. Meine Mutter hat sie von ihrem Onkel Karl Frahm
bekommen. Dessen Kinder waren da dann rausgewachsen.- Das war
kein `Bitte lächeln`-Bild` wie es heute so beliebt ist.
Luksch-Makowski wollte herausarbeiten, was sie in uns sah, vor
allem in Roland. - Mein Vater Hans Johler hat sich viel mit
Elena Makowski unterhalten. Ihren Eindruck von ihm hat sie in
einem Kondolenzschreiben nach seinem Tod festgehalten."(siehe
unten)
Elena Makowskaja ist die Frau von Prof. Richard Luksch, der am
Lerchenfeld als Holzschnitzer arbeitete und lehrte. Später
trennen sich die beiden. Sie wird 1878 in St. Petersburg
geboren, studiert dort bei Ilja Rjepin und hat später als
Malerin in Wien einen eigenwilligen Beitrag zum Jugendstil
geleistet. (vgl. Malerei in Hamburg Band 1 (1886 - 1945) von
Volker D. Heydorn)

2013. Karin Johler erinnert sich an die
Entstehung des Bildes von Elena Luksch-Makowsky am Grasweg 38.
Der Zaun steht noch immer.

Auch Rolands Locken sind noch da. Sie fielen in den 1930er
Jahren einem radikalen Haarschnitt zum Opfer.

Hamburg, Sylvester 1932. Hans und Elwine
Johler(rechts im Bild) feiern lustig verkleidet in der Wohnung
von Karl Frahm an der Königstrasse in Altona. Karl Frahm (Mitte
rechts) war Direktor der Westbank.

Roland Johler (4-5 Jahre alt)
 
Ostern 1933. Karin, 8, und Ekkehard Johler, 11. Ekkehard
ist Mitglied bei den Grauen Wölfen und der Freischar. Diese
Organisationen werden im 3. Reich verboten und in die von
militärischem Drill geprägten Hitlerjugend überführt. Karin geht
widerwillig in den Bund deutscher Mädchen. Ihre Lehrerin sagt,
sie verbaue sich sonst ihre Zukunft. Sie besucht so selten wie
möglich die BdM-Treffen, die in den Räumen der Mathäuskirche in
Winterhude stattfinden. Es ist ihr dort zu langweilig.

Husum, ca. 1936. Roland Johler auf dem
Fahrersitz. Von hinten schiebt Jürgen Frahm, der Sohn von Karl
Frahm. Sein Vater ist Direktor der dortigen Westbank. Seine
Mutter ist Selma Elisabeth Juliane geb. Utermöhlen
*28.5.1849 in Oldenburg. Deren Schwester Johanna Henriette
Auguste Julie Utermöhlen *7.9.1847
in Oldenburg heiratet den Bremer Kurzwarenhändler Rudolph Ude,
den Großvater von Elwine Johler geb. Ude. Cousins 2. Grades.
Elwine und ihre Kinder machen deshalb gelegentlich in Husum
Urlaub. Sie wohnen dann im Bankgebäude Neustadt 64 unter dem
Dach.

Husum 1938. Karin Johler (2.v.l.) mit Karl
Frahms Kindern Jürgen, Gertrud und Lisa im Garten hinter dem
Bankgeschäft.

In diesem Gebäude in der Husumer Straße Neustadt residierte nach
dem Großhamburggesetz die Zentrale der Schleswig-Holsteinischen
Westbank. Bis dahin war Altona ihr Standort. Durch die
Eingemeindung nach Hamburg passte das nicht mehr zum Namen.
Karin reist mit Bruder Roland und ihrer Mutter Elwine auf
Einladung von Onkel Karl in den Jahren 1936 bis 1939 für jeweils
2 Wochen hierher. Sie wohnten in einem Zimmer hinter dem rechten
Fenster des oberen Balkons. Damals gab es nur diese drei
Balkonfensterzimmer. Der Rest des Bodens war nicht ausgebaut und
wurde als Aktenarchiv der Bank genutzt. In den Balken des Dachs
hingen viele Fledermäuse. Hier musste man durch, um in das
Zimmer zu gelangen. Karin hatte damals immer etwas Angst vor den
Tieren. Wenn man ihnen zu Nahe kam, machten sie bedrohliche
Geräusche.
Der Balkon im 1. Stock gehörte zu Karl Frahms Wohnung. Unten lag
die Schalterhalle der Bank.

Husum 1941. Mit dieser Karte lädt Karl Frahm
Elwine Johler zu einem Essen im Lloyd Hotel in Altona ein.

Hamburg, ca. 1935. Hans Johler mit seinem Sohn
Roland.

Hamburg, ca. 1935. Karin und Roland sowie
Ekkehard Johler mit seinem neuen Fahrrad Marke Adler. Es hat 60
Mark gekostet. Damit sollte er vom Grasweg zu seiner neuen
Schule am Dammtor radeln. Das Glück währte jedoch nicht lange.

Als Ekkehard ebenfalls mit Rad aus der Eichenstraße die
gebügelte Pastoren-Halskrause für seinen Vater abholen soll,
stellt er das Fahrrad vorsichtshalber im Treppenhaus des
mehrstöckigen Wohnhauses ab, denn er hat kein Fahrradschloss.
Als er wiederkommt, ist das Fahrrad weg. Er muss zu Fuß nach
Hause und hat viel geweint.

Ca. 1931. Ekkehard Johler auf Klassenfahrt.

Auf der Klassenfahrt wird auch eine Schlucht inspiziert.

Hamburg, Sommer 1933. Karin Johler "heiratet"
ihren Bruder Roland. Brautjungfer ist Karins Freundin Inge
Gehle. Die Freundschaft hält lebenslang.

Ca. 1937. Roland Johler mit seinem Vater Hans
im Hamburger Stadtpark.

Hamburg Ostern 1931. Karin Johlers 1. Schultag.
Hier vor ihrer Wohnung am Grasweg. Bis zu 35 Kinder finden sich
auf ihren Klassenfotos. Lehrerin ist Fräulein Sennewaldt.

2013. Karin Lauritzen guckt durch die
verschlossene Tür ihrer früheren Volksschule (heutige
Bezeichnung Grundschule) am Grasweg in Hamburg. Hier ist jetzt
die Heinrich-Hertz-Schule untergebracht. Später mit 17 am
Fröbelseminar, einer Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen,
hatte sie eine Lehrerin, die die Klasse immer mit "Heil Hitler
Kinderchen" begrüßte. Diesen Satz sprach sie ganz leise, hob
dabei nur ihren Unterarm. Sie war Nazigegnerin, musste sich aber
im Schuldienst irgendwie mit den herrschenden Regeln
arrangieren. Da war die Direktorin ganz anders, erinnert sich
Karin. Die knallte beim Gruß schon fast die Hacken zusammen.

Hamburg, 1.9.1935. Im ersten Stock links in Gryphiusstr.
3
wohnt jetzt die Familie Johler. Die Wohnung wird frei, da die
jüdische Vormieterin, Frau Urias, in die USA auswandert. Die
Wohnung hat 4 1/2 Zimmer, davon drei zur Straße. Die Miete
beträgt 125 Mark. 1937, erinnert sich Tochter Karin verh.
Lauritzen, wird der erste elektrische Bosch-Kühlschrank
angeschafft. Bis dahin kühlte man mit Eis, das in ca. 1 Meter
langen Barren angeliefert wurde. Elwine Johler war
Luftschutzwartin im Haus. Während der Bombenangriffe auf Hamburg
im Sommer 1943 saß die Familie mit ihren Nachbarn oft und
teilweise lange im Luftschutzkeller. Wenn Luftminen in der Nähe
hochgingen, fing das Herz an zu klopfen. War es ruhig, lernte
man über Gespräche die Nachbarn kennen.
Die Fahne im 4. Stock zeigt gut erkennbar ein Hakenkreuz. Die
rechts vom Eingang möglicherweise auch (schwer erkennbar).

Hamburg, 2013. Karin Lauritzen geb. Johler
besucht das Haus in der Gryphiusstraße 3, in dem sie als Kind
gewohnt hat.

Hamburg 1937. Paula Kähler, die Haushaltshilfe
der Johlers in Hamburg, mit Roland und Karin Johler.
49 Jahre später:

Hamburg 1986. Elwine Johler(r.) wird 90. Mit
dabei die frühere Haushaltshilfe Paula Kähler. Gefeiert wird im
Haus von Roland Johler in Jenfeld.

Hamburg 1938. Karin Johler in ihrer BdM-Kluft.
Sie wird eher gedrängt, zu den Treffen de Bunds deutscher
Mädchen zu gehen. Es ist ihr da zu langweilig. In der Schule
sagte man ihr wiederholt:"Wenn du da nicht hingehst, versaust du
dir deine Zukunft."

Hamburg 1940. Karin Johler in Winterkleidung.
Sie ist jetzt 15 Jahre alt.

Hamburg, Januar 1941. Karin Johler beim
Eislaufen auf dem Leinpfadkanal.

Hamburg, 18.9.1939. Hans und Elwine Johler vor
dem Haus in der Gryphiusstraße 3 in Hamburg. Einen Tag später
heißt er Dr. Hans Johler. Seine Promotion ist durch.
Universität Hamburg um 1929. Hier hat Hans
Johler ein zweites Studium der Volkswirtschaft absoviert und
1939 mit der Promotion abgeschlossen.

Hamburg, 18.9.1939. Auch Tochter Karin (14) und
ihr Bruder Roland (13) werden fotografiert. Elwine Johler über
ihre Tocher Karin:"14 Jahr und 7 Wochen ist der Backfisch
ausgebrochen." Als Backfisch bezeichnet man zu der
Zeit heranwachsende Mädchen.

Hamburg, Sommer 1942. Elwine Johler auf dem
Balkon in der Gryphiusstraße.

Hamburg, Anfang der 30er. Elwine Johler.
Dr. Hans Johler

Hamburg, 26.11.1942. Hans Johler im Zillertal
mit Anna Wollgast (l.) und Tilly Hinsch.


Der Personalausweis im 3. Reich, die Kennkarte.
Hamburg, ca. 1932. Hans Johler auf einem Ausflug mit den
Holsaten auf der Elbe. Die Holsaten sind
ehemalige Schüler der
Albrecht-Thaer Oberrealschule vor dem Holstentor in Hamburg,
die sich in der Vereinigung Holsatia zusammengeschlossen
haben.

Hamburg, 6.4.1940. Im Hotel Reichshof trifft
sich Hans Johler (o.r.) mit seinen Mitabiturienten. Diese
Treffen finden regelmäßig statt. Die Ehefrauen und z.T. auch die
Kinder werden mit dazu eingeladen. Hans nennt das Foto das Ha-ha-ha-Bild,
weil der Fotograf alle zum Lachen bringt. Wenn Sie mit der Maus
über das Foto fahren, sehen Sie den ersten Schnappschuss.
Das erste dieser Traditionstreffen findet 1929 statt. Hans ist
noch ohne seine in Flensburg lebende Familie in Hamburg, da eine
Wohnung erst in Aussicht steht. Der Wunsch nach Kontakten lässt
ihn auf die Idee kommen, seine Mitabiturienten ins Landhaus
Walter einzuladen. Am Endes dieses vergnüglichen Treffens fragt
Hans in die Runde:"Wollen wir uns nächstes Jahr mal wieder
treffen?" Karl Marx antwortet ihm:"Alle vier Wochen! Und mit
Frauen!" So kommt es dann. Später dürfen auch die jugendlichen
Kinder mitkommen. So trifft Karin Johler auf Eva Schwarz. Sie
gehen daraufhin zusammen zur Tanzstunde. Jahrzehnte später
trifft Karins Sohn Ekkehard als Lehrer auf die Kollegin Eva
Dilcher -geborene Schwarz. Nach und nach sterben die
Mitabiturienten. Die noch fitten Ehefrauen treffen sich trotzdem
weiter. Als es nur noch zwei sind, löst sich die Runde auf.

1937. Hans Johler mit Sohn Ekkehard vor dem Planetarium
im Stadtpark von Hamburg.

HAMBURG, 10.4.1937. Hans Johler (r.)
verabschiedet Gemeindemitglieder nach einer Hochzeit. Hans
Johler arbeitete zu dieser Zeit als Vertretungspastor in
verschiedenen Hamburger Gemeinden.

HAMBURG, 10.4.1937. Hans Johler im Ornat nach
einer Hochzeit des Paares Feiersbach-Seidel. Die Kirche ist
nicht bekannt.

Hamburg, 13. Februar 1943. Hans Johler hat
Franz und Inge B. getraut.

Hans Johler an Bord. Er besucht als Pastor eine
Binnenschifferfamilie in Hamburg.

Hamburg 1938. Hans Johler auf einem
Binnenschiff im Hamburger Hafen. Er betreut die Binnenschiffer-Gemeinde 1928 - 1943.

Schweden 1939. Hans Johler schließt sich seinem
Sohn Ekkehard an, der eine Schwedenreise per Frachtschiff von
seiner Ausbildungsfirma gesponsert bekommt.
Hamburg 1938. Elwine Johler mit ihren Kindern Ekkehard
und Karin (r.) und Roland unterhalb des U-Bahnhofs
Hudtwalkerstraße.
Brief
von Enkel Ekkehard Johler an seine Grossmutter Elwine Ude
(1940)
"In dieser Zeit galt für meine Eltern: Man hält die
Schnauze und macht sein Ding. Nicht mit den Kindern über Politik
sprechen. Ziel: Durchkommen. Wir hätten aber nichts erzählt,
wenn wir etwas gehört hätten." Karin Lauritzen geb. Johler

25.8.1929. Hans und Elwine Johler sind Mitglied
in einer Wandergruppe, die sich "Die Schnecke" nennt. Der Name
drückt aus, dass es langsam voran geht. Neben der Freude an
Bewegung und Natur spielen die Gespräche und und sozialen
Kontakte eine tragende Rolle in der Vereinigung.

25.8.1929. Initiatoren der Wandergruppe sind
zwei Brüder, Oskar und Gustav E.B. Trinks. Beide haben eine
zeitlang in Südamerika gelebt und sind zwischen 40 und 50 Jahre
alt. Sie wohnen am Lindenplatz in Hamburg. Wirtschaftlich geht
es ihnen zu der Zeit nicht so gut.

Die Ausflüge werden minutiös geplant und vorher schon mal
probegewandert. Die Einladungen werden per Post versand.

28.2.1932. Bildunterschrift: "Else, Erika, Inge
v. Gering(?), Stechert Gibsone (?), Pia Reher, Hans Johler,
Elwine Johler, Inge Hellmann."
In der "Schnecke" wandern Bürger der Mittelschicht. Sie fahren
am Wochenende mit U- oder S-Bahn bzw. Zug in die Außenbezirke
von Hamburg und beginnen dort ihre Wanderungen. Karin Lauritzen
nennt folgende Namen von Teilnehmerinnen: Hans und Elwine
Johler, Ingo und Erika Johler, Familie Steffen aus Othmarschen
(Gottorpstraße), Dr. Jäger. Ehepaare und auch jüngere Frauen,
Sekretärinnen nehmen an den Wanderungen teil. Es gibt eine
Einkehr mit z.B. Erbsensuppe. Abends wird getanzt.
Ausgangspunkte der Wanderungen sind z.B. Hausbruch, Aumühle,
Wohldorf-Ohlstedt, Sasel, Poppenbüttel.

Hamburg, 26.11.1932. Die Wandergruppe trifft
sich bei Sagebiel in Blankenese zum Alpenfest. Hans Johler oben
Dritter von rechts.

Mai 1940. Schneckenwanderung mit Hans Johler
(M.) Else Hinsch (r.) und Herrn Steffen (vermutlich l.) mit den
Kindern Rolf und Sigrid.

28.2.1932. Ingo (l.) und Hans Johler im
Sachsenwald.


Hamburg, 1941. Noch sind alle zusammen. Familie Johler
(v.l.): Karin, Elwine, Ekkehard, Hans, Roland. Roland hatte an
einer Privatschule am Baumwall in Hamburg einen Klassenkameraden
mit gleichem Namen, allerdings als Nachname. Der wurde später
ein bekannter Filmregisseur. Vorname Jürgen.
Roland Johler hat der Familie einen Radioapparat besorgt, mit
dem "Feindsender" abgehört werden konnten. Vater Hans Johler hat
das Gerät nicht nur finanziert, sondern hörte auch unter den
Bettdecke gerne ins Programm.
...später:

Ekkehard Johler
Bremen, Januar 1942. Ekkehard Johler absolviert
ab 5.2.1941 seine Grundausbildung in Bremen Osterholz.
Gegen Ende dieser
Grundausbildung lässt er sich fotografieren. "Man weiss
ja nie... " Die Ausbildung zum Nebelwerfer erfolgt ab
Herbst 1941 in einer Kasernenanlage in Celle, den noch
heute so genannten Nebelkasernen. Sie werden gegenwärtig
von den Engländern genutzt. Ekkehard Johler wohnt zu der
Zeit ca. ein halbes Jahr auf dem Bauernhof der Familie
Otte in Groß-Hehlen, Familienanschluss inklusive. Diese
Form der privaten Unterbringung war seinerzeit dort
durchaus üblich. Das damals von Ekkehard bewohnte Zimmer
ist noch heute (2003) praktisch unverändert erhalten
geblieben. Paul Heinz Otte, damals 12 Jahre alt,
erinnert sich noch gut an Ekkehard Johler. Er besitzt
zwei Briefe von Ekkehard aus Stalingrad sowie als
Geschenk eine Bibel und den Roman Dammbau, der
sich u.a. mit Vater Hans Johlers Rolle beim Dammbau nach
Sylt beschäftigt.
Am 8. Mai 1942 wird Ekkehard Johler mit seiner Einheit
zu seinem ersten Einsatz nach Stalingrad geschickt
(Quelle: Paul Heinz Otte). Er wird in einer
Nebelwerfer-Einheit als Fernmelder eingesetzt und kehrt
aus Stalingrad nicht mehr zurück. Wir haben als Familie
nichts Konkretes über seinen Tod in Erfahrung bringen
können.
Aus den Nebelwerfern werden später Werfer, d.h.
Einheiten, die stalinorgelähnliche Mehrfachraketenwerfer
bedienen. |

Hamburg, Ostern 1942. Ekkehard Johler auf
Urlaub zuhause kurz bevor er nach Russland muss.
Ekkehard Johler(o.) im Felde, vermutlich bei Stalingrad im
Sommer 1942.
Bei den Kameraden könnte es sich um u.a. um Fauth und Hampel
handeln.

Brief von Hans Johlers Sohn Roland(17) an die befreundete
Familie Hebbeln, bei der Roland mehrfach länger zu Besuch war,
um sich von verschiedenen Krankheiten zu erholen.


Das Familiengrab von Gustav Johler angelegt auf dem Ohlsdorfer
Friedhof. Aufnahmen vom 20.3.2022

"3.7., Vatis Geburtstag, ich war am Nachmittag in Ohlsdorf mit
Tante Erika, das Grab ist hübsch in Ordnung, mit rosa Begonien
bepflanzt, und wir hatten noch drei kleine lila Pflanzen
mitgenommen, ich hab den Namen vergessen. Dieser freundliche
kleine Farbfleck nahm sich gut aus in dem Rosa." Elwine
Johler 1954.
Erika Johlers Ehemann (+1950) liegt auch in dem Familiengrab.

Hamburg, 1943. "Warum guckt der denn so
ernst?", fragt mich ein Enkelkind. Ich rufe die Tochter von Hans
Johler an, Karin Lauritzen. Sie erzählt mir, dass das Bild nach
den Luftangriffen auf Hamburg gemalt worden ist. Eine Nachbarin
am Grasweg in Hamburg, Elena Luksch-Makowski, hat es gemalt. Sie
kennt die Familie Johler gut. Oft ist sie mit Hans und Elwine im
Gespräch. Hans Johlers Sohn Ekkehard ist zur Zeit der
Portraitarbeit seit Monaten in Stalingrad vermisst, zwei Neffen
sind als Soldaten gefallen. "Er hat den Krieg schon früher
kommen sehen!", sagt Karin. Die Malerin Elena Luksch-Makowski
macht kein fotoähnliches Bild, sondern interpretiert und
verstärkt die Stimmung von Hans Johler. Sie drückt seine Trauer
und die Sorge um die Zukunft seiner Familie aus. Damit zeichnet
sie ein Zeitbild, das in seiner künstlerischen Gestaltung über
ein Portrait hinausgeht. Sie zeigt die Kriegsstimmung. "Ein
Gefühl von Weltuntergang", wie seine Tochter Karin sagt. Das
Bild ist in grau- und blautönen gehalten. Nur der Kopf strahlt
hell. Elwine, die Ehefrau von Hans, empfindet das Bild damals
als zu düster: "Bring das Bild weg. Hier kommt das nicht her!"
Also deponiert Hans Johler es in der Druckerei seines Vaters in
Wandsbek. Dort wird es bei einem Bombenangriff noch ungerahmt
auf Holz aufgezogen vernichtet, der gesamte Betrieb zerstört.
Hans Johler stirbt kurz nach der Fertigstellung des Gemäldes.
Oben links findet sich das Johler-Wappen.
Elena Luksch-Makowsky war eine zeitlang Nachbarin von Familie
Johler in Hamburg Winterhude. Das Beileidsschreiben an die
Witwe:
17. September 1943
Thielengasse 4 II 2/3
Hamburg 39
Liebe Frau Pastor Johler!
Als ich die Nachricht von dem schweren Verlust in Ihrer
Familie las - war ich ehrlich erschüttert und trauere
aufrichtig mit Ihnen. Mein Vorhaben - beim letzten Geleit
dabei zu sein - habe ich leider im Wirbel der jetzigen
Geschehnisse nicht ausführen können - was ich sehr
bedauere. Ich hätte Ihnen auch geschrieben und nun senden
Sie mir die Trauernachricht. Schon in den letzten
Tagen des Lebens am Grasweg habe ich die größte Sympathie
zu Ihrem Gatten gehabt und auch zu Ihrer ganzen lieben
Familie. Dass ich zehn Jahre später anlässlich der
Portraitarbeit in engeren Kontakt mit meinem Modell kam,
hat meine hohe Meinung nur verfestigt - die umfassenden
Gespräche waren freundschaftlich-verwandten Charakters.
Ich freute mich über den gesprächigen, unerschrocken so
überaus gütigen, aktiven - und großzügig talentierten
Menschen. Die Tätigkeit von Pastor Dr. H. Johler brachte
ihn mit so Vielen zusammen - und ich weiss, dass die
Menschen - Gemeinde die die Abberufung von ihrem Pastor
beweinen wird - gross ist. Vielleicht gehöre ich aber zu
den wenigen Vielen die ihn nicht missverstehen konnten und
richtig schätzten. Meine künstlerische und psychologische
Erfahrung befähigen mich dazu. Es wäre schön gewesen wenn
er diese Zeit überlebt hätte und später alles hätte
besprochen und gewertet und beurteilt werden können. Viel
zu früh, so dünkt es mir, ist Ihr guter Riese - gegangen.
Seien Sie versichert, liebe Frau Pastor, dass ich ihm ein
unvergängliches Gedenken bewahre, in echter Freundschaft.
Dem - an sich arbeitenden, dem kämpfenden und dem in
tausend spontanen Einfällen sich verschwendenden
Menschenin aktiver Güte - immer bereit eine Freude dem
anderen zu gönnen - dem Tapferen - dem viel Unbill
wiederfahren ist.
Ich werde in nächster Zeit zu Ihnen kommen, um mehr zu
hören, wenn Sie es erlauben. Die Andeutungen in der
Mitteilung weisen ja auf ein gnädiges, ruhmvolles Ende,
eine grosse Gnade Gottes, dessen Diener er im vollen Sinne
war.
Ihre Elena Luksch-Makowsky
P.S. Bitte mir zu sagen ob das Portrait noch vorhanden
ist, und nicht etwa bei den Angriffen gelitten hat? In
diesem letzten Falle würde ich es wiederholen, anhand der
Photographie von dem Bild. |


Sehr geehrte Frau Johler. Zu dem Ableben Ihres Gatten des
Pastors Hans Johler sende ich Ihnen und ihren Ihrigen herzliches
Beileid aus der Verbannung nach hier. Den Verstorbenen kannte
ich schon seit seiner frühen Jugend. Nun ist auch er
hinübergegangen in das göttliche Land der Ewigkeit und
ausgeschieden aus dem Kreise unserer Freunde. Friede seiner
Seele! Prof. Hans Bohrdt. Z.Zt. Vierraden bei Schwedt a.O. bei
Frau Elise Hebecker.


Margarete Boie ist die Verfasserin des Romans "Dammbau".

Hamburg, 1944. Kurz vor Kriegsende wird auch
Roland Johler noch Soldat. Er hat gerade den Reichsarbeitsdienst
beendet und ist 18 Jahre alt.

Sommer 1947. Roland Johler im
Kriegsgefangenenlager Friedrichsruh - Sachsenwald
östlich von Hamburg. Er ist dort als Waldarbeiter bei
der 891. German Labour-Service Group
P.W.-Dienstgruppe zwangsbeschäftigt. Die
Kriegsgefangenen haben gelegentlich Ausgang. So kann
Roland auch auf Besuch zu seiner Familie nach Hamburg
kommen. Ein Vater seiner Schulfreunde Claus und Paul,
von Beruf Arzt, versucht vergeblich mit der Vergabe von
fieberauslösenden Spritzen eine vorzeitige Entlassung zu
erreichen. Roland kommt lediglich auf die
Krankenstation.
Roland Johler wird 1944 als 17jähriger eingezogen. Er
absolviert eine 6wöchige Grundausbildung und wird dann
in Holland und Belgien gegen die Alliierten
Invasionstruppen eingesetzt. Dort erlebt er
Traumatisches, das ihn bis zu seinem Tod gelegentlich
aus dem Schlaf reißt (z.B. die aus dem Bauchraum
quellenden Gedärme).
Im Sommer 1944 hat Roland Johler in Venray, Niederlande,
in einer Kirche Dienst getan. Er gehört zu einer Gruppe
von Beobachtern auf einem dortigen Kirchturm. Drei Namen
der Gruppe sind bekannt: Wachtmeister Günther Stegmann,
Gefreiter Walther Wacker und Kanonier Roland Johler.
Roman Johler, der Sohn von Roland Johler erzählt, dass
sein Vater dort als Funker eingesetzt war, um über
Beobachtung Koordinaten für Ziele der deutschen
Artillierie durchzugeben. Deshalb waren Kirchtürme ein
bevorzugtes Angriffsziel für die Alliieren. Roland
Johler trägt dafür ein ca. 30 kg schweres Funkgerät auf
seinem Rücken. Die Beobachter schreiben alles Wichtige
auch in ein Beobachtungsbuch. Dieses Buch wird später,
nachdem der Turm zerstört ist, durch einen Einwohner in
den Trümmern gefunden.
Als der Kirchturm durch alliierten Beschuss in Brand
gerät, ist Kanonier Roland Johler im Turm. Vielleicht
weil er Sohn eines Pastors ist, hat er das Gefühl, die
Kirche retten zu müssen. Er versucht, Menschen zu
finden, die ihm helfen können, den Brand der Kirche zu
löschen. Rolands Worte:“Ich habe gekämpft darum, die
Kirche zu retten. Ich war rasend vor Eifer.“ Die anderen
deutschen Soldaten haben ihm den Vogel gezeigt. Dieses
Erlebnis hat Roland Johler mehrmals in der Familie
erzählt. Sonst war er eher zurückhaltend damit, über den
Krieg zu erzählen. Nach dem Vorrücken der Alliierten
befindet er sich plötzlich an der Front. Er wird
gefangen genommen und 1947 entlassen. (Quellen: Roland
Johlers Schwester Karin Lauritzen, Rolands Sohn Roman,
Nach der Gefangennahme durch die Alliierten kommt Roland
Johler zunächst nach Berleburg ins Sauerland in
Kriegsgefangenschaft, wo er in der Gegend von Laasphe
Bäume fällt. 1945 gibt es zunächst keine festen
Unterkünfte. Die Kriegsgefangenen werden auf einer Wiese
wie Vieh gehalten. Sie versuchen sich mit dem Graben von
Erdlöchern vor der Witterung zu schützen. Später trägt
Roland Johler aus Säcken genähte Hosen und Holzschuhe,
ist abgemagert, wie seine Schwester Karin berichtet.
Karin, die ihn damals besucht, ist 1945 dorthin per
Anhalter mit Lastwagen unterwegs.
"Mindestens eine halbe Million, vielleicht aber auch bis
zu einer Million deutsche Soldaten hatten das Pech, die
zweifellos furchtbaren, entbehrungsreichen Zustände in
diesen provisorischen Freiluftlagern erdulden zu müssen.
Was die Todesrate angeht, so wird allgemein geschätzt,
dass sie bei etwa einem Prozent lag, aber es gibt auch
plausible Schätzungen von bis zu fünf Prozent."
(Frederick Taylor, Zwischen Krieg und Frieden, Berlin
2011, S. 245)
Karin Johler erzählt über die Fahrt zu ihrem
Bruder Roland von Hamburg ins Kriegsgefangenenlager
Berleburg im November 1945:" Meine
Mardi-Freundin Hilde Bleck, Tochter des Hamburger
Opel-Händlers, hatte Beziehungen zu Lastwagenfahrern,
die für Opel-Bleck unterwegs waren. So bekam ich eine
Mitfahrgelegenheit nach Osnabrück. Dahin fuhr auch meine
Mutter mit. Sie besuchte dort ihre Cousine Dörte Randa
und ihren Mann Juke. Beide hatten lange in Altona
gewohnt und waren wegen eines interessanten Job-Angebots
als Kinderheim-Leitung dorthin gewechselt. In Altona
hatte Dörte Jürgen Frahm großgezogen, den Sohn von Karl
Frahm, Bankdirektor bei der Westbank. Dessen Frau war
früh verstorben. Ich fuhr von Osnabrück per Anhalter
weiter nach Bedburg Hau in Nordrhein-Westfalen. Dort war
meine andere Mardi-Freundin Gieschen (Gisela) für ein
zwei Jahre als Arzthelferin in einem Krankenhaus für
psychisch Kranke gelandet. Während der deutschen
Besetzung Norddänemarks verbrachte sie dort viel Zeit in
einer Klinik . Da ging es ihr gut: "Viel
Schlagsahne!".Nach Kriegsende musste sie natürlich das
Land verlassen. In Bedburg Hau blieb ich eine Woche.
Von dort ging es dann weiter zu meinem Bruder Roland.
Zunächst kam ich nur bis Oberhausen. Dort wohnte die
Mutter des Verlobten meiner Mardi-Freundin Pitty (Ingrid
Peters), wie ich mich erinnerte. Ich fand ihre Adresse
im Telefonbuch einer Telefonzelle und rief sie an. Sie
war bereit, mich aufzunehmen. Pittys Verlobter war auf
seiner ersten Feindfahrt noch in der Nordsee auf einem
nagelneuen U-Boot als leitender Ingenier (Stern mit
Rädchen auf der Uniform) gefallen. Das neu entwickelte
Radar der Engländer hat sie aufgespürt. Ich konnte der
Mutter von der Verlobung ihres Sohnes in Hamburg
erzählen. Es war in Alsterdorf im kleinen Kreis der
Mardi-Freundinnen. Die jungen Offiziere kannten das
Risiko des Krieges und wollten für den Fall ihres Todes
in einem Kind weiterleben. Pittys Vater war gerade
deswegen gegen eine schnelle Heirat. Eine Frau ohne Mann
ist auch nichts. Er kannte das Schicksal von
Soldatenwitwen mit vergleichbaren Schicksalen aus dem 1.
Weltkrieg. Mit der Mutter habe ich den ganzen Abend
gesprochen. Dann durfte ich in ihrem Ehebett schlafen.
Ein tolles Holzbett.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Berleburg, dem Sitz
der Wittgensteins.
Wir hatten dort nur die Adresse eines älteren Ehepaars.
Roland hatte die beiden während eines Freigangs
angesprochen, ob er wohl dort seine Post hinschicken
lassen könnte. Er selbst durfte als PoW keine Post
empfangen. Eingesperrt war er nicht. Er hatte aber auch
keine Chance zu fliehen ohne Papiere. Bei diesem Ehepaar
konnte ich auf der Chaiselongue in der Küche schlafen.
Ich traf Roland abends und einmal am Sonntag, wo er frei
hatte. Er trug Holzschuhe ohne Strümpfe und eine grüne
Militärjacke. Ich bin ca. 5 Tage dort geblieben. Der
Mann des Ehepaars war Tischler. Ich habe mir dort einige
Holzteller gekauft. Holz gab es in der Gegend viel. Mein
Bruder musste im Wald Bäume fällen. Zum Schlafen ging es
in eine Sägefabrik. Die Engländer brauchten das Holz als
Stützen für ihre Kohlebergwerke. So viel Wald wie wir
hatten die nicht. "
Schon 1945 sollen einige Gefangenen entlassen werden und
dazu auf einen LKW steigen. Roland gehört zu der Gruppe.
Kurz bevor er auf die LKW-Pritsche klettern kann, fragt
ihn jemand nach Feuer. Roland gibt es ihm und in der
kurzen Zeit, die die höfliche Geste dauert, ist der LKW
voll, die Klappe geht hoch. Roland bleibt, ihm stehen
dadurch zwei weitere Jahre Kriegsgefangenschaft bevor.
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Hamburg, April 1964. Roland Johler wohnt jetzt in der
Parkallee 14, ist Schiffsausrüster, heiratet und bekommt einen
Sohn. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947
absolviert er mit 22 Jahren noch eine Lehre als Kaufmann im
Papierwarengroßhandel Steffen in Othmarschen. Danach folgen
Stationen in dem Rauchwarengeschäft Lehmann, das mit Tierhaaren
handelte, die zu Hüten verarbeitet wurden, dem Schuhhaus Prange
am Jungfernstieg, eine Tätigkeit als angestellter und später
auch unternehmerische Verantwortung tragender Schiffsausrüster.
Den Abschluss seiner beruflichen Laufbahn erlebt Roland Johler
als Außendienstmitarbeiter bei Beiersdorf, wovon er stolz
erzählte, dass er dort als erster die Idee hatte, an ALDI zu
verkaufen und auf einen Schlag für einen 6stellligen DM-Betrag
Tesa-Produkte veräußern konnte. Das brachte ihm eine
anerkennende Notiz in der Mitarbeiterzeitung. Roland Johler
starb am 5.2.1993 in Hamburg.

Hamburg, ca. 1985. Roland Johler. Er ist jetzt in zweiter
Ehe verheiratet und wird Vater eines zweiten Sohnes.

Morsum, April 1973. Hannes und Grete Hebbeln
mit Elwine Johler(r.) in der Mitte. Außen links Karin Lauritzen,
rechts Magda Lauritzen. Das Foto ist auf der Terrasse des Hauses
von Karin und Georg Lauritzen in Morsum am Terpstig aufgenommen
worden. Hannes und Gretel Hebbeln sind mit den Johlers
befreundet seit Hannes Hebbeln in Morsum als Junglehrer tätig
war.

Kiel, Januar 1975. Elwine Johler (2.v.l.) im Seniorenheim
Holtenau. Tochter Karin wohnt zu der Zeit in Kiel-Wik. Die
Mitbewohnerinnen v.l.: Gertrud Kemgt +6.3.76, Elwine Johler,
Antonia Schumacher. V.r.: Clara Laars und Else Kalweit.

Kiel, 25. April 1975. "Mit Karin...am Kanal Buschwindröschen
gepflückt im Knooper Wald."

Elwine Johler 1978

Hamburg 1986. Elwine Johler feiert im Haus ihres Sohnes
Roland am Wiesenredder in Hamburg-Jenfeld ihren 90. Geburtstag.
Ein Geheimnis ihres langen Lebens ist vielleicht ihr
Medikamentenkonsum. In einem Brief an ihre Freundin Margaretha
vom 30.11.1967 schreibt sie: "Früher war ich nicht so fürs
einnehmen, aber jetzt bin ich schon lange nicht mehr zimperlich
auf dem Gebiet. Durch die Bank muß ich dreimal täglich drei bis
vier verschiedene Sachen schlucken. Tropfen für den Gallenfluß,
Tabletten gegen zu hohen Blutdruck, Dragees fürs Herz, auch
Dragees gegen die Durchblutungssstörungen und Kapseln gegen die
Gichtknoten in den Pfoten! Und wenn ich schwindelig bin, was
auch hin und wieder passiert, habe ich auch Pillen dafür liegen,
die zum Glück auf Anhieb helfen. Ich wunder mich nur immer, daß
all dies Zeug auch immer dahin rutscht, wo es helfen soll. Aber
Onkel Doktor sagt, das regelt sich ganz von selbst. Nur brav
schlucken. Hotzvadori, und wenn es mit der Verdauung nicht ganz
klappt, hab ich dafür auch noch einen Pillentröster vor dem
Schlafengehen. Nun kannst Du mal tüchtig lachen über mich, ich
habe früher auch oft gelacht, wenn ich die alten Tanten mit
ihren Apotheken im Pompadour (altertümliche
Damenhandtasche) beobachtete. Nu sünd wi sülben so
wiet!!"

Ca. 1984. Elwine Johler bei ihrer Tochter Karin
Lauritzen in Morsum. Am 30.4.1980 ist sie aus ihrem Altenheim in
Kiel-Holtenau nach Sylt in das Altenheim an der Steinmannstraße
in Westerland gezogen.

Morsum, Friedhof 1991.

Morsum, Juli 2002. Ulle Weber (r.) liest im Moasem Hüs
aus Margarete Boies Roman Dammbau. Hier ist sie im
Gespräch mit Karin Lauritzen, der Tochter des Pastors Hans
Johler, einer Hauptfigur des Romans.
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Daniel Gustav Hans Johler ist
seit 19.5.1913 in seiner ersten Anstellung Pastor in Morsum auf
Sylt. Er heiratet am 3.9.1919 Katharina
Julie Elwine Ude aus Lübeck. Beide wohnen im
Morsumer Pastorat.
Hans und Elwine Johler haben 3 Kinder:
1.) Ekkehard Harro Godwin Erk Johler
* 21.10.1921 in Morsum
als Soldat vermisst in Stalingrad am 15.1.1943
>Ekkehards
letzte Briefe aus Stalingrad
Private Fotos von Ekkehard Johler vom
Stalingradfeldzug
2.) Karin Runtraut Elwine Johler
*7.2. 1925 in Morsum
3.) Roland Rudolf Ingo Johler †
* 21.6.1926 in Morsum
heiratet zunächst Annegret Eckhoff:
1 Kind York
In zweiter Ehe ist Roland Johler mit Brigitte Batista verheiratet:
1 Sohn Roman (verheiratet mit Margret Taskiran)
In die Dienstzeit von Hans
Johler in Morsum fällt u.a. der
Dammbau nach Sylt. Hans Johler kümmert sich als Seelsorger
auch um die vielen (1500?) Arbeiter, die in das sonst so
abgeschottete Dorf gekommen sind. Das führt zu Spannungen mit der
eingesessenen Bevölkerung, die u.a. den Stoff für Margarete Bojes Roman "Dammbau" liefern.
1915 meldet sich der national eingestellte Pastor Johler zum 2.
Mal freiwillig für den Dienst mit der Waffe. Das königliche
Konsistorium lehnt den Antrag ab, da zur notdürftigen
seelsorgerischen Versorgung der Insel zwei Geistliche notwendig
seien. (vgl. Dannenberg, S. 122)
Woher kommt diese Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen? Eine
Antwort darauf findet sich vielleicht in der Erziehung während der
Kaiserzeit. Folgende Zeilen leiten die Festgabe der Stadt
Wandsbek für ihre Jugend von 1897 ein, die aus einem von
Hans Johler im Alter von 15 Jahren signierten Exemplar zitiert
werden:
"Freue dich, deutscher Knabe, deutsches Mädchen, sei stolz darauf,
dein Vater war auch dabei, als wir hinauszogen in den Kampf für
Deutschlands Ehre, in den heißen Kampf, das bedrängte Vaterland zu
verteidigen!...Deutschlands Sohn, ob du mitgekämpft hast oder
nicht, blicke in Verehrung auf zu dem Heldenkaiser, der uns zum
Sieg geführt hat." Lob auf den Reichsgründer Kaiser Wilhelm I.,
der die als Verteidigungskrieg begonnene Auseinandersetzung von
1870/71 gegen Frankreich u.a. zur Annexion von Elsaß und
Lothringen nutzte.-

Kaiser Wilhelm I.
Dem Nazi-Regime steht Hans Johler ablehnend gegenüber. Anpassungen
an den Staat sind eher formal. So verwendet er in einigen Briefen
an offizielle Stellen den Hitlergruß.
In einem Familienbrief aus dem Jahre 1932 findet sich fogende
Bemerkung über Hans Johler:
"Es freut mich auch, dass Hitler wieder weitere schöne
Erfolge gehabt hat, nur dass Johlers sich nicht bekehren lassen
wollen, kann ich eigentlich nicht verstehen. Wieso treibt Brüning
eine feine Politik, Hans [Pastor Hans Johler] muss doch selber
spüren, was bei seinen Notverordnungen herausgekommen ist,
Gehaltsabbau usw. Außerdem ist der Mann Katholik und sollte aus
diesem Grunde schon nicht die Sympathie eines protestantischen
Priesters haben. ...Das mit der gottlosen Vergottung der
Vergötterung der Gottmenschen und der heidnischen Götterei scheint
mir auch ziemlich überspannt zu sein, man muss zum mindesten eine
ganze Zeit nachdenken, bis man den Sinn halbwegs erfasst hat."
Hans Johler war Mitglied der Deutschen Christen (Paasch, S. 28),
einer dem Nationalsozialismus nahestehenden Strömung im
Protestantismus. Sie wurde 1932 auf Reichsebene
gegründet.(Piening, S. 65) Irgendwelche Aktivitäten im
Zusammenhang mit Johlers Mitgliedschaft sind nicht bekannt.
Völkisch-christliche Gedanken sind Johler nicht fremd gewesen.
Parteimitglied oder war Hans Johler nicht.
Überliefert ist ein erbittertes Streitgespräch in der
Vorkriegszeit zwischen Hans Johler, seinen Brüdern Ingo und
Karlaugust sowie Hermann Okraß, dem Hauptschriftleiter des Hamburger
Tagesblatts und Mitglieds der Hamburger Bürgerschaft. Die
Zeitung war ein NSDAP-Propagandablatt. Okraß ist mit einer
Schwester von Erika Johler, geb. Jankwitz, verheiratet. Damit
gehört er zur Familie.
Der Streit in Kurzform: Hans Johler:"Hitler bringt uns den Krieg!"
Okraß:"Nein!" Ingo Johler:"Und wenn schon!" Nach Elwines
Erinnerung erwiderte Hans:" Ingo, bedenke, Du hast vier Söhne!"
Später sterben Ingos vier Söhne im Krieg. Ebenso ein Sohn von
Hans.
Die Druckerei der Johlers hat im Dritten Reich für die Industrie
z.B. Zigarettenschachteln gedruckt "Aus gutem Grund ist Juno rund"
und auch für die NSDAP Plakate. Später war die Wehrmacht ein
wichtiger Kunde.
Hans Johler wird am 7. Juni 1919 von der Westerländer
Freimaurer-Loge "Frisia zur Nordwacht" als Bruder aufgenommen.
1943 kauft sich Hans Johlers Sohn Roland einen
Kurzwellenempfänger. Vater und Sohn hören zusammen unter der
Bettdecke die deutschsprachige BBC. (Quelle: Karin Lauritzen). Das
spricht für die Distanz zum herrschenden Regime.
Bis dahin besitzt Familie Johler einen schwarzen Volksempfänger,
die sehr günstig verkauft wurden, wohl auch, um der Bevölkerung
die Nazipropaganda besser vermitteln zu können. Das Radio empfängt
nur Mittel- und Langwelle. Das allererste Radio ist ein
Kofferradio, das mit einem Akku betrieben wird. Man musste ihn zum
Aufladen in ein Geschäft am Winterhuder Markt bringen. Dieses
Gerät steht in der Wohnung am Grasweg. Auch Elwine Johler nutzt es
am Abend beim Bügeln und Stopfen. Karin hört gern
Märchenhörspiele. Als Vater Hans sie mal mit den Worten ruft:"Dein
Patenonkel hält eine Rede!" versteht Karin nichts davon.
Patenonkel ist Reichspräsident Hindenburg.
1937 kauft Hans Johler einen elektrischen Kühlschrank. Bis dahin
hat die Familie keine Kühlmöglichkeit. Es gab nur die Technik,
sich große Eisstangen ins Haus bringen zu lassen, die in einem
isolierten Schrank zu Wasser schmelzen. Die Johlers hatten sie
nicht.
Im November 1927
wechselt Hans Johler nach Hamburg und wird dort 1929 Flussschiffer-Pastor auf der Veddel. Er
setzt sich u.a. "für die Errichtung eines Schifferkinderheims
sowie eines Heims für die erwachsenen Schiffer ein" (Paasch, S.
27). Er wird am 19.9.1939 an der Universität Hamburg mit einer
Arbeit über "Die Strukturwandlungen der Binnenschiffahrt im
Jahrzehnt 1930 - 1940 in Hamburg als Grundlage einer Soziologie
des deutschen Schifferstandes" promoviert.
In der Kriegszeit versieht Hans Johler Vertretungsgottesdienste in
verschiedenen Hamburger Kirchen und im Friedhofsdienst. Weil das
Geld nicht reicht, arbeitet Hans Johler ab 1941 auch im Rahmen des
Kriegshilfsdienstes kurzzeitig bei der Hamburger Feuerkasse. Seine
Arbeit als Vertretungspastor gibt er deshalb jedoch nicht auf.
Ausdruck der finanziellen Enge ist eine Bitte von Hans Johler an
eine Freundin von Elwine, die in Hademarschen Kreis Rendsburg
wohnt, also auf dem Lande:"Hier ist alles ziemlich knapp. Sollte
es Euch doch möglich sein, mit der Post einige Eier ab und zu zu
übersenden, würdest Du ein wirklich gutes Werk für meine
Gesundheit tun."(Postkarte vom 28.9.1939) Wie wichtig ihm die
Versorgung mit frischen Eiern war, zeigt ein Brief, der sich auf zwei
Seiten der Eierlogistik widmet.
Elwine und Hans Johler wohnen in Hamburg zunächst am Grasweg 38a
und dann in der Gryphiusstr. 3 im ersten Stock.
Im Januar 1943 wird ihr Sohn Ekkehard in Stalingrad als vermisst
gemeldet.
Hans Johler stirbt am 5.9.1943 während eines
Vertretungsgottesdienstes in der später durch Luftangriffe
zerstörten Bramfelder Kirche. Er hatte einen Herzfehler und war
mit dem Fahrrad nach Bramfeld gefahren. Die Anstrengung war wohl
zu groß.
Elwine Johler zieht 1955 aus der für sie nun viel zu großen
Wohnung in der Gryphiustraße in eine 1 1/2-Zimmer-Wohnung am
Schwanenwik 31. Danach ab 1973 wohnt sie 6 Jahre in einem
Altenheim in Kiel-Holtenau und nach dem Umzug ihrer Tochter Karin
nach Morsum 6 Jahre in einer Seniorenwohnanlage in Westerland,
dann 2 Jahre bei Karin und und weitere 6 Jahre in Westerland auf
einer Pflegestation.Sie stirbt dort am 20.2.1991.
Quellen:
Dannenberg, Gerd: Schicksal hinter goldenen Lettern
Gerhard Paasch, Die Hamburger Flussschiffergemeinde, Hamburg
2003
Piening, Holger: Zwischen Monarchie und Führerstaat
Nordfriesische Pastoren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts,
In: Zwischen Eider und Wiedau Nordfriesland 2017
Lange nicht gehört!
Elwine Johler erzählt ihrer Tochter Karin von ihrer Verlobung im Jahre 1919 (42`30. Die ersten 7`13 sind sehr
leise. 40 MB)
hier hören
Hochzeit von Hans und Elwine Johler (1919)
Absender der Telegramm-Glückwünsche aus Morsum:
-Kirchenvorstand Morsum
-Sara Mattessen [Haushaltshilfe im Pastorat]
-Küster Hansen und Frau
-Familie Sparboom
-Reinhard Bleicken und -Familie
-Christiansen Simon
-Ferdinand Jensen und Familie
-Familie Johann Heiksen
-Bernhard Matzen und Frau
-Peter Bleiken u Bleicken
-Familie Schröder
-Familie Cornelisen
-Carl Lorenzen und Frau
-Peter Boy Eschels und Familie
-Ingwersen Nösse
-Charlotte Jessen
-Familie Kayser
-Boy Jensen und Frau
-Julius Matzen und Frau
-Jürgen Mathiessen
-Julius Petersen und Frau
-Anton Jensen und Familie
-Peter Schnoor und Frau
-Karl Erich Krohn und Frau
-Petersen und Frau
-Familie Hans Klint
-Chr Kruse u Fräulein
-Emma und Thora Nissen
-Lorenz Petersen und Familie
-Familie Adede Petersen
-Familie Feddersen
-Peter Matzen und Frau
-Familie Christian Petersen
-Boy Simon Thiesen und Familie
-Carl Boy Nissen und Frau
-Frau Mietje Petersen
-Peter Matzen und Familie
-Peter Meinert Petersen
-Käthe Johannsen
-Max Bossen und Frau
-Jensine Petersen und Frau
Glückwunschkarte:
-Carl B. A. Petersen und Frau
-Familie Nic. Hansen
-Christian Bundis
-Peter Geik Petersen und Frau
Absender der Telegramm-Glückwünsche aus Westerland:
-Frisia zur Nordwacht
-Tante Nelly [Thusnelde Lund]
-Pastor Soltau und Frau und Mutter
-Märtz und Frau
-Dr. Nicolas und FamilieFamilie Volgrude
-Bruder Hildebrandt
-Max Nissen und Frau
-Alex Herklotz
-Ehepaar Zeidler
-Schwester Gondel Christiansen
Glückwunschkarte:
-Reinh. Ratzlaff und Frau
-H. Hoffeins und Frau
-D. B Brodersen und Familie
Absender der Telegramm-Glückwünsche aus Keitum:
-Organist Dirksen und Familie
-Ruhsert und Frau
-Volquard Claßen und Frau
-N Nielsen und Familie
Glückwunschkarte:
-Adolf Reusch und Frau
Braderup:
Glückwunschkarte:
-N. Diedrichsen und Frau
historische Karte
von Morsum/Sylt (Stand 1878)
sowie
die Anschlusskarte Keitum/Sylt
Fotos
von Pastor Hans Johlers KonfirmandInnen auf Sylt
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